Was bedeutet die deutsche Kapitulation 1945?

Ein Vortrag von Hans-Joachim von Leesen, gefunden auf http://www.paukenschlag.org

Leesen Vor einigen Jahren besuchte ich die Seelower Höhen, jenes Gebiet etwa 60 km östlich von Berlin, in dem die deutschen Truppen im April 1945 den endgül­tigen und entschei­denden Durch­bruch der Roten Armee zur Reichs­haupt­stadt verhindern oder zumindest aufhalten wollten.

Dieses Gebiet, das sich 40 m über dem Urstromtal der Oder erhebt, wurde von den zusam­men­ge­rafften Resten zerschla­gener Einheiten des Heeres und der Waffen-SS, der Luftwaffe, der Marine und des Reichs­ar­beits­dienstes verteidigt.

Mit ihnen zusammen hatten sich Volks­stur­mein­heiten, Panzer­jagd­bri­gaden der Hitler-Jugend, nieder­län­dische, wallo­nische, flämische, lettische, norwe­gische und dänische Waffen-SS-Soldaten noch einmal einge­graben in der Hoffnung, die vielfach überlegene Sowjet­armee daran zu hindern, den kriegs­ent­schei­denden Stoß auf die deutsche Haupt­stadt zu führen.

Natürlich wussten sie alle, dass der Krieg für Deutschland nicht mehr zu gewinnen war. Trotzdem übertrafen der Kamp­fes­wille und die Wider­stands­fä­higkeit der deutschen Soldaten bei weitem das von den sowje­ti­schen Angreifern erwartete Maß. Während die Rote Armee geplant hatte, am Abend des 1. Angriffs­tages, das war der 16. April, die deutschen Vertei­di­gungs­linien durch­brachen zu haben, mussten sie vier Tage lang erbittert kämpfen, bis der Durch­bruch gelungen war und Berlin nahezu wehrlos vor Stalins Truppen lag.

In der sowje­ti­schen mili­tä­ri­schen Literatur kann man lesen, mit welchem Mut die Vertei­diger kämpften. Marschall Tschuikow, Befehls­haber der 8. Garde­armee, schildert, wie vor allem die Panzer­jagd­bri­gaden der Hitler-Jugend immer wieder die durch­zu­brechen drohenden Sowjet­truppen angriffen, wie sie Panzer abschossen, sich mit der Infan­terie schlugen, bis die Übermacht sie überrollt hatte. Marschall Konjew, Ober­be­fehls­haber der 1. ukrai­ni­schen Front, schrieb in seinen Memoiren in dem Kapitel „Das Jahr 1945“ wörtlich:

Wie eh und je schlug sich der deutsche Soldat tapfer und zeichnete sich vor allem in der Vertei­digung durch geradezu fana­tische Stand­haf­tigkeit aus.“

Hier, auf den Seelower Höhen, dem größten Schlachtfeld des Zweiten Welt­krieges auf deutschem Boden, wurde mir so deutlich wie nie zuvor, wie zwei­felhaft es ist, das Ende des Zweiten Welt­krieges als die „Befreiung“ zu bezeichnen. Wenn es eine Befreiung gewesen wäre, dann kann ich mir nicht erklären, dass dieje­nigen, die „befreit“ werden sollten und die darüber doch eigentlich hätten froh sein müssen, sich mit solcher Verbis­senheit gegen die angeb­lichen „Befreier“ wehrten.

In seinem 1982 erschie­nenen Buch „Kampf­kraft“, in dem er im Auftrage der damaligen US-Regierung die Kampf­kraft der deutschen Wehrmacht mit der der US-Armee im Zweiten Weltkrieg vergleicht, schreibt der israe­lische Mili­tär­his­to­riker Martin van Crefeld:

„Die Wehrmacht kämpfte noch Jahre, nachdem alle Hoffnung auf Sieg vergangen war. Selbst im April 1945, so eine nach­rich­ten­dienst­liche Übersicht des SHAEF (Supreme Haed­quaters Allied Expe­di­tionary Force), kämpften ihre Trup­pen­teile weiter, wo immer die örtliche taktische Lage überhaupt noch erträglich war. Zu dieser Zeit hatte sie schon 2 Millionen Soldaten durch den Tod und mehr als 1 Million durch Gefan­gen­schaft verloren, Soldaten, die für immer in sowje­ti­schen Gefan­ge­nen­lagern verschwinden sollten. Trotzdem bestanden ihre Einheiten, auch wenn sie nur noch 20 Mann aufwiesen, weiter und leisteten Wider­stand, eine unver­gleich­liche Leistung für jede Armee.“ (S. 7)

Ange­sichts dieser überhaupt nicht zu leug­nenden Tatsachen ist es einfach billig, wie es heute überwiegend geschieht, zu behaupten, jene Soldaten, ob es nun der erfahrene alte Ober­ge­freite, ein Regi­ments­kom­mandeur oder der frei­willig kämpfende Hitler­junge war, sie alle seien lediglich „verführt“ worden; ihr Kampf und ihr Opfer seien sinnlos gewesen. Wer so argu­men­tiert, macht sich die Sache zu leicht. Jeder Soldat an der Front wusste, was die Deutschen zu erwarten hatten, wenn sie in die Hand der sowje­ti­schen Truppen geraten. Ende 1944 hieß es in einem Aufruf Stalins an seine Truppen: „Die Rote Armee ist ange­treten, um der deutschen Bestie des Todesstoß zu versetzen. Mit glühendem Hass im Herzen betreten wir das Land des Feindes. Wir kommen als Richter und Rächer. Der Feind muss ohne Gnade vernichtet werden!“ Und so aufge­hetzt, verhielten sich denn auch seine Soldaten.

Es war keine „Nazi-Propaganda“, wie man heute lügt, dass der Vormarsch der Roten Armee von Millionen verge­wal­tigter Frauen und Mädchen und von anderen Gräu­el­taten ohne Zahl gesäumt war. Hier geschah in Europa etwas, was es seit Dschingis Khan nicht mehr gegeben hatte. Für die nach Westen flie­henden Zivi­listen sollte Zeit gewonnen werden, damit sie sich möglichst vor den „Befreiern“ in Sicherheit bringen konnten. Aber es gab auch überge­ordnete poli­tische Überle­gungen, die, wie die Zeit bald nach dem Krieg bewies, nicht unrea­lis­tisch waren. Ein ehema­liger Regi­ments­kom­mandeur, Hans-Georg Kimmich, versuchte nach dem Krieg die Frage nach dem Sinn des Wider­standes zu beant­worten. Er kam zusam­men­fassend zu dem Schluss:

„Der Zweck der Vertei­digung war, den feind­lichen Vormarsch zu verzögern und damit die Möglich­keiten für poli­tische Maßnahmen und tech­nische Einsatz­mittel so lange wie möglich zu halten.“

Der letzte Kommandeur der 9. Armee, General der Infan­terie Theodor Busse, drückte das bei der letzten Zusam­men­kunft seiner Offiziere am Vorabend des sowje­ti­schen Angriffs an den Seelower Höhen so aus: „Wir kämpfen, bis uns die Panzer der Ameri­kaner auf die Hacken fahren.“

Das heißt, die deutsche poli­tische wie die mili­tä­rische Führung waren der Ansicht, dass die Inter­essen der Sowjet­union und die der West­mächte so unter­schiedlich waren, dass zwischen ihnen die Gegen­sätze über kurz oder lang offen ausbrechen müssten. Wie wirk­lich­keitsnah solche Überle­gungen waren, erlebte man nicht einmal zwei Jahre nach Kriegs­schluss, als der „kalte Krieg“ zwischen Ost und West tatsächlich ausbrach.

Aber der soll nicht das Thema dieser Überle­gungen sein. Wir wollen unter­suchen, ob die Voraus­set­zungen gegeben waren für eine „Befreiung“ der Deutschen durch den marxistisch-leninistischen Kommu­nismus in Verbindung mit dem US-amerikanischen Kapitalismus.

Die histo­ri­schen Dokumente beweisen eindeutig, dass das deutsche Volk, und hier nicht nur die natio­nal­so­zia­lis­tische Führung, sich verbissen gegen die gegne­ri­schen Truppen wehrte. Das sollte Zweifel daran nähren, die seit etwa zehn Jahren auch im Westen verbreitete Parole ernst zu nehmen, die Niederlage sei eine „Befreiung“ gewesen. Lassen wir einmal außer acht, dass bis etwa 1995 in der Bundes­re­publik kaum jemand den 8. Mai 1945 als Befreiung einordnete. Das war allein der kommu­nis­ti­schen DDR vorbe­halten, die Jahr­zehnte lang nichts war als der verlän­gerte Arm der Sowjet­union. Als aufgrund der entschie­denen Haltung Bundes­kanzler Adenauers 1955 die letzten deutschen Kriegs­ge­fan­genen aus der Sowjet­union heim­kehrten, prägte er den Begriff „Geduld ist die stärkste Waffe der Besiegten“ und sagte nicht etwa „der Befreiten“. Wer west­deutsche Zeitungen jener Zeit aufschlägt, findet um den 8. Mai herum nur Berichte wie etwa in der WELT vom 9. Mai 1970, in der man unter der Überschrift „Unter­schied­liche Akzente in den Reden zum Tag der Kapi­tu­lation“ darüber liest, dass „Bundes­kanzler Willy Brandt und Sprecher aller Frak­tionen des Bundes­tages“ sich „zur 25. Wiederkehr des Jahres­tages der deutschen Kapi­tu­lation“ geäußert haben – ohne auch nur ein einziges Mal von einer „Befreiung“ zu reden. Das hingegen taten SED und Vertreter der UdSSR, wie man auf derselben WELT-Seite lesen kann, die zu Ehren der gefal­lenen Rotar­misten am „Tag der Befreiung“ Kränze an deren Gräbern nieder­legten. Erst vom 40. Jahrestag an wurde auch im west­lichen Teil Deutsch­lands die Version der Deutschen Demo­kra­ti­schen Republik offiziell übernommen, wie so manches aus der kommu­nis­ti­schen Gedan­kenwelt der DDR.

Zu einer Befreiung gehören immer zwei: Der eine, der befreit werden möchte, – und der andere, der die Absicht hat, zu befreien.

Wollten die Deutschen befreit werden? Wollten die Sowjets und die US-Amerikaner die Deutschen befreien? Um die Antwort darauf zu finden, braucht man sich nur an die histo­ri­schen offen zu Tage liegenden Tatsachen zu halten.

Winston Churchill spricht in seinen berühmten Erin­ne­rungen davon, dass Groß­bri­tannien einen „Drei­ßig­jäh­rigen Krieg“ gegen Deutschland geführt habe, also einen Krieg, der 1914 begann. Als zum 40. Jahrestag der deutschen Niederlage auch der damalige britische Premier­mi­nister John Major im Berliner Schau­spielhaus auf einer Fest­ver­an­staltung sprach, da sagte er zum Beginn seiner Rede, und ich gebe es aus gutem Grund zunächst in der Origi­nal­fassung auf Englisch wieder:

„Fifty years ago Europe saw the end of the 30 Years War, 1914 to 1945.“
Auf Deutsch: „Vor 50 Jahren sah Europa das Ende des Drei­ßig­jäh­rigen Krieges, der von 1914 bis 1945 dauerte.“

Am Rande erwähne ich, dass diese Version uns Deutschen von unserer eigenen Regierung vorent­halten wurde, denn in der amtlichen deutschen Übersetzung, die im „Bulletin des Presse– und Infor­ma­ti­ons­amtes der Bundes­re­gierung“ nach­zu­lesen war, ist der Satz verfälscht worden. Danach soll der britische Premier­mi­nister gesagt haben (in der Übersetzung) : „Vor 50 Jahren erlebte Europa das Ende der dreißig Jahre, die nicht einen, sondern zwei Welt­kriege beinhaltet hatten.“ Aber genau das hat er nicht gesagt, sondern er hatte beide Kriege zusam­men­ge­zogen. Das ist von erheb­licher Bedeutung in der Sinn­gebung, denn 1914 hatte ja nun gewiss kein Engländer die Absicht, die Deutschen vom „Faschismus“ bzw. je nach Belieben auch: von den „Nazis“ zu befreien. Dass es gegen das zu mächtig gewordene deutsche Volk ging, darin sind sich auch die Engländer einig, wie man es etwa auch am 17.9. 989 in der liberalen briti­schen Sonn­tags­zeitung „Sunday Corre­spondent“ lesen konnte. Dort hieß es in einem Kommentar:

„Wir sind 1939 nicht in den Krieg einge­treten, um Deutschland vor Hitler oder die Juden vor Auschwitz oder den Kontinent vor dem Faschismus zu retten. Wie 1914 sind wir für den nicht weniger edlen Grund in den Krieg einge­treten, dass wir eine deutsche Vorherr­schaft in Europa nicht akzep­tieren konnten.“

Wer meint, das sei lediglich die Meinungs­äu­ßerung eines Jour­na­listen, der möge zur Kenntnis nehmen, was der spätere britische Premier­mi­nister, Winston Churchill z. B. im März 1936 im Auswär­tigen Ausschuss der konser­va­tiven Parla­ments­fraktion vortrug:

„Vier­hundert Jahre lang war es die Außen­po­litik Englands, der stärksten, aggres­sivsten und domi­nie­renden Macht auf dem Kontinent entge­gen­zu­treten Diese vier Jahr­hun­derte lang gleich­blei­benden Zwecke inmitten so vieler Wechsel der Namen und Tatsachen, Umstände und Bedin­gungen müssen unter die bemer­kens­wer­testen Episoden gerechnet werden, welche die Geschichts­bücher irgend einer Rasse, Nation, eines Staates oder Volkes zeigen. Die Frage ist nicht, ob es Spanien oder die fran­zö­sische Monarchie oder das fran­zö­sische Kaiser­reich oder das deutsche Kaiser­reich oder das Regime Hitlers ist. Es hat nichts mit Herr­schern oder Nationen zu tun. Es geht nur darum, wer der Stärkere ist.“

Und als Groß­bri­tannien am 3. September 1939 Deutschland den Krieg erklärte, bekräf­tigte Winston Churchill seine Einstellung mit den Worten:

„Dieser Krieg ist ein engli­scher Krieg, und sein Ziel ist die Vernichtung Deutschlands.“

Warum es wirklich ging, das sprach auch der kluge ameri­ka­nische Poli­tologe, Histo­riker und Politiker Henry Kissinger aus in einem Beitrag in der „Welt am Sonntag“ am 23. Oktober 1994. Er sagte:

„Letztlich wurden zwei Welt­kriege geführt, um eine dominante Rolle Deutsch­lands zu verhindern“,

also eine Mittel­europa beherr­schende Rolle unseres Landes.

Es war keineswegs das vorherr­schende Kriegsziel unserer Gegner, Hitler und den Natio­nal­so­zia­lismus auszu­rotten, sondern es ging ihnen darum, einen Konkur­renten um die Macht in Europa auszu­schalten, nämlich Deutschland. Das sprach der lang­jährige Präsident des Deutschen Bundes­tages, Dr. Eugen Gers­ten­maier, aus, der zur anti­na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Oppo­sition in Deutschland, zu den Wider­stands­kreisen gehörte, die schließlich am 20. Juli 1944 versuchten, durch einen Spreng­stoff­an­schlag das deutsche Staats­ober­haupt auszu­schalten. In der Ausgabe vom 21. März 1975 der Frank­furter Allge­meinen Zeitung konnte man Gers­ten­maiers Aussage lesen:

„Was wir im deutschen Wider­stand während des ganzen Krieges nicht wirklich begreifen wollten, haben wir nach­träglich vollends gelernt: dass dieser Krieg schließlich eben nicht nur gegen Hitler, sondern gegen Deutschland geführt wurde.“

Erster und Zweiter Weltkrieg hängen also zusammen, und im Ersten gab es ja nun wirklich keinerlei Grund, die Deutschen vom Faschismus zu befreien. Das Kaiser­reich als konsti­tu­tio­nelle Monarchie war, mit den Augen eines Demo­kraten betrachtet, sogar in wichtigen Wesens­zügen fort­schritt­licher als zum Beispiel Groß­bri­tannien, gab es doch in Deutschland ein allge­meines, freies, gleiches und geheimes Wahlrecht zum Reichstag unab­hängig von der Vermö­genslage der Wähler. Und wenn dieses Wahlrecht auch nur für Männer galt, so war es doch in der west­lichen Welt, von der östlichen ganz zu schweigen, ohne jedes Beispiel.

Zwar versuchte schon vor 1914, dem Ausbruch des Ersten Welt­krieges, die psycho­lo­gische Krieg­führung vor allem Groß­bri­tan­niens der Welt weis­zu­machen, man müsse den Krieg gegen Deutschland führen, um die Herr­schaft der „Junker“ zu besei­tigen, zwar stellte man auch damals schon die Spitze des Deutschen Reiches, den Kaiser, als einen blut­s­au­fenden Tyrannen dar, doch werden solche Propa­gan­da­phrasen heute von niemanden mehr ernst genommen. Wie verbohrt man sich auf anglo­ame­ri­ka­ni­scher Seite bemühte, als die „Guten“ zu erscheinen, die gegen die „Bösen“, die Deutschen, kämpfen mussten, zeigt der Wortlaut des Gebetes, das der ameri­ka­nische Kongress gemeinsam am 10. Januar 1918 sprach (und das an die deutsche Öffent­lichkeit gebracht zu haben das Verdienst des Histo­rikers Dr. Franz Uhle-Wettler ist). Die Abge­ord­neten beteten also:

„Allmäch­tiger Gott, unser himm­li­scher Vater …. Du weißt, oh Herr, dass wir in einem Kampf auf Leben und Tod stehen gegen eine der schänd­lichsten, gemeinsten, gierigsten, blut­dürs­tigsten, sinn­lichsten, habsüch­tigsten und sünd­haf­testen Nationen, die jemals die Geschichts­bücher geschändet haben. Du weißt, dass Deutschland aus den Augen der Menschheit genügend Tränen gepresst hast, um einen neuen Ozean zu füllen, dass es genügend Blut vergossen hat, um jede Woge aus diesem Ozean zu röten, dass es aus den Herzen von Männern und Frauen und Kindern genug Schreie und Stöhnen gepresst hat, um daraus ein Gebirge aufzu­türmen …. Wir bitten Dich, entblöße Deinen mächtigen Arm und schlage das graue Pack dieser hungrigen wölfi­schen Hunnen zurück, von deren Fängen Blut und Schleim tropfen. Wir bitten Dich, lass die Sterne auf ihren Bahnen und die Winde und Wogen gegen sie kämpfen. Und Dich preisen wir immerdar – durch Jesus Christus. Amen.“

Man bedenke, dass damit nicht die „Nazis“ verflucht wurden! Das Gebet wurde vom US –Kongress 9 Monate nach Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg gesprochen, als Hitler noch als Gefreiter im Reserve-Infanterieregiment Nr.16 („List“) der königlich baye­ri­schen Armee unter dem deutschen Kaiser als oberstem Kriegs­herren diente.

Nein, das alles ist Propa­gan­da­getöse, das wir aus der Rückschau nicht mehr ernst nehmen. Tatsächlich wollte man den Konkur­renten, das Deutsche Reich, ausschalten, gleich­gültig, wer in Deutschland regierte. Groß­bri­tannien wollte auch auf dem euro­päi­schen Festland die herr­schende Macht bleiben. Und wie Henry Kissinger nüchtern und realis­tisch aufgrund seiner Kenntnis der euro­päi­schen Geschichte klar ausdrückte, sollte auch im Zweiten Weltkrieg verhindert werden, dass Deutschland eine seiner Größe und Bedeutung entspre­chende führende Rolle auf dem euro­päi­schen Festland spielte.

Und mehr als das Ziel der Zerschlagung Deutsch­lands hatten die west­lichen Alli­ierten tatsächlich nicht, gleich­gültig ob es sich um die USA, Groß­bri­tannien oder gar Frank­reich handelte, das im Schlepptau Groß­bri­tan­niens in den Krieg hinein­ge­zogen worden war. Durch die psycho­lo­gische Krieg­führung, die sich sowohl an die eigene Bevöl­kerung und an die eigenen Soldaten, als auch an die neutrale Welt richtete, waren die Sieger­mächte mit einem solchen Hass gegen alles Deutsche aufge­laden worden, dass in der Endphase des Krieges und in den ersten Monaten danach sowohl die führenden Persön­lich­keiten als auch jeder einzelne Soldat der Sieger­mächte nur die Zerstörung Deutsch­lands und seines Poten­zials, sei es das mili­tä­rische, sei es das wirt­schaft­liche und wissen­schaft­liche, im Sinne hatte. In Bremer­haven wurde 1945 ein riesiges Hinweis­schild am Hafen errichtet, dort nämlich, wo die ameri­ka­ni­schen Truppen landeten, auf dem stand:

„Here ends the civilized world. You are now entering Germany. There will be no frater­na­zition with any German.“ (Auf Deutsch: Hier endet die zivi­li­sierte Welt. Ihr betretet jetzt Deutschland. Es gibt keine Verbrü­derung mit irgend­einem Deutschen.)

In einem Merkblatt aus dem Jahre 1945, das sich an deutsche Gefangene in West­al­li­iertem Gewahrsam wandte, kann man lesen:

„Ihr seid alle mitschuldig an dem, was geschah. Ihr alle werdet dafür zu büßen haben. Das Leid, das Ihr jetzt und in Zukunft zu tragen habt, habt Ihr Euch selbst zuzu­schreiben. Die Niederlage, die Deutschland durch seine Überheb­lichkeit erlitten hat, wird nie wieder abge­ändert werden.“

Zwar hatte der ameri­ka­nische Präsident Roosevelt zunächst das von seinem Finanz­mi­nister Henry Morgenthau entwi­ckelte Programm, das Deutschland nach der Zerstörung bzw. Demontage seiner gesamten Industrie zu einem Agrar­staat herab­drücken sollte, offiziell akzep­tiert, dann aber seine Unter­schrift zurück­ge­zogen. Doch trägt die grund­le­gende US-Direktive JCS 1067 deutlich noch die Züge dieses Vernich­tungs­willens. In der Regie­rungs­di­rektive für die Mili­tär­re­gierung General Eisenhowers vom April 1945 heißt es:

„Deutschland wird nicht besetzt werden zum Zwecke der Befreiung, sondern als eine besiegte Feind­nation. Der Zweck ist die Besetzung Deutsch­lands zum Zwecke der Durch­setzung alli­ierter Ziele.“

In keinem briti­schen oder US-amerikanischen sowie fran­zö­si­schen Dokument ist von der Befreiung Deutsch­lands die Rede. Stets geht es um den eigenen Sieg und die Zerstörung Deutsch­lands. Und der alliierte Ober­be­fehls­haber Eisenhower nannte seine Memoiren über den Zweiten Weltkrieg „Kreuzzug in Europa“. Ein Kreuz­ritter aber ist kein Befreier der Ungläu­bigen, sondern ihr Besieger, wie die Geschichte zeigt, häufig genug auch ihr Vernichter.

Die sowje­tische Propa­ganda hingegen sprach jahrelang davon, dass man nicht gegen das deutsche Volk Krieg führe, sondern gegen die „Faschisten“. Bekannt ist Stalins Wort, dass die Hitlers kommen und gehen, das deutsche Volk aber bestehen bleibe. Hier müssen wir aller­dings die Sowjet­union an ihren Taten messen, und die beweisen, dass solche Befreiungs-Floskeln nichts sind als Propa­ganda. Die Ostdeut­schen wissen gut genug, was die „Befreiung“ durch die Sowjets wirklich bedeutete. An dieser Stelle erübrigt sich jedes Wort.

Die Folgen unserer Niederlage waren für Deutschland und die Deutschen grau­enhaft. Mindestens ein Viertel Deutsch­lands wurde von den Siegern annek­tiert, die Einwohner, wenn sie nicht geflohen waren, wurden vertrieben, oftmals auf brutalste Art. Weit über zwei Millionen Deutsche kamen nach der Berechnung des Statis­ti­schen Bundes­amtes bei Flucht und Vertreibung aus Ostdeutschland ums Leben, wie es beschö­nigend heißt – im Klartext: Sie wurden ermordet, man ließ sie verhungern oder an Seuchen sterben.

900.000 deutsche Zivi­listen, darunter zahl­reiche Frauen und Jugend­liche, wurden mit Billigung der West­mächte in die Sowjet­union verschleppt. Dort starben etwa 350.000. Hier geht es um wirkliche Zwangs­ar­beiter, die neben den deutschen Kriegs­ge­fan­genen Zwangs­arbeit leisten mussten. Die Bundes­re­gierung weigert sich übrigens bis heute, ihren damals so schrecklich drang­sa­lierten Lands­leuten aus Ostdeutschland eine Entschä­digung zuzubilligen.

Die sowje­tische Besat­zungs­macht führte die natio­nal­so­zia­lis­ti­schen KZs in ihrer Besat­zungszone weiter bzw. richtete neue ein und sperrte darin überwiegend will­kürlich 185.000 Deutsche ein. Von ihnen kamen 65.000 bis 80.000 zu Tode.

Nach der Kapi­tu­lation der Wehrmacht gerieten 8 Millionen deutsche Soldaten in alliierte Gefan­gen­schaft. In der Sowjet­union starben von ihnen zwischen 1,3 und 2 Millionen, in Frank­reich zwischen 25.000 und 100.000, in Jugo­slawien mindestens 80.000. Und die USA ließen eine nicht mehr genau fest­zu­stel­lende Anzahl von Kriegs­ge­fan­genen etwa in den Lagern auf den Rhein­wiesen verkommen und verrecken, an Seuchen sterben und verhungern. Ein kana­di­scher Histo­riker schätzt die Opfer auf fast 1 Million, während deutsche Histo­riker, die sich bis zur Veröf­fent­li­chung des kana­di­schen Buches um diese Vorkomm­nisse überhaupt nicht gekümmert hatten, dann zwar zugeben mussten, dass auf den Rhein­wiesen bewusst und syste­ma­tisch deutsche Gefangene dem Tode ausge­setzt worden waren, aber die Zahl von 1 Million für zu hoch halten.

In der sowje­ti­schen Besat­zungszone, aber auch in der fran­zö­si­schen wurden etwa 1,9 Millionen Frauen und Mädchen verge­waltigt. Tausende von ihnen starben oder nahmen sich das Leben.

Noch nirgendwo aufge­ar­beitet ist das Kapitel der massen­haften Selbst­morde ganzer deutscher Familien. Sie konnten die Quäle­reien der Sieger nicht länger ertragen und flohen aus dem Leben. Hier sei nur als Beispiel an die kleine vorpom­mersche Stadt Demmin erinnert, aber von solchen Städten gab es Dutzende und Aber­dut­zende. Die sowje­ti­schen Soldaten fielen über diese pommersche Klein­stadt her wie Tiere. Frauen und Kindern wurden verge­waltigt, alte Leute umge­bracht. Zum Schluss wurde die gesamte Innen­stadt planmäßig in Brand gesteckt. Nach­ge­wiesen sind 800 Selbst­morde von Menschen, die die Qualen glaubten, nicht länger ertragen zu können. Im Fall der Stadt Demmin hat tatsächlich die Landes­zen­trale für poli­tische Bildung in Mecklenburg-Vorpommern diese Geschichte des Leidens in einer Broschüre doku­men­tiert. Die aller­meisten anderen Schand­taten der Sieger aber werden bis heute weit­gehend verschwiegen, und wenn man von ihnen spricht, weil sie nicht länger zu verbergen sind, dann beschönigt man sie und rechnet sie auf. So wird behauptet, die deutsche Wehrmacht habe in der UdSSR ähnlich gehaust. Daher seien die Rotar­misten berechtigt gewesen, sich zu rächen.

Das Argument ist zu allererst inhuman, ja, barba­risch, denn damit wird die Rache als poli­ti­sches Instrument gerecht­fertigt. Blutrache aber ist ein Rückfall in die Barbarei. Zum anderen ist dieses Argument aber vor allem histo­risch falsch. Das unmensch­liche Verhalten eines nicht uner­heb­lichen Teils der Roten Armee ist das Ergebnis einer alle Maßen spren­genden Gräu­el­pro­pa­ganda der sowje­ti­schen Führung, die bereits im ersten Monat nach Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges im Sommer 1941 einsetzte. In dem Buch des renom­mierten Mili­tär­his­to­rikers Joachim Hoffmann „Stalins Vernich­tungs­krieg“ sind Flug­blätter der Roten Armee wie auch Auszüge aus den vielen Armee­zei­tungen wieder­ge­geben, die sich im Bundes­archiv befinden. Man möge in dem lesens­werten Buche nach­schlagen. Die Gräu­el­pro­pa­ganda hatte den Sinn, die Soldaten zum Wider­stand zu moti­vieren, denn in den ersten Kriegs­mo­naten erwies sich, dass ein großer Teil der Roten Armee nicht bereit war, für den Sowjet­staat zu kämpfen. Die Soldaten liefen über, Einheiten lösten sich auf, Rückzüge entwi­ckelten sich zur Flucht. Da sollte die Gräu­el­hetze gegen die Deutschen den Wider­stands­geist der Rotar­misten anfachen, was zum Teil gelang. Dabei waren die den Deutschen zuge­schrie­benen Gräuel so maßlos übertrieben, dass sie in den Augen deutscher Betrachter absurd wirkten.

Aber die heute gern geäu­ßerten Behaup­tungen, die Untaten der Roten Armee seien lediglich eine Reaktion auf deutsche Untaten gewesen, wird auch dadurch entkräftet, dass Soldaten der Sowjet­armee sich nicht viel anders in anderen Ländern wie z. B. Polen verhalten haben. Auch dort säumten Massen­ver­ge­wal­ti­gungen, Brand­schat­zungen und Morde den Weg der „Befreier“.

Ange­sichts dieser Verlet­zungen des Völker­rechts, ja, dieser Menschen­rechts­ver­let­zungen fragt man sich, wie es die Sieger wagen können, ihre Taten als Befrei­ungs­taten darzu­stellen. Alles spricht dagegen! Und es kommt der Verdacht auf, dass die Behauptung, die Sowjet­union, die USA, Groß­bri­tannien und Frank­reich hätten nichts anderes im Sinn gehabt, als die Völker zu befreien, dass diese freche Behauptung nicht zuletzt aufge­stellt wird, um die eigenen Kriegs­ver­brechen zu übertönen. Es waren nicht allein die Deutschen, die unter den „Befreiern“ litten. Millionen Menschen aus Estland, Lettland und Litauen, aus Ungarn und Rumänien wurden von den Sowjets depor­tiert. Die Krimt­ar­taren, die Kalmücken, die Wolga­deut­schen, viele Kauka­sus­völker wurden ebenso barba­risch behandelt. Von den 1,5 Millionen Russland-Deutschen wurden bei deren gewalt­samer Umsiedlung 350.000 Opfer der Sieger­macht Sowjet­union. Ist es ein Werk der Befreiung, wenn in den west­lichen deutschen Besat­zungs­zonen in den ersten Nach­kriegs­jahren insgesamt 182.000 Deutsche ohne jede Rechts­grundlage in Inter­nie­rungs­lager gesperrt wurden mit der Begründung, sie könnten für die Besatzung und ihre Ziele gefährlich werden? In der sowje­ti­schen Besat­zungszone wurden in 10 bis 12 vom sowje­ti­schen Geheim­dienst einge­rich­teten „Spez­lagern“ nach sowje­ti­schen Angaben etwa 122.000 Deutsche inter­niert, von denen 43.000 ihr Leben verloren.

Ist es ein Beweis für die Befreiung, wenn die Besat­zungs­mächte gemeinsam gemäß den Befehlen des Kontroll­rates fast 35 .000 deutsche Bücher verboten? Die Besat­zungs­mächte befahlen, die Deutschen hätten diese Bücher, deren Titel in 4 dicken Bänden enthalten sind, abzu­liefern, damit die alli­ierten Mili­tär­be­hörden sie vernichten. Wer vermutet, dabei handelte es sich ausschließlich um Bücher wie etwa Hitlers „Mein Kampf’, der irrt. Unter den verbo­tenen Büchern waren die Gedichte des Minne­sängers Walter von der Vogel­weide ebenso wie Bücher von Gottfried Benn und Ernst Jünger, Schriften von Martin Luther, Friedrich dem Großen, Bismarck, Friedrich Nietzsche, Ernst Moritz Arndt. Aber auch alle Bildbände über die Olym­pi­schen Spiele 1936 wurden verboten ebenso wie alle Schul­bücher, Atlanten und ohne Zahl Zeit­schriften, gleich­gültig ob Unter­hal­tungs­zeit­schriften oder wissen­schaft­liche. Auffallend war die sehr große Anzahl von christ­lichen Büchern.

Das alles sollen Merkmale einer Befreiung gewesen sein?

An die Stelle der verbo­tenen deutschen Zeitungen und Zeit­schriften traten solche, die zunächst die Besat­zungs­mächte leiteten, um sie dann deutschen Lizenz­trägern zu übergeben, die vorher sorg­fältig daraufhin unter­sucht wurden, ob sie auch den Kurs der Sieger­mächte fort­setzen würden. Und das alles geschah unter der Überschrift, man müsse Deutschland entmi­li­ta­ri­sieren und vom Faschismus befreien.

Es war die Konse­quenz aus den Kriegs­zielen der Alli­ierten, die keine weiter­rei­chenden Pläne hatten, als zunächst Deutschland voll­ständig zu besiegen und das große Land in der Mitte Europas jeden Einflusses zu berauben. Sie hatten kein Konzept dafür, wie es weiter­gehen soll. Alle möglichen, von heute gesehen, wirren Ideen wurden auf den Konfe­renzen, zu denen sich die Staats­männer der vier größten Sieger­mächte zusam­men­fanden, disku­tiert, etwa Chur­chills drin­gender Wunsch, man müsse vor allem Preußen vernichten, Stalins Idee, Deutschland in lauter Klein­staaten zu zerstü­ckeln, die US –Vorschläge, Deutschland in 3 bis 7 Staaten aufzu­teilen und die Deutschen nicht nur zu entwaffnen, sondern die gesamte Industrie zu demon­tieren oder mindestens zu zerstören. Das geschah sogar noch mehrere Jahre nach dem Krieg, während gleich­zeitig inter­na­tionale Programme für den Wieder­aufbau Deutsch­lands anliefen. Weise und in die Zukunft gerichtet war die Politik der Sieger keineswegs. Die einzige Grundidee, die sich auf Dauer durch­ge­setzt hat, war wohl die des briti­schen Premier­mi­nisters Winston Chur­chills, der verlangte, Deutschland müsse entmachtet werden, doch solle man den Deutschen den Wieder­aufbau ihrer Wirt­schaft erlauben. So werde Deutschland „fett, aber politisch impotent“.

Die nach dem Krieg verbreitete Behauptung, die Alli­ierten hätten Deutschland in die Bundes­re­publik und in die DDR aufge­teilt, um die Deutschen für die Verfolgung der Juden zu strafen, ist eine Legende. Die deutsche Teilung fand erst statt, als sich die kommu­nis­tische Sowjet­union und der kapi­ta­lis­tische Westen entzweiten und aus den Verbün­deten Feinde wurden. Da versuchte jede Seite, sich ihren Teil der Deutschen als Hilfs­truppen zu versichern.

Nun ist die Behauptung, der Sieg der Alli­ierten sei eine Befreiung gewesen, nicht ganz falsch. Das in Deutschland seit 1933 herr­schende natio­nal­so­zia­lis­tische Regime wurde ebenso vernichtet wie das faschis­tische in Italien. Es fragt sich aber, ob die entsetz­lichen Gräuel, und die von keinem inter­na­tio­nalen Völker­recht gedeckte Politik gegen Deutschland unbedingt notwendig waren, um diese Regimes zu besei­tigen. Was hatte denn beispiels­weise die Abtrennung Ostdeutsch­lands und die Vertreibung seiner Bevöl­kerung zu tun mit der Befreiung Deutsch­lands vom Natio­nal­so­zia­lismus? Bedienten sich die Alli­ierten nicht der gleichen Methoden, wie sie die von ihnen verteu­felten Nazis während des Krieges anwendeten?

Mir drängt sich immer häufiger die Frage auf, was eigentlich die Sowjet­union und die mit ihr verbün­deten USA, Groß­bri­tannien und Frank­reich legi­ti­miert, sich als selbst ernannte Befreier und Sitten­richter aufzu­spielen? Der Kommu­nismus war ohne jeden Zweifel das blutigste Regime, das die Welt je erlebt hat. Nach dem „Schwarzbuch des Kommu­nismus“, von ehema­ligen Kommu­nisten zusam­men­ge­stellt, gehen 80 bis 100 Millionen Tote auf das Konto dieses Kommunismus.

Und da schwingt sich Groß­bri­tannien auf, über Deutschland zu Gericht zu sitzen und uns vom hohen Rich­ter­stuhl der Moral zu verur­teilen. Groß­bri­tannien trägt die Haupt­schuld daran, dass durch den längst vor Kriegs­aus­bruch geplanten und vorbe­rei­teten stra­te­gi­schen Luftkrieg gegen die Zivil­be­völ­kerung die in einem mühsamen zivi­li­sa­to­ri­schen Prozess erreichte Hegung und Zähmung des Krieges zerstört wurde. Diese bewusst herbei­ge­führte Einebnung der Grenze zwischen Kombat­tanten (den Soldaten) und den Nicht­kom­bat­tanten (den Zivi­listen) war der Beginn des totalen Krieges. Die Planung der briti­schen Regie­rungen, beginnend schon etwa um 1930, im nächsten Krieg alles daran zu setzen, so viele Frauen und Kinder des Gegners wie möglich mit Hilfe der Bomber­flotte umzu­bringen, und zwar ohne Rücksicht auf das Völker­recht, war der Rückfall in die Barbarei.

Sind solche Sieger in irgend­einer Weise legi­ti­miert, als Befreier und Bestrafer des allein schul­digen Gegners aufzu­treten? Bejaht man die Frage, sei nach­ge­setzt: Wer hat sie dazu legi­ti­miert? Stalin als der verlän­gerte Arm des Gottes der Gerech­tigkeit? Oder Churchill, an der Spitze der einstmals größten Kolo­ni­al­macht der Mensch­heits­ge­schichte, die Ströme von Blut vergossen hat bei der Unter­drü­ckung anderer Völker, jetzt als Verkünder der Humanität?

Wenn die Beweise für die Tatsache, dass unser Land 1945 eine vernich­tende Niederlage erlitten hat, so erdrü­ckend sind, dann muss man sich fragen, warum die Sieger ebenso wie die in Deutschland herr­schende poli­tische Klasse – und dazu gehören alle, die heute unsere Politik bestimmen, von den Poli­tikern über die großen Verbände wie Gewerk­schaften und Unter­neh­mer­or­ga­ni­sa­tionen, die Kirchen bis zu den Mächtigen in Zeitungen, Zeit­schriften und Fern­seh­sendern – uns einreden wollen, in Wahrheit seien die Deutschen von den Sowjets, den US-Amerikanern und Briten befreit worden. Welchen Sinn hat die Umdeutung? Welche Konse­quenzen ergeben sich daraus?

Die Sieger­mächte schreiben sich mit der Behauptung, sie seien Befreier, eine Rolle zu, die sie als die Guten erscheinen lassen, die einen gerechten Krieg gegen das Böse geführt haben. Wenn man das Gute gegen das Böse verteidigt, dann sind alle Mittel recht, denn wer wollte für das Böse eintreten? Und tatsächlich recht­fer­tigen Briten und US-Amerikaner die von ihnen began­genen Kriegs­ver­brechen mit der Behauptung, das Aller­wich­tigste ihrer Krieg­führung sei die Besei­tigung der Natio­nal­so­zia­listen gewesen, und das waren nun einmal die Deutschen. Zwar seien beim Luftkrieg über 600.000 überwiegend Frauen, Kinder und alte Leute ums Leben gekommen, doch hatten sie ja selbst Schuld. Warum haben sie sich nicht selbst vom Bösen befreit, sondern Hitler 1933 gewählt? Sie hätten ja ihre Städte verlassen, ihre Regierung stürzen können, um sich dann den Feind­mächten zu ergeben, und zwar bedin­gungslos. Dass sie das nicht getan haben, macht sie zu Mitschul­digen, die kein Mitleid verdienen.

Tatsächlich wird so von Seiten der west­lichen Sieger und Hand in Hand mit ihnen von unseren Poli­tikern und Meinungs­ma­chern argu­men­tiert. Selbst Schuld hatte meine Groß­mutter gehabt, als sie, von Geburt Dänin, 1943 in Hamburg verbrannte. Selbst Schuld hatten die 57.000 Kinder unter 14 Jahren, die bis Dezember 1944 von briti­schen und ameri­ka­ni­schen Flie­ger­bomben getötet wurden. (Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Luft­kriegs­toten amtlich erfasst, dann nicht mehr.)

Wer die These von der Befreiung Deutsch­lands aufrecht erhält, der entschuldigt damit die Kriegs­ver­brechen der Sieger. Und eines der mons­trö­sesten Verbrechen war die Vertreibung der Deutschen aus Ost– und Südost­europa, der bekanntlich zwischen 2 und 3 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Ein Mitglied der jetzigen Bundes­re­gierung hat das klipp und klar ausge­drückt, als er sagte:

„Die Vertrie­benen müssen sich darüber klar sein, dass sie selbst die Ursache ihres Schicksals sind und die Verant­wortung dafür tragen.“

Damit sind Stalin und der Kommu­nismus, aber auch Churchill und Roosevelt rein gewaschen worden.

Wer aber ist zu verur­teilen, weil er sich bemüht hat, unsere Befreiung zu verhindern? Das liegt auf der Hand: Die deutschen Soldaten, die tapfer an den Fronten gegen die „Befreier“ gekämpft haben. Tatsächlich läuft schon seit Jahren die Kampagne gegen die Gefal­lenen, etwa als der frühere Arbeits­mi­nister Blüm als einer der ersten schon 1978 öffentlich erklärt hat, die deutschen Soldaten an der Front seien schuld für die Juden­ver­nichtung, denn hätten sie nicht gekämpft, dann hätte man die Juden nicht vergasen können. Und seitdem geistert diese obszöne Behauptung durch die Medien und die Reden von Poli­tikern. Das hat dann z. B. die Folge, dass der deutsche Staat sich nicht veran­lasst sieht, unseren Gefal­lenen würdige Ruhe­stätten zu bereiten, wie es in allen anderen krieg­füh­renden Staaten selbst­ver­ständlich ist. Das muss der private Volksbund deutsche Kriegs­grä­ber­für­sorge nahezu allein durch gesam­melte Spenden bewerk­stel­ligen. (Die Bundes­re­gierung trägt nicht einmal zehn Prozent der Kosten.) Am Rande vermerkt: Sie gibt aber jährlich Millionen Euro aus, um die Ruhe­stätten und teilweise pompösen Ehrenmale der gefal­lenen sowje­ti­schen Soldaten zu restau­rieren und zu unter­halten. Aber die gehören ja auch zu den Befreiern… Und so erklären sich auch die häufig pein­lichen Auftritte von Vertretern der jewei­ligen deutschen Botschaften, wenn im Ausland, und das war in den letzten Jahren vor allem in Osteuropa der Fall, neue deutsche Solda­ten­friedhöfe einge­weiht werden. Nicht selten treten dann diese Beamten der BRD bei den Feier­lich­keiten auf, um den Deutschen klar zu machen, dass sie die Allein­schul­digen und die dort ruhenden deutschen Gefal­lenen für ihr Schicksal selbst verant­wortlich gewesen seien.

Alle Kriegs­ver­brechen der Sieger, und sie sind an Zahl und Umfang mindestens so groß wie die der Deutschen gewesen, werden, wenn man sie schon nicht totschweigen kann, überdeckt, entschuldigt, geschönt mit der Begründung, man hätte Deutschland und die Welt befreien müssen, wobei dann bedau­er­li­cher­weise auch hier und da einmal Ausschrei­tungen vorge­kommen seien, die aber ange­sichts der deutschen Verbrechen verzeihlich seien.

Und warum gibt es neben den Vertretern der Sieger­mächte, deren Versuche, sich von jeder Schuld frei­zu­sprechen, noch verständlich sein könnten, so viele Deutsche, die in dieselbe Kerbe hauen? In den Schulen und an den Univer­si­täten wird der nach­wach­senden deutschen Gene­ration nichts anderes einge­trichtert, als eben diese Thesen von der Allein­schuld der Deutschen und der Befreiung durch Sowjets, Ameri­kaner und Briten.

Die Alli­ierten haben nach dem deutschen Zusam­men­bruch sorg­fältig darauf geachtet, dass die Herr­schafts­in­stru­mente, und das waren zunächst Zeitungen und Zeit­schriften sowie die Radio­sta­tionen und Buch­verlage, dann die führenden Posi­tionen in Politik und Verbänden, mit Leuten ihres Geistes besetzt wurden. Da kamen dann Menschen zurück, die in der Gefan­gen­schaft umge­schult worden waren, es wurden Leute ausge­wählt, die immer Gegner des Natio­nal­so­zia­lismus gewesen waren und nun quasi den Krieg mitge­wonnen hatten. Emigranten kehrten zurück. Sie wiederum schulten den Nachwuchs. So lag beispiels­weise die Ausbildung der Volontäre, also der zukünf­tigen Jour­na­listen, beim Nord­west­deut­schen Rundfunk, aus dem später NDR und WDR wurden, in den Händen des Altkom­mu­nisten Axel Egge­brecht. Und das war nur eine der Fort– und Ausbil­dungs­in­sti­tu­tionen jener Personen, die einmal Meinung in der BRD machen sollten. Nicht wenige unter den führenden Meinungs­bildnern waren ehemalige Natio­nal­so­zia­listen, die sich umge­stellt hatten und nun das anbeteten, was sie vorher verdammt hatten, und alles verdammten, was sie vorher angebetet hatten. Damit sicherten sie ihre Posi­tionen und machten sich ihr Leben alles in allem leichter. Indem sie die Thesen der Sieger übernahmen, traten sie gleichsam aus dem deutschen Volk heraus und fühlten sich als Mitsieger, die die Befreiten belehrten und auf den richtigen Weg bringen durften.

Die Gehirn­wäsche (oder wie es das erhel­lende Buch über die Auswahl der Meinungs­führer in dem besetzten West­deutschland nennt: die „Charak­ter­wäsche“) eines ganzen Volkes war überaus erfolg­reich, weswegen die US-Regierung zunächst verkündete, so wolle sie auch im Irak vorgehen. So ist der Schwachsinn zu erklären, dass im April 1992, um nur ein Beispiel zu erwähnen, am Rathaus Münchens, das sich vor 1945 gern „Haupt­stadt der Bewegung“, der NS-Bewegung nämlich, nennen ließ, eine große Inschrift ange­bracht wurde:

„Den Mitgliedern der US-Streitkräfte, die München am 30. April 1945 von der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gewalt­herr­schaft befreiten. – Die Landeshauptstadt.“

Die Deutschen sind ein Volk geworden, das sowohl aus Befreiten, als auch aus Allein­schul­digen besteht, wofür heute gern der Begriff „Tätervolk“ verwendet wird. In der letzten Zeit scheint die Kollek­tiv­schuld­these die von der Befreiung zu überdecken. Schla­gendstes Merkmal ist die Äußerung des Außen­mi­nisters Joschka Fischer auf die Frage eines fran­zö­si­schen Jour­na­listen, welches die geistigen Grund­lagen der heutigen BRD seien, so wie Frank­reichs Grundlage die Fran­zö­sische Revo­lution von 1789 ist. Fischer antwortete, die Lebens­grundlage Deutsch­lands sei Auschwitz.

Ein kollektiv so belas­tetes Volk kann die Probleme der Gegenwart und Zukunft nicht bewäl­tigen. Die junge Gene­ration will keine Kinder in die Welt setzen. Wirt­schaft und Politik sind zu keinen grund­le­genden Neue­rungen und Reformen in der Lage. Die deutsche Sprache wird durch ein Misch­masch aus mangel­haftem Deutsch und fehler­haftem Englisch verhunzt. Das Ergebnis dieser jahr­zehn­te­langen Geschichts­po­litik haben wir vor uns.

Die deutsche Niederlage als Befreiung zu werten, dazu sind nur die Menschen befugt, die damals im deutschen Namen um ihre Freiheit gebracht worden waren, also die Menschen in den Konzen­tra­ti­ons­lagern, Lagern von Zwangs­ar­beitern, natürlich auch Lagern von Kriegs­ge­fan­genen. Wie unmöglich es aller­dings ist, alle Lager­in­sassen über einen Kamm zu scheren, geht schon aus der Tatsache hervor, dass Millionen von Menschen aus dem Macht­be­reich der Sowjet­union, aus den balti­schen Staaten, aus Jugo­slawien, die in Deutschland arbei­teten, keineswegs die Absicht hatten zurück­zu­kehren. Es dürfte allgemein bekannt sein, dass die Insassen der Lager von kriegs­ge­fan­genen polni­schen Offi­zieren fast schneller die Flucht vor der Roten Armee nach Westen antraten, als ihre betagten deutschen Wach­mann­schaften das Tempo mithalten konnten.

Die Frank­furter Allge­meine Zeitung hatte Recht, als sie schon anlässlich der 40-Jahr-Feiern der deutschen Niederlage schrieb:

„Diese Deutschen wurden 1945 eben nicht von einer ‚Schre­ckens­herr­schaft’ befreit, wie es die (damalige) Bundes­tags­prä­si­dentin Süssmuth gern sehen würde. Die Deutschen haben die ‚Schre­ckens­herr­schaft’ nicht als solche empfunden. Deutschland ist nicht befreit, sondern tatsächlich überwunden worden.“

Aber der 8. Mai 1945 ist trotz allem ein schwie­riges Thema, jenes Ereignis, das für eine nicht kleine, aber bei Weitem nicht die Mehrheit ausma­chende Gruppe auch eine Befreiung war. Einer­seits wurde ein tota­li­täres Regime beseitigt. Ande­rer­seits errang das nicht minder tota­litäre und menschen­ver­ach­tende Sowjet­reich die Oberhand. Einer­seits die Erleich­terung in Deutschland darüber, dass der Krieg zu Ende war und die Entwicklung zum frei­heit­lichen Rechts­staat möglich wurde – ande­rer­seits die Tatsache, dass die Folgen des deutschen Zusam­men­bruchs alle Deutschen traf und heute noch trifft, gleich­gültig welcher poli­ti­schen Richtung man anhängt. Der Zweite Weltkrieg war sowohl ein Krieg der Staaten und Nationen, als auch die Ausein­an­der­setzung zwischen gegen­sätz­lichen Ideo­logien. Es gelang dem Libe­ra­lismus gemeinsam mit dem Kommu­nismus, den Natio­nal­so­zia­lismus zu zerstören. Gleich­zeitig war deren Sieg auch die Niederlage Deutsch­lands und der Deutschen. Die Abtrennung der deutschen Ostge­biete wirkt sich dauerhaft aus, auch wenn die natio­nal­so­zia­lis­tische Ideologie beseitigt ist. Nicht nur die Vertrie­benen haben Ostdeutschland verloren, sondern alle Deutschen.

Das kultu­relle Erbe aller Deutschen, Bauwerke aus Jahr­hun­derten, Kirchen, Schlösser, gewachsene Städte und Denkmale, die allesamt nichts mit dem Natio­nal­so­zia­lismus zu tun hatten, wurden zunächst durch britische und US-amerikanische Bomber zerstört. Die Sowjet­armee raubte in großem Umfang Gemälde, Archive, räumte Museen aus, eignete sich Werke der Wissen­schaft an, und heute weigert sich das seit mehr als zehn Jahren nicht mehr kommu­nis­tische Russland, die völker­rechts­wid­rigen Raubzüge des Sowjet­re­gimes wieder gut zu machen, indem es den Deutschen – also nicht den „Nazis“ – diese Dokumente unseres natio­nalen Erbes und die Zeugnisse unserer Identität zurückgibt. Und am Rande sei vermerkt, dass all das auch auf Polen zutrifft.

Und das alles soll eine Befreiung gewesen sein? Die Folgen der Niederlage trafen alle Deutschen, gleich­gültig ob jung oder alt, Mann oder Frau, arm oder reich, klug oder weniger intel­ligent, Natio­nal­so­zia­listen wie Anti­fa­schisten. Wir Heutigen werden in Haftung genommen für das, was in jenen Jahren in Deutschland geschah oder von Deutschland ausging – wobei nicht unter­schieden wird zwischen dem, was wirklich geschah, und dem, was eine überbor­dende Propa­ganda aus den Ereig­nissen machte und weiterhin macht. Wir werden zur Verant­wortung gezogen.

Nun ist bemer­kenswert, dass die mit den histo­ri­schen Tatsachen nicht überein­stim­mende Behauptung, wir seien 1945 befreit worden, gekoppelt mit der uns immer heftiger einge­re­deten Kollek­tiv­schuld der Deutschen (oder Kollek­tiv­scham, was nichts anderes ist,) zunächst von den Sieger­mächten erfunden und in die Welt gesetzt wurde. Das kann ich noch verstehen. Dass dies aber jetzt, 60 Jahre nach dem Ende des Natio­nal­so­zia­lismus, von Deutschen weiter­ge­tragen und gepredigt wird, dürfte ein in der Welt­ge­schichte einma­liger Vorgang ein.

Was veran­lasst diese Deutschen dazu, ihr eigenes Volk permanent zu diffa­mieren? Die Behauptung, wenn wir nur immer wieder unsere Schuld bekennen, dann würde unser Ansehen in der Welt wachsen, hat sich als falsch erwiesen. Wir können büßen, so viel wir wollen, und zwar moralisch wie auch durch Tribut­zah­lungen an alle Welt – wir werden trotzdem weiter als die Schul­digen, als das „Volk der Täter“, das kein Erbarmen verdient, ange­prangert und beleidigt. Diese dauernden Schuld­be­kennt­nisse haben Folgen. Im August 2003 sagte der ehemalige Präsident des Bundes­ver­bandes der deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel, es sei

„der deutsche Schuld­komplex, der uns lähmt. Er verhindert auch die nötigen Reformen, weil wir jedem Streit aus dem Wege gehen wollen.“

Inzwi­schen hat er darüber ein lesens­wertes Buch „Die Kraft des Neube­ginns“ geschrieben. Und der weltweit ange­sehene israe­lische Mili­tär­his­to­riker Martin van Creveld sagte in einem Interview mit der Zeit­schrift „Sezession“ im Sommer 2003, durch die sie nieder­drü­ckende Schuld scheinen die Deutschen

„ihren Lebens­willen verloren zu haben. Sie sind weder bereit zu kämpfen, noch Kinder zu bekommen.“

Bei der jungen deutschen Gene­ration gibt es keinerlei Verant­wor­tungs­gefühl gegenüber ihrem Vaterland. Sie lachen, wenn dieser Begriff schon fällt. Am liebsten würden sie aus dem schuld­be­la­denen Volk der Deutschen austreten, um den Beschul­di­gungen zu entgehen. Tatsächlich wächst von Jahr zu Jahr die Zahl der deutschen Auswan­derer, und es sind die überdurch­schnittlich gut ausge­bil­deten und unter­neh­mungs­lus­tigen Leute, die unserem Volk den Rücken kehren.

Seit wenigen Jahren verfolgt die Präsi­dentin des Bundes der Vertrie­benen, die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach, zusammen mit anderen Poli­tikern – hier nenne ich nur den promi­nenten Sozi­al­de­mo­kraten Peter Glotz – den Plan, ein „Zentrum gegen Vertrei­bungen“ in Berlin zu errichten. Dort sollen die Vertrei­bungen des 20. Jahr­hun­derts doku­men­tiert werden in Ausstel­lungen, Biblio­theken, Artikeln. Es sollen Forschungs­ar­beiten zum Thema „Vertreibung“ veran­lasst werden usw. Im Sommer 2003 hat sich eine Gruppe von etwa 30 Leuten, überwiegend Polen und Tschechen, aber auch einige Deutsche wie Rita Süssmuth, Günter Grass, der letzte Außen­mi­nister der DDR und jetzige SPD-Politiker Pfarrer Markus Meckel dagegen ausge­sprochen, dass dieses „Zentrum gegen Vertrei­bungen“ in Berlin errichtet wird. Es müsse inter­na­tio­na­li­siert werden und dürfe nur in Warschau oder einem Ort der Tschechei stehen. Keineswegs dürfte die Vertreibung der Deutschen im Mittel­punkt der Forschungen, Ausstel­lungen und Veröf­fent­li­chungen dieses „Zentrums“ stehen, denn wir müssten bedenken, dass wir Deutschen als „Volk der Täter“ selbst Schuld daran haben, dass die Ostdeut­schen vertrieben worden sind. Bundes­kanzler Schröder hat sich sofort auf die Seite der Tschechen und Polen und der deutschen „Polen­lobby“ gestellt wie auch natürlich der Außen­mi­nister Joschka Fischer. Erfreu­li­cher­weise haben sich die Partei­vor­sit­zenden Edmund Stoiber und Angela Merkel im Namen ihrer Parteien ebenso wie Guido Wester­welle für die FDP dafür einge­setzt, dass dieses Zentrum in Berlin stehen soll. Aber man kann wohl davon ausgehen, dass die mächtigen linken Kräfte in Deutschland, ob Politiker, ob kulturell tätige Intel­lek­tuelle, ob Zeitungen, Zeit­schriften und Fern­seh­sender, alles tun werden, um ein solches Zentrum über Vertrei­bungen in Berlin zu verhindern. Sie alle fürchten Ausein­an­der­set­zungen mit dem Ausland, sie alle sind nicht bereit, den deutschen Stand­punkt offensiv zu vertreten, zumal ein Teil von ihnen wirklich die Deutschen hasst. Das sind jene, die aus dem Land der Deutschen eine multi­kul­tu­relle Gesell­schaft machen wollen. Es sind jene, die mit dem Gebrüll „Nie wieder Deutschland!“ oder „Deutschland verrecke!“ durch die Straßen ziehen und in ihren Veröf­fent­li­chungen unge­straft gegen alles Deutsche hetzen und ihre Lands­leute diffa­mieren. Sie zählen sich nicht mehr zu uns Deutschen. Sie haben sich selbst aus der Verant­wortung für Deutschland und die Deutschen entlassen und wünschen den Deutschen alles Schlechte. Als Kritiker und Richter schmähen sie voller Häme alles, was in ihren Augen „typisch deutsch“ ist, und das ist für sie gleich­be­deutend mit „typisch blöd“. Vor der ehrlichen Aufar­beitung der schwarzen wie der weißen Seite unserer Geschichte fliehen sie. Sie wählen aus der Vergan­genheit nur solche Ereig­nisse aus, die sie als Waffe gegen uns verwenden können, um uns jederzeit unter Druck zu setzen. Das gipfelt dann in dem Bestreben etwa von Joschka Fischer, einen euro­päi­schen Bundes­staat unter Aufgabe der deutschen Identität zu schaffen. Das ist nichts weiter als eine Flucht aus der deutschen Verantwortung.

Und so ist es vermutlich zu erklären, dass ein Kanzler der BRD am 8. Mai 2005, dem 60. Jahrestag der Kapi­tu­lation der deutschen Wehrmacht, nach Moskau gereist ist, um gemeinsam mit denen, die die Tradition des Sowjet­re­gimes fort­setzen, den Sieg des Bolsche­wismus über Deutschland zu feiern. Sie zählen sich nicht mehr zu den Deutschen.

Wir wollen uns trotzdem nicht entmu­tigen lassen, sondern weiter unsere Meinung sagen. Wir können die Gewissheit haben, dass die histo­rische Wahrheit auf unserer Seite ist und dass dieser Zustand der Sühne­deut­schen eine Krankheit bedeutet, die über kurz oder lang der seeli­schen Gesundung weicht.

Auf die Bestre­bungen, uns unser deutsches Natio­nal­be­wusstsein auszu­treiben, können wir antworten mit den Worten des vor einigen Jahren verstor­benen, hoch ange­se­henen deutschen Histo­rikers Thomas Nipperdey, der fragte:

„Brauchen wir überhaupt eine Nation? Ist nicht das Indi­viduum sich selbst genug mit den Wohl­stand­si­dealen, der Selbst­be­stimmung und der Selbst­ver­wirk­li­chung? Oder gibt es nichts anderes: den Sozia­lismus, Konsum­kritik, Femi­nismus? Sollten wir uns nicht an Europa und an der „einen Welt“ und Menschheit orien­tieren? An Heimat und Region? An die gute Verfassung, die sich die Bundes­re­publik Deutschland gegeben hat? – Mir scheint, das alles sind intel­lek­tuelle Erwä­gungen. Wir werden gar nicht gefragt, ob wir eine Nation sein wollen, ob Sie und ich Deutsche sein wollen, ob uns das wichtig ist oder gleich­gültig. Wir werden so gesehen. Die Welt ist die Welt der vereinten Nationen. Europa ist das Europa der Vater­länder. Weil alle Nationen sind, sind wir für die anderen eine Nation, ob wir wollen oder nicht. Wir sind mit unserem Heimatland, mit unserer Nation identisch. Und so wie wir sind, sind wir anders als andere, und zwar aus dem Zufäl­ligen unserer Herkunft und unseres geschicht­lichen Lebenslaufes.“

Und dazu wollen wir uns bekennen.

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