Archive for the ‘Volkswirtschaft’ Category

Der Staats­haus­halt muß ausge­gli­chen sein. Die öffent­li­chen Schulden müssen verrin­gert werden. Die Arroganz der Behörden muß gemäßgt und kontrol­liert werden.
Die Zahlungen an auslän­di­sche Regie­rungen müssen reduziert werden, wenn der Staat nicht bankrott gehen soll. Die Leute sollen wieder lernen, zu arbeiten, statt auf öffent­liche Rechnung zu leben.”

Marcus Tullius Cicero, 55 v. Chr.

Gold — Auf dem gelben Ziegelsteinweg?

Dienstag, Oktober 20th, 2015

Artikel von Nicole Foss

Zuerst veröf­fent­licht in englisch am 11.09.2015 auf TheAutomaticEarth.com unter dem Titel „Gold – Follow the Yellow Brick Road?

Vor dem Hinter­grund des sich rasch ausbrei­tenden Vertrau­ens­ver­lusts und der konse­quenten Umstel­lung auf Deflation mit fallenden Preisen auf ganzer Front als Folge ist es ange­bracht, unsere Position bei Gold zu über­prüfen. Das gelbe Metall wird oft als Allheil­mittel angesehen — der sichere Hafen als Schutz vor allen Arten von möglichen finan­zi­ellen Störungen. Es ist seit langem unsere Position bei The Automatic Earth, dass dies eine viel zu verein­fachte Sicht­weise ist. Wir leben in einer komplexen Welt, für die es keine einfachen, eindi­men­sio­nalen Lösungen gibt. Es ist wichtig, zwischen den Märkten für Papier­gold und physi­schem Gold zu unter­scheiden und um die Risiken des Gold­be­sitzes zu verstehen um damit umgehen zu können. Wie wir schon damals, 2009, schrieben:

Zum einen haben die Goldbugs recht, dass physi­sches Gold echtes Geld ist (im Gegensatz zu Papier­gold, das nur ein weiteres Schnee­ball-System ist). Es hat seinen Wert für Tausende Jahre erhalten und wird dies auch weiterhin lang­fristig tun. Doch das bedeutet nicht, dass der Goldpreis nicht fallen könnte oder dass jetzt der Goldkauf der rechte Weg für alle sei, um ihr Kapital zu erhalten… Die Lebens­um­stände der Menschen sind unter­schied­lich, und diese Umstände bestimmen ihre Hand­lungs­frei­heit, sowohl jetzt als auch in der Zukunft.

Blasendynamik

Unserer Ansicht nach ist (Papier-) Gold in einer Blase, die im Jahre 2011 ihren Höhepunkt erreicht hat, zusammen mit dem Rest des Rohstoff­kom­plexes. Es wurde der gleichen Dynamik wie andere Rohstoffe ausge­setzt, die kollektiv den Kontakt zu ihren eigenen Funda­men­tal­daten verloren haben, je mehr sie über­fi­nan­zia­li­siert wurden. Finan­zia­li­sie­rung treibt die Dynamiken in eine virtuelle Welt und setzt sie gleich­zeitig perver­tierten Anreizen aus. Die Folge sind erheb­liche Kurs­be­we­gungen, die im besten Fall eine dünne Verbin­dung zu tatsäch­li­cher Nachfrage und Angebot haben.

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Äthiopien: Der inszenierte Hunger

Donnerstag, Juni 12th, 2003

In Äthiopien gibt es Wasser genug — doch die Entwick­lungs­helfer der UN reden der Welt eine Dürre­ka­ta­strophe ein

Von Lutz Mükke

Artikel mit freund­li­cher Geneh­mi­gung wieder­ge­geben aus Die Zeit 17/2003

Die drei Minuten vom Empfangs­tresen im Parterre bis zu seinem Büro im sechsten Stock des UN-Hoch­hauses in der äthio­pi­schen Haupt­stadt Addis Abeba genügen Wagdi Othman, um alles Wichtige zur aktuellen Ernäh­rungs­lage des Landes zu sagen: Ausblei­bender Regen führe bei den Bauern im Hochland zu Dürre und Miss­ernten, bei den Nomaden im Flachland zu hohen Verlusten unter den Vieh­be­ständen. „Wenn wir nichts tun, werden in diesem Jahr Millionen Äthiopier verhun­gern.“ Der 42-jährige Othman ist der Sprecher des UN-Welt­ernäh­rungs­pro­gramms (WFP), des größten und wich­tigsten Nahrungs­mit­tel­ver­tei­lers in Äthiopien. Und damit man die Dramatik auch ja richtig einschätzt, fügt er hinzu: „Wir stehen vor einer noch größeren Hunger­ka­ta­strophe als 1984.“

Die Bilder aus Äthiopien gingen damals um die Welt und sind vielen Menschen im Gedächtnis geblieben: weit aufge­ris­sene Kinder­augen in riesig wirkenden Kinder­schä­deln; apathisch wirkende junge Mütter mit dürren Babys auf den Armen; Auffang­lager voll hungernder Menschen, die in entle­genen Dörfern aufge­bro­chen sind, um einem Gerücht zu folgen, das irgendwo Essen verhieß.

In Stapeln aufge­schichtet, liegen 64 Seiten starke Hoch­glanz­mappen griff­be­reit neben Othmans Schreib­tisch. In düsteren Farben prognos­ti­zieren sie anhand von Schau­bil­dern, Zahlen­ko­lonnen und Tabellen eine „Hunger­ka­ta­strophe Äthiopien 2003“, die alle bishe­rigen Desaster über­treffe — auch die Hungersnot von 1984. Damals, schreibt das WFP, starben eine Million Menschen. Heute seien fast alle Regionen des Landes von gigan­ti­schen Ernte­ein­bußen betroffen. Allein in den Regionen Amhara, Oromiya und Somali seien über neun Millionen Menschen von der akuten Hungersnot bedroht. Auf die Ziffer genau listet das Pres­se­ma­te­rial auf, dass Äthiopien in diesem Jahr 1 441 142 Tonnen Nahrungs­mittel und 75 109 559 Dollar an Nothilfe benötigt, um das Überleben eines Fünftels der Gesamt­be­völ­ke­rung zu sichern.

Kräftige Rinder und Kamele an gut gefüllten Wasserstellen

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Interview mit Dr. Kurt Richebacher

Donnerstag, Januar 2nd, 2003

24. Dezember 2002

Über­set­zung von Kai Hacke­messer

Quelle: http://www.investmentrarities.com/weeklycommentary.html

Vorwort

Dr. Kurt Riche­ba­cher hat eine unheim­liche Fähigkeit demons­triert, zukünf­tige wirt­schaft­liche Probleme zu iden­ti­fi­zieren. Der frühere Chef­volks­wirt der Dresdner Bank warnte vor der Rezession und dem NASDAQ-Crash Monate, bevor es geschah. Er sagte den Zusam­men­bruch der asia­ti­schen Tieger­s­taten 1998 voraus und lies lange vor Enron die Alarm­si­renen ertönen, was die Tricks um die Unter­neh­mens­ge­winne anging. Als beinahe jeder sich einer V-förmigen Erholung sicher war, behaup­tete er, daß dies unmöglich sei.

Als Meister der klas­si­schen Volks­wirt­schaft und viel­leicht der beste analy­ti­sche volks­wirt­schaft­liche Denker der heutigen Welt schreibt Dr. Riche­ba­cher einen monat­li­chen Rundbrief, den „Riche­ba­cher-Brief”. Bei seinem beein­dru­ckenden Rekord genauer Warnungen und Voraus­sagen ange­sichts der meist einstim­migen Oppo­si­tion aus Esta­blish­ment-Volks­wirt­schaften denken wir, daß das folgende Interview mit voller Konzen­tra­tion und Kombi­na­ti­ons­fä­hig­keit gelesen werden sollte.

Damals im März’97 warnten Sie, daß ernste Probleme die schwer verschul­dete Wunder­wirt­schaft im Fernen Osten bedrohen. Warum hatten Sie dieses Problem ins Licht gerückt?

Ihr Boom war kredit­in­du­ziert. Sie gerieten schwer in Schulden, um exzessiv zu bauen.

Die gleiche alte Geschichte?

Ja, Abge­zo­gene Gelder und Kredit­wachstum und die typischen Symptome von sich über­hit­zenden Volks­wirt­schaften — Inflation, Speku­la­tion und finan­zi­elle Exzesse.

Dann, im Juni’98 sagten Sie, „Später dieses Jahr wird sich die US-Wirt­schaft abrupt verlang­samen”. Was hatten Sie wahr­ge­nommen?

Die Gewinne gaben nach und Unter­nehmen neigten zu selbst­zer­stö­re­ri­schen Finanz­tricks und Buch­hal­tungs­ma­nö­vern einschließ­lich schwerer Speku­la­tionen und Lever­aging. Ich schrieb, daß einige durch explo­die­rende Papier­werte unglaub­lich reich wurden, aber Erspar­nisse und Kapi­tal­bil­dung erbärm­lich seien.

Dann sagten Sie den Zusam­men­bruch des Akti­en­marktes und der Tech­no­lo­gieblase voraus. Wie konnten Sie das?

Die großen speku­la­tiven Manien der Geschichte waren mit Neue­rungen verbunden, die große öffent­liche Begeis­te­rung auslösten. Das war auch der Fall beim Internet, und damit einher­ge­hend hatten wir die allge­gen­wär­tige Über­schwem­mung mit Geld und Kredit. Ja, ich schrieb, ein Bären­markt sei unaus­weich­lich.

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Marc Faber — Im Zwielicht

Dienstag, August 20th, 2002

Original: In the Twilight Zone vom 6. August 2002
Ueber­setzt von Kai Hacke­messer August 2002

Einbrüche in den westlichen Kapitalmärkten würden düstere Zeiten wirklicher wirtschaftlicher Not erahnen lassen, behauptet Dr. Marc Faber

Ich habe bereits früher begründet, daß das Fehlen jeglichen Grund­la­gen­wis­sens über die Zukunfts­aus­sichten und Gewinne der gelis­teten Unter­nehmen nicht nur auf das Internet und den TMT-Bereich (Tech­no­logie, Medien und Tele­kom­mu­ni­ka­tion) zutrifft, sondern auf die meisten Unter­nehmen.

Für mich war klar, daß das Internet eine Welt des „reibungs­losen Kapi­ta­lismus” hervor­bringen würde, welcher wiederum die Unter­neh­mens­ge­winne drücken würde, da die meisten Unter­nehmen einen guten Anteil ihrer Profite aus dieser Reibung gewannen. Reibung infla­tio­niert die Preise, reduziert die Rivalität und schützt die Margen.

Die gewinn­freund­liche Reibung kommt in vielerlei Gestalt. Unwis­sen­heit des Kunden ist vermut­lich der wich­tigste Faktor, andere sind örtliche Monopole und der Mangel an Verhand­lungs­ge­schick der kleineren Unter­nehmen. Es war eindeutig so, daß das Internet viel mehr Trans­pa­renz in die Märkte gebracht hat und diese Reibungen weit­ge­hend beseitigt hat, während B2B-Knoten es kleineren Unter­nehmen viel leichter gemacht hat, sich zusam­men­zu­schließen und Zuge­ständ­nisse ihrer Liefe­ranten zu erzwingen — wozu zuvor nur große Unter­nehmen in der Position waren.

Und obwohl Ich seiner­zeit schrieb, daß ich glaube, eine Zeit der sehr enttäu­schenden Unter­neh­mens­ge­winne habe begonnen, habe ich eine Form der Reibung übersehen, welche mit der gesell­schaft­li­chen Grund­stim­mung der Anle­ger­ge­meinde zusam­men­hängt — oder, um es zu verein­fa­chen, mit deren Unwis­sen­heit und gren­zen­loser Leicht­gläu­big­keit.

In den späten 90ern waren Unter­nehmen in der Lage, gewaltige Gewinn­stei­ge­rungen zu verbuchen, weil es einfach kaum jemanden inter­es­siert hat, wie diese Gewinne erzielt wurden. In anderen Worten wurde die Anle­ger­ge­meinde — gefangen in einem Wirbel­wind der Speku­la­tion und geblendet durch die bulli­schen Kommen­tare der Geschäfts­führer, Analysten und Mr. Greenspan — darauf ausge­richtet, alle Arten von Buch­hal­tungs­tricks, Akti­en­rück­käufe auf Kredit, gefähr­liche speku­la­tive Anla­ge­po­si­tionen und sogar blanken Betrug, um die Gewinne anzu­kur­beln, zu igno­rieren.

Die Situation in den 90ern verkör­pert, was der fran­zö­si­sche Soziologe Gustave Le Bon mehr als 100 Jahre zuvor in seinem Klassiker „Psycho­logie der Massen” beob­achtet hat, als er schrieb, daß die Masse „nicht vorbe­reitet ist, zuzugeben, daß irgend­etwas zwischen ihren Willen und die Reali­sie­rung ihres Willens kommen kann”, während „die Idee der Unmög­lich­keit für das Indi­vi­duum in der Masse verschwindet”. Solange die Aktien stiegen, hat sie niemand wirklich gesorgt. (mehr …)

Wie man Gold mit Papier steuert

Samstag, Juni 8th, 2002

Quelle: Control­ling Gold with Paper
Geschrieben am 08.06.02 von Jason Hommel für Gold Eagle
Übersetzt am 08.06.02 von Kai Hacke­messer

Am Dienstag, dem 4. Juni fiel der Kassakurs für Gold in den Sekun­där­markt­stunden von 329$/Unze auf 325$/Unze, und im Verlauf des nächsten Tages fiel er weiter auf 321$/Unze. Weniger als 24 Stunden später berich­tete www.theminingweb.com und die GATA, daß dies ein Ergebnis eines Groß­ver­kaufs von Termin­kon­trakten mit einem relativ illi­quidem Datum in einem relativ illi­quidem Markt (wegen der unge­wöhn­li­chen Uhrzeit) war, was den Preis gedrückt hat.

Es ist raffi­niert zu sehen, wie der Preis des Goldes diesmal wie auch früher mit Papier-Kontrakten herun­ter­ma­ni­pu­liert wurde. Da kommt die Frage auf: „Wie können die den Goldpreis nieder­knüp­peln, wenn sie gar kein Gold verkaufen?” Ich möchte mein bestes tun und versuchen, dieses Falsch­spiel zu verein­fa­chen und zu erklären, und die wesent­li­chen Tatsachen, die so bullisch für den Goldmarkt sind, behandeln, welche auch zur Zeit den aktuellen Bullen­markt im Gold verur­sa­chen. Diese Abhand­lung könnte Ihnen auch helfen, Ihre Freunde, Verwandte und Bekannte, die den Gold Eagle nicht lesen, vom Nutzen der Inves­ti­tion in Gold zu über­zeugen.

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Ein Brief aus Argentinien

Freitag, Juni 7th, 2002

Quelle
Übersetzt am 7. Juni 2002 von Kai Hacke­messer

Die Gold­horter in Japan können sicher­lich das volks­wirt­schaft­liche Leid Argen­ti­niens immer ernst­hafter nach­emp­finden. Wir lesen davon, daß japa­ni­sche Haushalte dieser Tage sich Edel­me­tall Barren für Barren schnappen, offen­sicht­lich befürch­tend, daß die Probleme, welche das nationale Banken­system beinahe ein Jahrzehnt heim­su­chen, eher schlimmer als besser werden.

Vergli­chen mit Argen­ti­nien stellt Japan jedoch ein Bild einer gesunden Volks­wirt­schaft dar. Wie schlimm läuft es heut­zu­tage in einem Land, welches bis vor kurzem eine der erfolg­reichsten Mittel­klas­se­be­völ­ke­rung der Welt hatte?

Hier ein Bericht aus den Schüt­zen­gräben — Ich möchte Sie warnen, er ist nichts für zart­be­sai­tete Gemüter. Er stammt von einem Argen­ti­nier, der regel­mäßig mit einem meiner Freunde in Phil­adel­phia korre­spon­diert. Die in dem Brief beschrie­benen Zustände liegen jenseits der Vorstel­lungs­kraft der meisten Ameri­kaner, jedoch nicht länger hinter jener der Japaner:

Ich möchte Dir folgende Ange­le­gen­heit mitteilen, lieber E.M. Ich bin sogar noch weiter im Landes­in­neren als Buenos Aires, weitab der Kata­stro­phen der Groß­städte. In weniger als einem Jahr ist die Prozent­zahl derer, die in Armut leben, hier von 14% auf 50% gestiegen — und steigt Tag für Tag weiter! Nun ist etwas seltsames hier geschehen. Ich weiß nicht, ob diese eigen­tüm­liche Situation im Ausland bekannt ist, aber die Banken — alle, einschließ­lich der Citibank, Boston, Banca Nazionale del Laboro, der Societe General und Deutsch­lands zweit­größter Bank — haben die Erspar­nisse des Volkes schlicht gestohlen. Dies ist eine beispiel­lose Situation in der Neuzeit und ich bin mir sicher, daß es früher oder später woanders Auswir­kungen zeigen wird. Aber die Tatsache ist einfach: Am einen Tag hatte man Geld auf der Bank, und am anderen Tag, wenn man es abzuheben versuchte, war es nicht mehr da. Alle Banken sagen einfach „Wir haben es nicht.”

Kannst Du dir das vorstellen? Nicht nur daß die Erspar­nisse von jedem einschließ­lich der älteren über Nacht verschwunden sind, ebenso sind unser Glaube und unsere Zuver­sicht in die poli­ti­schen und Finanz­in­sti­tu­tionen in diesem Land geschwunden. Und selbst jene, die keine Erspar­nisse zu verlieren hatten, wie in meinem Fall, sind schwer betroffen von der Krise, einfach weil das Volk in allen Lebens­lagen kein Geld mehr hat. Sie können sich nicht mit ihren Anwälten und Buch­hal­tern über die Sachlage beraten, weil sie kein Geld haben, um solche Dienste zu bezahlen. Deswegen sind sogar die berühm­testen Profes­sio­nellen wegen des gewal­tigen Geschäfts­aus­falls pleite. Und selbst die Leute, welche noch arbeiten, können kein volles Gehalt beziehen, weil die Summe, die sie jeden Monat erhalten können, beschränkt wurde. Um es noch schlimmer zu machen, hat der Zuver­sichts­ver­lust seinen Tribut bei mora­li­schen und ethni­schen Werten gefordert, weswegen Entfüh­rungen, Drogen­miß­brauch, Selbst­mord­raten unter Jugent­li­chen und Jugend­kri­mi­na­lität mit alar­mie­render Geschwin­dig­keit zunehmen.”

Wir in Amerika nehmen es als selbst­ver­ständ­lich hin, daß unsere Situation niemals in solchem Ausmaße herun­ter­kommen könne. Aber nur vor wenigen kurzen Jahren hätten auch nur wenige in Argen­ti­nien sich solche Bedin­gungen ausmalen können. Selbst wenn die USA unver­sehrt aus der volks­wirt­schaft­li­chen Besche­rung in Argen­ti­nien und Japan heraus käme, ist nun jedoch eine Sache klar:

Für die vorher­seh­bare Zukunft wird Gold — die markt­fä­higste aller Waren — Gefan­gener jener Ängsten sein, die nicht über­zeu­gend beruhigt werden können.

Schwer verschuldet, schwer gefährdet

Donnerstag, Juni 6th, 2002

Quelle: Deep in Debt, Deep in Danger
von Hans F. Sennholz
vom 30.5.2002
übersetzt durch Kai Hacke­messer

Politiker verhalten sich selten Ihren Verspre­chungen entspre­chend. Sie können sich elegant über Haus­halts­über­schüsse äußern während sie gewaltige Defizite einfahren. Der Präsident könnte einen Krieg vom Zaun brechen, um den Frieden zu erhalten und die Senatoren und Reprä­sen­tanten können über Spar­sam­keit und „nationale Vertei­di­gung” Reden halten, aber geben reichlich Geld für Dinge aus, die ihre Popu­la­rität und Wieder­wahl­chancen verbes­sern. Sie können sogar die Gele­gen­heit nutzen, besondere Inter­essen in ihren eigenen Staaten und Bezirken zu befrie­digen. Für viele ist nationale Vertei­di­gung eine Gele­gen­heit.

Außerhalb der Welt der Politik sind die Haus­halts­über­schüsse tatsäch­lich Haus­halts­de­fi­zite, welche die Sozi­al­ver­si­che­rungs­fonds auffressen. Während diese Art defi­zi­tärer Finan­zie­rung auf den heutigen Kapi­tal­märkten nicht schwer wiegt, überträgt es die Rück­zah­lungs­last auf die Schultern der zukünf­tigen Steu­er­zahler, Anlei­he­märkte oder beide, wenn die Sozi­al­ver­si­che­rungs­leis­tungen fällig werden. Jeder Manager eines privaten Treu­hand­fonds, der es wagen würde, die ihm anver­trauten Gelder auszu­geben und durch seine Schuld­scheine zu ersetzen, würde straf­recht­li­cher Verfol­gung ausge­setzt sein. Wenn es das Schatzamt der Verei­nigten Staaten macht, nennt man es „kreative Finan­zie­rung”.

Die bundes­staat­li­chen Ausgaben werden seit Ende 1995 „kreativ” finan­ziert, als das Schatzamt die durch den Kongreß erlassene Schul­den­ober­grenze von 4,9 Billionen Dollar erreichte. Die Strategie von Finanz­mi­nister Robert Rubin finan­zierte die Regierung nichts­des­to­trotz bis Ende März 1996, als der Kongreß die Ober­grenze anhob. Heute, sechs­ein­halb Jahre später haben die Schulden wieder die vom Kongreß erlassene Ober­grenze von 5,95 Billionen Dollar erreicht, und ganz wie sein Vorgänger Rubin greift Finanz­mi­nister Paul O´Neil stra­te­gisch in dieselbe Trick­kiste. Es wirft ernst­hafte Zweifel am Wert jeder vom Kongreß erlas­senen Schul­den­ober­grenze auf. (mehr …)

Japan in der Depression

Mittwoch, Februar 6th, 2002

von John H. Makin
Übersetzt von Kai Hacke­messer
Original: Japan in Depres­sion

Während viel darüber disku­tiert wird, wohin die US-Wirt­schaft nächstes Jahr laufen wird, ist die Diskus­sion über Japans Volks­wirt­schaft vorbei. Im Laufe des Jahres 2001 geschah der Übergang Japans von einer verlän­gerten und ernsten Rezession in eine ausge­wach­sene Depres­sion. Die schlechte Nachricht ist, daß eine Depres­sion in der weltweit zweit­größten Volks­wirt­schaft es der Welt­wirt­schaft noch schwerer macht, sich 2002 zu erholen. Die (nicht allzu) gute Nachricht ist, daß Depres­sionen wie die akute, die in Japan auftrat, übli­cher­weise nicht allzu lange dauern. Wie dem auch sei, erfordert die Been­di­gung von Japans Depres­sion große Abschrei­bungen unein­bring­li­cher Kredite entweder durch Reflation oder direkte Zahlungs­un­fä­hig­keit.

Japan wählt den Weg der Zahlungsunfähigkeit

Japan scheint den passiven Weg der direkten Zahlungs­un­fä­hig­keit statt des aktiveren Wegs der Reflation entlang­zu­ba­lan­cieren. Reflation, selbst wenn sie über die Preis­sta­bi­lität hinaus zu ein wenig Inflation führt, ist die bessere Strategie als die Zahlungs­un­fä­hig­keit, weil der Wechsel von Deflation hin zu stei­genden Preisen die Besitzer von Regie­rungs­schulden gleich­mäßig belastet, da steigende Preise steigende Zinssätze bewirken und den Wert der Schulden verrin­gern. Die Zahlungs­un­fä­hig­keit, auf welche Japan zusteuert, wird schroffer, zerstö­re­ri­scher und will­kür­li­cher für den japa­ni­schen und den globalen Markt. Abgesehen von der Verwir­rung an den Finanz­märkten bringen plötz­liche Zahlungs­un­fä­hig­keiten ein bedeu­tendes Risiko mit sich, welches die Beschäf­ti­gung und das Wachstum in Japan und weltweit gefährdet. Japans Deflation und Schul­den­krise bilden nun ein syste­mi­sches Risiko für die Welt­wirt­schaft.

Japans Bemü­hungen zu refla­tio­nieren sind im Grunde geschei­tert, weil solche Bemü­hungen auf den Wegen der normalen Kapi­tal­flüsse vorge­nommen wurden, welche für eine Volks­wirt­schaft mit funk­tio­nie­rendem Banken­system geeignet sind. Japans Banken­system ist jedoch insolvent. Die Bemü­hungen der Bank of Japan, die volks­wirt­schaft­li­chen Akti­vi­täten anzu­treiben und mittels zuneh­mender Reserven im Banken­system und der Senkung kurz­fris­tiger Zinssätze auf praktisch Null zu refla­tio­nieren, sind damit vergleichbar, ein totes Pferd noch fester zu schlagen. Das tote Pferd ist das japa­ni­sche Banken­system, welches aufgrund seiner Insolvenz nicht als Kapi­tal­ver­mittler handeln kann, also kurz­fristig bei der Zentral­bank zu leihen und der japa­ni­schen Privat­wirt­schaft zu verleihen. Statt­dessen bevor­zugen die japa­ni­schen Banken, Geld praktisch ohne Zinsen bei der Zentral­bank über Nacht zu leihen und davon Regie­rungs­pa­piere mit gering­fügig längerer Fällig­keit zu kaufen, um zusätz­liche 15 bis 20 Basis­punkte Gewinn aus den Regie­rungs­pa­pieren zu ziehen.

Die erfolg­losen Bemü­hungen der Bank of Japan, die Wirt­schaft durch mehr Liqui­dität für das Banken­system zu stimu­lieren, kommen im Grunde dem gleich, ständig steigende Staats­schulden und eine Fort­set­zung verschwen­de­ri­scher Regie­rungs­pro­gramme zu unter­schreiben, genau das, was Masaru Hayami, der Gouver­neur der Bank of Japan, sagte, vermeiden zu wollen. In diesem Vorgang haben Japans Banken einen riesigen Vorrat an Staats­schulden erworben, welche sehr geringe Zinssätze tragen, was das Fehlen jeglicher anderer Inves­ti­ti­ons­mög­lich­keiten in Japan und die völlige Risi­ko­ab­nei­gung der Banken wieder­spie­gelt.

Das kleinere Übel

Der umfas­sende Erwerb von japa­ni­schen Staats­si­cher­heiten durch japa­ni­sche Banken hat natürlich ein Dilemma für die Regierung und die Bank of Japan geschaffen. Erfolg­reiche Bemü­hungen, die Wirt­schaft anzu­kur­beln oder zu refla­tio­nieren, würden in höheren Zins­sätzen resul­tieren und einen Wert­kol­laps der von den Banken erwor­benen Nied­rig­zins-Staats­an­leihen bewirken. Dieses „Dilemma” hat die Regierung dazu gezwungen, ihre Bemü­hungen einzu­stellen, um die Bank of Japan zu einer Reflation zu ermutigen.

Eine Volks­wirt­schaft in Depres­sion, wie in Japan, läßt einer Regierung keine attrak­tiven Alter­na­tiven übrig. Statt­dessen muß die Regierung das geringste Übel wählen, und das bedeutet, zu refla­tio­nieren, entweder präventiv oder reaktiv, um die anwach­sende Schul­den­last zu redu­zieren, welche sich aus großen, hinaus­ge­scho­benen Regie­rungs­aus­lei­hungen und einer beschleu­nigten Deflation zusam­men­setzt. Die Alter­na­tive, nichts zu tun, sorgt nur dafür, daß die Dinge schlimmer werden, und die Schmerzen durch den Übergang von Deflation zu Reflation stärker werden.

Immer wieder haben die japa­ni­sche Regierung und die Bank of Japan ihren bevor­zugte Passi­vität in Bezug auf den Refla­tio­nie­rungs­be­darf bewiesen. Das unaus­weich­liche Ende wird der Zusam­men­bruch einer oder mehrerer großer Banken sein, was den Zusam­men­bruch des Banken­sys­tems letztlich beschleu­nigt. Mit Zusam­men­bruch meine ich schlicht, daß Konten­in­haber in der Über­zeu­gung, daß die Verbind­lich­keiten der japa­ni­schen Banken deren Aktiva bei weitem über­steigt, weiterhin ihr Kapital aus dem japa­ni­schen Banken­system abziehen. Es wird geradezu einen „Run” auf die Banken geben. Die Sorge über diese Ende ist im japa­ni­schen Akti­en­markt schon offen­sicht­lich, wo Banken­ak­tien seit Anfang Dezember um 44% auf Jahres­basis nachgaben, vergli­chen zum allge­meinen Börsen­nie­der­gang um 24%. Inzwi­schen sind die Markt­preise einiger Geld­markt­fonds, von welchen man annahm, sie seien sichere Anlagen, unter pari, aufgrund ihrer frag­wür­digen Sicher­heiten.

Das Problem mit dem Kollaps von Japans bereits totem Banken­system wird vor allem für Konten­in­haber akut. Die Banken­ak­tio­näre sehen seit langen den Wert des positiven Eigen­ka­pi­tals, oder den Nettowert von Japans Banken schwinden. Doch wenn das Banken­system kolla­biert, wird die Regierung sich mit dem Bedarf konfron­tiert sehen, zusätz­liche Verluste der Haushalts- und Geschäfts­kon­ten­in­haber in den Banken zu vermeiden.

Insbe­son­dere der negative Nettowert des japa­ni­schen Banken­sys­tems liegt irgendwo oberhalb des Yen-Äqui­va­lents zu einer Billion Euro. Wenn das Banken­system kolla­biert, muß die Bank of Japan, um zusam­men­ge­nom­mene Verluste der japa­ni­schen Haushalte zu vermeiden, den Banken mindes­tens eine Billion Euro zuführen, um die Konten­in­haber vor Verlusten zu schützen, die ein weiteres Hindernis für das japa­ni­sche Finanz­system und die Volks­wirt­schaft bilden würden.

Die Zahlungsunfähigkeit läßt die japanische Währung und die Staatsanleihen kollabieren

Die Mechanik einer Operation, in welcher die Bank of Japan eine Billion Euro Liqui­dität in das Banken­system einführt, macht einen gewal­tigen Anstieg der Staats­schulden erfor­der­lich, welche unver­züg­lich durch die Bank of Japan mone­ta­ri­siert werden. Um die Mittel zu erlangen, Japans Konten­in­haber zu schützen, wird die Regierung Sicher­heiten im Wert von einer Billion Euro heraus­bringen, welche die Bank of Japan aufkauft und in das Banken­system steckt. Solche Schritte werden vermut­lich in der Verstaat­li­chung von Japans Banken­system resul­tieren, da die Regierung dessen Zahlungs­fä­hig­keit unter­schrieben hat. In dem Prozeß werden Japans öffent­liche Schulden augen­blick­lich um 15% ansteigen. Der resul­tie­rende Liqui­di­täts­stoß wird in Verbin­dung mit dem gewal­tigen Anstieg der Staats­ver­schul­dung und der Erwartung weiterer Anstiege Japans Währung und Anleihen kolla­bieren lassen. Hinab­ge­zogen durch die Bank­ak­tien wird der Akti­en­markt noch weiter fallen. Der Kollaps der Währung und der zuneh­mende Liqui­di­täts­be­darf wird eine deutliche Reflation und Inflation anstoßen, welche die Bank of Japan schon einige Jahre zuvor hätte anstoßen sollen, um diese Kata­strophe zu vermeiden.

Obwohl solch ein kata­stro­phales Ende als eine ferne Möglich­keit angesehen werden könnte, ist es eine, welche vor allem Markt­teil­neh­mern geschehen ist. Es gibt einen Markt für den Schutz vor Zahlungs­un­fä­hig­keit japa­ni­scher Staats­an­leihen, und seit Anfang November ist der Preis für solchen Schutz von um die 0,15% des Wertes eines solchen Anlei­he­be­sitzes auf 0,25% gestiegen.

Japans Währung hat in Erwartung der kommenden Zahlungs­un­fä­hig­keit ange­fangen zu schwä­cheln. Der Yen ist seit September gegenüber dem Dollar und dem Euro im Wert durch­schnitt­lich um 10% gefallen. In Kürze dient der fallende Yen, die anste­ckende Belastung der Deflation zu re-expor­tieren, welche Japan und ein Großteil von Asien aus China impor­tiert. Mittel­fristig (im Jahres­rahmen) signa­li­siert die Yen-Schwäche einen zukünf­tigen Run heraus aus Japans letzten für Inves­toren sicheren Häfen — Staats­an­leihen und Cash.

Japan steht einer weiteren sich nähernden Bedrohung der Lebens­fä­hig­keit seines Banken­sys­tems gegenüber. Die Depot-Versi­che­rung großer Depots bei japa­ni­schen Banken soll zum 31. März 2002 enden. Mit dem Nähern dieses Stich­tages werden große Depots mit zuneh­mender Geschwin­dig­keit von den Banken abgezogen. Die Einleger werden Regie­rungs­si­cher­heiten direkt kaufen wollen, um das wachsende Zahlungs­un­fä­hig­keits-Risiko direkter Einlagen bei Banken zu vermeiden. Natürlich werden ange­sichts des stark gewach­senen Kredit­auf­nah­me­be­darfs, mit welchem die Regierung konfron­tiert ist, um die Zahlungs­fä­hig­keit des Banken­sys­tems zu unter­zeichnen, diese Sicher­heiten zunehmend riskanter. Kurz gesagt läßt die japa­ni­sche Finanz­krise letztlich dem Bank­kon­ten­in­haber keine Möglich­keit, sich vor schweren Verlusten zu verste­cken.

Die japa­ni­sche Regierung, welche einen Run auf die Banken voraus­sieht, könnte die Termi­nie­rung der Depot­ver­si­che­rung auf große Depots zum 31. März 2002 aufschieben. Dieser Schritt würde den voll­stän­digen Kollaps des Banken­sys­tems nur verzögern, da ohne eine massive direkte Zufuhr von Liqui­dität in die Volks­wirt­schaft — nicht in das todge­weihte Banken­system — durch den direkten Kauf auslän­di­scher Anleihen, Firmen­an­leihen und Land durch die Bank of Japan die Deflation weiterhin den negativen Nettowert des Banken­sys­tems und seiner Konten­in­haber wachsen liese. Wenn die Regierung alter­nativ den Endtermin vom 31. März stehen läßt, könnte sie die Erkenntnis für den Bedarf einer beschleu­nigten Krise signa­li­sieren, um eine Reflation mit Gewalt einzu­leiten.

Die Vorausahnung der Japanischen Finanzkrise

Die offi­zi­elle Aner­ken­nung des Vorgangs ist zur Zeit weit hinter der Realität zurück. Anfang 2001 haben drei Bewer­tungs­agen­turen — Moody’s, Fitch’s und Standard & Poor’s — Yen-benannte Kredite auf eine Stufe drei Punkte unter dem Top-Rating abgestuft, wo auch Länder wie Italien und die Slowakei liegen. Während sich Japans defla­tio­näre Schul­den­krise verstärkt, ist eine weitere Diskus­sion über zusätz­liche Abstu­fungen der japa­ni­schen Kredite aufge­kommen. Aber erwarten Sie nicht, daß die Kredi­t­agen­turen die Kredite herab­stufen, bevor der japa­ni­sche Anhlei­he­markt kolla­biert. Sie werden es nicht tun, weil die japa­ni­sche Regierung hart­nä­ckig behauptet, daß solch eine präven­tive Abstufung den Markt zusam­men­bre­chen lassen würde. Bewer­tungs­agen­turen in Rußland, Südame­rika und Asien haben wieder­holt ihre Unfä­hig­keit bewiesen, kommende Krisen des Kredit­marktes zu signa­li­sieren, weil sie durch­ge­hend die Ermah­nungen der Regie­rungen beher­zigen, daß es „verant­wor­tungslos” sei, die Inves­toren zu warnen, aus Anlagen zu flüchten, deren Wert kolla­bieren wird. Eine vergleich­bare Sache wird bewußt, wenn Sie Art und Weise über­denken, wie die Bewer­tungs­firmen mit Konzernen wie Enron umge­gangen sind.

Japans Dynamik der Kredite

Japans Regierung ist in einem unent­rinn­baren Schulden-Teufels­kreis aufgrund der Tatsache, daß das nominale BSP mit einer Jahres­rate von etwa 5% fällt. Eine Stabi­li­sie­rung der japa­ni­schen Staatschulden-Quote zum BSP würde erfor­der­lich machen, daß das BSP mit einer Rate wachsen würde, welche dem Zinssatz seiner ausste­henden Schulden, also etwa 1% entspricht. Die Tatsache, daß das nominale BSP mit 5% fällt, bedeutet, daß die japa­ni­sche Schulden-BSP-Quote mit mindes­tens 6% pro Jahr ansteigt, selbst ohne einen plötz­li­chen Bedarf, insol­vente Banken zu reka­pi­ta­li­sieren. Diese Schulden-Quote liegt nun bei 130%, und bei 6% pro Jahr wird sie sich in einem Jahrzehnt verdop­pelt haben. Diese Tatsache allein wird den Kollaps der japa­ni­schen Staats­an­leihen beschleu­nigen, bis die Deflation umgekehrt wird.

Tatsäch­lich aber ist die Schul­den­last der japa­ni­schen Regierung schlimmer als die 130%-Quote der Staats­schulden zum BSP, welche weithin in der Presse berichtet wird. Erstens wird eine zuneh­mende Deflation die Quote noch schneller ansteigen lassen, da die Staats­ein­nahmen schwinden. Zweitens werden die Verpflich­tungen mit Bedingung der Regierung, einschließ­lich ihrer Verant­wor­tung, Bank­kon­ten­in­haber zu schützen, plötzlich kräftig anspringen, sobald die zunehmend warschein­li­chere Krise im Banken­system auftritt.

Jemand hat erwähnt, daß die japa­ni­sche Regierung Anlagen besitzt, die sie verkaufen könne, um ihre Fähigkeit, mit den schweren Verlusten im Banken­system fertig zu werden, zu verbes­sern. Das Problem mit solchen Verkäufen, etwa von regie­rungs­ei­genen Aktien der Japan Tobacco oder NTT (Japa­ni­sche Tele­fon­ge­sell­schaft) ist, daß es den Wert dieser Aktien auf dem Akti­en­markt weiter drückt. Dies ist nur ein weiteres Beispiel der Gefahren einer defla­tio­nären Umwelt, in welcher Aktien, die als Reserve angesehen wurden, nicht länger als Liqui­dit­äs­re­serve funk­tio­nieren, da der Versuch, die Liqui­dität zu reali­sieren, ihren Wert nur noch weiter senkt.

Japans Politiker haben das Stadium erreicht, wo Verlust­mi­ni­mie­rung anstatt einer Selektion unter wünschens­werten Alter­na­tiven die einzige offene Möglich­keit ist. Eine Unfä­hig­keit, die geringst uner­wünschte Möglich­keit zu wählen — präven­tive Reflation — hat die Bank of Japan und die Regierung in einer Regungs­lo­sig­keit einfrieren lassen. Das Ergebnis wird ein Kollaps des Banken­sys­tems sein, welcher eine Woge Anleihen und ohnehin das Neben­pro­dukt Reflation erfor­der­lich macht. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Japans Depression; Amerikas Rezession

Der einzig positive Aspekt an Japans verzwei­felter Lage ist, daß es hilft, einzu­schätzen, wie weit von einer echten Depres­sion die ameri­ka­ni­sche Volks­wirt­schaft ist. Es hat Japan ein Jahrzehnt und eine Reihe von offen­sicht­lich unglaub­li­chen poli­ti­schen Fehlern gekostet, welche schon oft aufge­zählt wurden, um diesen traurigen Zustand zu erreichen, dem es jetzt gegen­über­steht.

Ameri­ka­ni­sche Politiker, die einer unge­wöhn­li­chen und viel­leicht lang andau­ernden Rezession gegen­über­stehen, haben aggressiv reagiert, die Zinssätze gesenkt, die Liqui­dität erhöht und die Steuern gesenkt. Obwohl im Jahr 2002 wohl weitere fiskale Anre­gungen, vor allem in Form von gerin­geren Steu­er­lasten, die sowohl Nachfrage als auch Angebot stimu­lieren würden, nötig sein werden, bleiben solche attrak­tiven Möglich­keiten den ameri­ka­ni­schen Poli­ti­kern offen. Das traurige Beispiel der japa­ni­schen Volks­wirt­schaft erhöht mögli­cher­weise die Warschein­lich­keit, daß solche Möglich­keiten genutzt werden.

ATTAC Newsletter: Argentinien: Krise ohne Ende?

Freitag, Februar 1st, 2002

Von Pedro Morazán

Gramci: „la crisis consiste en el hecho de que lo viejo muere y lo nuevo no puede nacer”

Die ehemalige „Korn­kammer der Welt” und heute noch einer der wich­tigsten Expor­teure von Agrar­pro­dukten und Rind­fleisch sieht sich gezwungen, den Notstand für Nahrungs­mittel aufzu­rufen. Das Land ist bankrott und hat bereits das größte Schul­den­mo­ra­to­rium in der Geschichte der Welt­wirt­schaft erklärt. Brot­auf­stände von verarmten und vom Arbeits­pro­zess margi­na­li­sierten Bevöl­ke­rungs­teilen sowie andau­ernde Demons­tra­tionen der verarmten Mittel­schichten („Cace­ro­lazos”) und eine herr­schende Olig­ar­chie, deren Regie­rungen mit ihrem neoli­be­ralen Latein am Ende ist, kenn­zeichnen das Bild Argen­ti­niens Anfang des Jahres 2002. Weder für popu­lis­ti­sche Verspre­chungen noch für einen weiteren Ausver­kauf des natio­nalen Vermögens stehen den Herr­schenden in Argen­ti­nien poli­ti­sche Mittel zur Verfügung.

Der IWF und die OECD — Regie­rungen haben ihrem einstigen Muster­schüler den Rücken gekehrt und agieren, als ob sie mit dieser Krise nichts zu tun hätten. Sie verlangen von der argen­ti­ni­schen Regierung ein „kohä­rentes Wirt­schafts­pro­gramm”, was in der Sprache des IWF nicht anderes heißt als: Die argen­ti­ni­sche Bevöl­ke­rung soll wieder die Zeche zahlen, während die inter­na­tio­nalen und argen­ti­ni­schen Kapi­tal­spe­ku­lanten und ihre Banken unge­schoren davon kommen. Der Umgang mit der inter­na­tio­nalen Gemein­schaft mit der Krise lässt vermuten, daß Argen­ti­nien z.Z. ein Versuchs­ka­nin­chen des IWF und der G-7-Länder ist: Um die Leidens­grenzen der „emerging Markets” zu testen, werden sie die ganze Last der Krise auf den Rücken der übrig geblie­benen Lohn­ab­hän­gigen und der verarmten Mittel­schichten austragen lassen, ohne die wohl so unwirksam wie ungeliebt gewor­denen Stüt­zungs­kre­dite des IWF wie seiner­zeit in Mexico ’95, Asien ’98 und Russland ’99 einzu­setzen. Einmal mehr sehen die Herren der Welt keinen Anlass, die inter­na­tio­nale Finanz­ar­chi­tektur zu verändern, inter­na­tio­nale Kapi­tal­kon­trollen einzu­führen und die untrag­baren Schulden von Entwick­lungs­län­dern in einem geord­neten fairen und trans­pa­renten Verfahren zu erlassen.

Der einst so geliebte Muster­schüler steht alleine in der Ecke und versteht die neoli­be­rale Welt und ihre Mentoren nicht mehr. Während die Banken dafür gesorgt haben, daß die Groß­an­leger ihr Geld rechts­zeitig in sichere Häfen bringen konnten, werden die Erspar­nisse der einfachen Bevöl­ke­rung durch Konto­sper­rungen und Abwertung enteignet. Mit Sammel­klagen in den Gerichten der jewei­ligen Gläu­bi­ger­länder von New York über London und Frankfurt bis Madrid, versuchen private Kapi­tal­an­leger die argen­ti­ni­sche Regierung auf Scha­dens­er­satz zu verklagen und das argen­ti­ni­sche Vermögen im Ausland zu enteignen1. Argen­ti­ni­sches Vermögen kann in solchen Fällen konfis­ziert werden, falls — wie zu erwarten ist — solche Klagen zum Erfolg führen.

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Ist die nachgebende US-Wirtschaft in Gefahr, Japans lange und langsame Ohnmacht nachzuahmen?

Dienstag, November 20th, 2001

Von JACOB M. SCHLESINGER und PETER LANDERS
Übersetzt von Kai Hacke­messer

Original aus dem Wall Street Journal kann hier gefunden werden.

Die Entschei­dung der Federal Reserve, ihren Zinssatz auf 2% zu senken, ihre zehnte Zins­sen­kung dieses Jahr, brachte die US-Zentral­bank näher an den Tag heran, wo ihr die Zins­sen­kungs-Munition ausgehen wird. Und das wirft eine erschüt­ternde Frage auf: Könnte die USA den gleichen trost­losen volks­wirt­schaft­li­chen Pfad einschlagen, den Japan ein Jahrzehnt zuvor geschritten ist?

Mit jeder vergan­genen Woche häufen sich die Gemein­sam­keiten. In den Acht­zi­gern wurde Japan als kapi­ta­lis­ti­sche Modell-Volks­wirt­schaft betrachtet; in den Neun­zi­gern hielten die USA diese Auszeich­nung. In beiden Fällen endeten die guten Zeiten mit dem Zerplatzen einer Akti­en­markt-Blase, wenigs­tens teilweise durch eine nervöse Zentral­bank ange­sto­chen. In beiden Fällen erwiesen sich die Vorraus­sagen einer schnellen Kehrt­wende als falsch.

Die über­trie­bene ameri­ka­ni­sche Inves­ti­tion in Glasfaser-Hoch­ge­schwin­dig­keits-Tele­fon­lei­tungen findet ihren Widerhall in Japans Inves­ti­ti­ons­orgie in Spei­cher­bau­stein-Fabriken ein Jahrzehnt zuvor. Die mißliche Lage einer wohl­an­ge­se­henen ameri­ka­ni­schen Firma, Enron Corp. — die zwei Drittel ihres Markt­wertes in nur drei Wochen verloren hat — erinnert an die zuvor unsicht­bare Schwäche, die Japans Zusam­men­bruch für viele Banken dieses Landes vor Augen geführt hat. Selbst das jüngste Gezänk im US-Kongreß, welches beab­sich­tigt, ein Paket an wirt­schafts­sti­mu­lie­renden Maßnahmen scheitern zu lassen, hört sich unheim­lich gleich dem büro­kra­ti­schen und poli­ti­schen Gerangel an, welches deutliche Reformen in Japan durch­kreuzt hat. Und jetzt sieht die US-Währungs­po­litik, die als mäch­tigstes Werkzeug zur Bekämp­fung der Abschwünge der Nation betrachtet wird, zunehmend wie die Japans aus, wo die Zinssätze auf Null gefallen sind. Japan hat ein Jahrzehnt der Stagna­tion ausge­dauert. Könnte das hier passieren? Die meisten Analysten antworten weiterhin mit einem deut­li­chen Nein. Sie heben hervor, daß Japan nicht nur eine Akti­en­markt­blase hat platzen lassen, sondern auch eine Immo­bi­li­en­blase, welche wiederum das japa­ni­sche Banken­system flach­ge­legt hat. Die US-Blase scheint sich auf Aktien zu beschränken, und das ameri­ka­ni­sche Banken­system bleibt stark. Auch die US-Politiker bestehen darauf, klüger zu sein als ihre Japa­ni­schen Gegen­spieler, teilweise, weil sie aus deren Fehlern lernten. Und, fügen sie hinzu, das ameri­ka­ni­sche volks­wirt­schaft­liche und poli­ti­sche System sei flexibler als das Japans und könne schneller notwen­dige Repa­ra­turen durch­führen. (mehr …)