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Die verrückten Zahlenspiele der NATO

Mittwoch, August 29th, 2001

Presse-Information Nr. 12529. August 2001

Von Jan Oberg, Leiter der TFFÜbersetzt am 29.8.01 von Kai Hackemesser

Mazedonien in der NATO – die NATO in Mazedonien

Die Regierenden Mazedoniens behaupten offiziell und sukzessive, daß das Land ein Mitglied der NATO werden muß. Mazedonien strebt eine NATO-Mitgliedschaft an. Da jedoch Mazedonien noch nicht „reif genug“ ist, um der NATO beizutreten, wird die NATO eben in Mazedonien sein.

Mazedonien hatte keine unabhängige nationale Sicherheitskommission (oder durfte keine haben), welche verschiedene zukünftige Optionen für das Land hätte untersuchen können. Die NATO-Mitgliedschaft ist die einzige Idee in Skopje. Wenn es skeptische Sicherheitsexperten und Verteidigungs-Intellektuelle gibt, scheinen sie nichts dazu zu sagen. Die Nichtregierungsorganisationen vor Ort sind unterschiedlich enthusiastisch; jedoch haben Friedensgruppen, Frauenvereinigungen usw., welche nicht nur skeptisch sondern geradezu völlig dagegen sind, kaum einen Einfluß. Was die NATO-Mitgliedschaft sagen wir in den nächsten zwanzig Jahren an Geld kosten wird, wurde nicht analysiert, es ist keine Rede von einer Volksabstimmung – dafür aber natürlich jede Menge über Demokratie.

Wie man heutzutage in den entstehenden „Demokratien“ in Osteuropa zu sagen pflegt: Worüber soll man diskutieren? Es ist doch bereits alles festgelegt, wir habe doch keine Wahl! Man sagt uns, wenn wir uns nicht ranhalten, werden sich uns andere Türen ebenfalls verschließen.

So ist die NATO-Mitgliedschaft für Mazedonien das Geschenk eines Paten, das man nicht ablehnen kann. Dasselbe gilt natürlich auch für den Einsatz der NATO-Waffeneinsammler dieser Tage. Es ist ein großes Spektakel, aber die NATO wird die KLA/UCK/ONA/ANA oder was immer für eine Abkürzung wir für die militaristischen albanischen Nationalisten verwenden, die angeblich und irrtümlich mit Waffen für mehr Rechte kämpfen, nicht entwaffnen.

Das klägliche Versagen der NATO/KFOR als Entwaffner im Kosovo

Als ich vor wenigen Wochen in Mazedonien war, erhielt ich eine Kopie von etwas, was man „Plan des Präsidenten“ nannte – offiziell „Plan und Programm zur Bewältigung der Krise in der Republik Mazedonien.“ Das erstgenannte Ziel auf Seite 1 ist, „Die Terroristen vollständig zu entwaffnen und aufzulösen“, wie man die albanische KLA/NLA nennt.

Also ging es um „Entwaffnung“, und nicht, wie man es nun nennt, eine „Einsammlung“ von Waffen. Das ist ein himmelweiter Unterschied.

Wir brauchen nur noch ein wenig warten, bis sich die „Entwaffnung“ in Mazedonien wiederholt. Die dreissig Tage, welche längst von den gehaltenen internationalen Medien- und Pressekonferenzen verbreitet worden, „die NATO ist zufrieden und optimistisch“, was die albanischen Ablieferungen angeht. Das ist pure Öffentlichkeitspropaganda! Und zwar, weil:

Im Herbst 1999 erklärte Michael Jackson (nicht der Popstar, sondern der NATO-General, der den Kosovo überrollt hat), daß die mächtigen KFOR/NATO-Kräfte nicht nur alle Jugoslawischen Streitkräfte aus dem Kosovo verdrängt, sondern auch die KLA entwaffnet hätten, welche aus mindestens 20.000 Mann unter Waffen bestand. Dies war nur natürlich, da die Resolution des UN-Sicherheitsrates Nummer 1244 bestimmt: „15. fordert, daß die KLA und andere bewaffnete Kosovo-Albanische Gruppen sofort alle offensiven Handlungen einstellen und den Bedingungen für die Demilitarisierung entsprechen, wie vom Leiter der Internationalen Sicherheit (international security presence) in der Beratung mit dem Sonderbevollmächtigten des Generalsekretärs dargelegt;“

Die internationalen Anführer im Kosovo einschließlich der obersten Behörde und dann dem Leiter der UN-Mission Dr. Kouchner erklärten, daß die KLA entwaffnet und ihre Insignien und Uniformen verboten seien; die Organisation wurde als illegal betrachtet. Er hatte es auch geschafft, die KLA-Führer zu überreden, freiwillig die Uniformen zu wechseln und zur völlig zivilen KPC umgewandelt zu werden, dem Kosovo-Protection-Corps.

Das KPC würde unter der Leitung von Agim Ceku operieren, vermutlich auf der UN-Lohnliste. Er sagte mir in einem Interview letztes Jahr, daß er ein leitender Offizier in der Kroatischen Armee war, aber 1995 gegangen ist, nachdem diese 250.000 koratische Bürger serbischer Nationalität vertrieben hat. Er hat, wie er es ausdrückt, der UCK/KLA „geholfen“, seit diese 1992/93 gegründet wurde.

Es gibt also drei Möglichkeiten. A) Die KLA wurde niemals entwaffnet und die Aussagen hierzu waren eine kristallklare Irreführung der internationalen Öffentlichkeit, die annahm, ihre Steuergelder würden für Friedensbildung, Entwaffnung und friedliche Koexistenz im Kosovo eingesetzt. B) Die 46.000 schwerbewaffneten Soldaten der NATO/KFOR haben ihr bestes getan, um die KLA/UCK zu kontrollieren und zu entwaffnen, von welchen 5.000 die Uniform wechselten und dem KPC beitraten, aber haben kläglich versagt. C) Die KLA/UCK wurde tatsächlich entwaffnet zu jener Zeit, aber dann mit oder ohne der Zustimmung von NATO/KFOR und der UN wiederbewaffnet.

Wenn es eine Irreführung war, sollte die freie Presse untersuchen, warum wir alle getäuscht wurden. Wenn die NATO schlicht unfähig war, ist ihr Versagen im Kosovo größer als jede UN-Mission im Balkan. Wenn dem so ist, sollte es einen öffentlichen Aufschrei geben, und wir sollten dasselbe über die NATO hören wie über die UN: Daß sie teuer, unfähig und korrupt sei und nicht fähig, ihr Mandat zu erfüllen. Aber während die Medien und Kommentatoren die Vereinten Nationen gerne denunzieren, getrauen sich nur wenige einer Kritik der NATO. Als ob die NATO keine Fehler machen könnte.

Wir wissen heute, daß die UCK/KLA sich nach Südserbien bewegt hat und von Basislagern in der demilitarisierten Zone zwischen Serbien und dem Kosovo ihren Krieg begann. Das bedeutet, daß sie den US-Sektor passiert hat. Wir wissen, daß es die UCK/KLA ist, die einseitig im Namen der UCK oder NLA (Nationale Befreiungsarmee) den Krieg in Mazedonien angefangen hat. Niemand, der entwaffnet und aufgelöst worden ist, kann zwei Aggressionen begehen; niemand, der nicht die Unterstützung der westlichen Regierungen hat und nach deren nationale und geostrategische Interessen handelt, würde mit so etwas davonkommen!

(In den Straßen von Pritina kann man UCK-Symbole und -Kennzeichen kaufen, man kann Publikationen mit der UCK auf der Titelseite kaufen mit Listen der Serben, die sie getötet haben.)

Es ist stark anzunehmen, daß der UCK/NLA erlaubt wurde – falls man sie nicht sogar darin unterstützt hat – zwei neue Kriegsschauplätze zu eröffnen. Es ist unvorstellbar, daß die NATO, die weltstärkste Allianz, und die UN als oberste Autorität im Kosovo nicht in der Lage gewesen seien, eine Streitkraft wie die UCK zu kontrollieren, wenn sie die Absicht dazu gehabt hätten.

Kurz gesagt haben die NATO und einige iher Mitgliedsstaaten keine Glaubwürdigkeit als Entwaffner. Ihre Ergebnisse in dieser Tätigkeit sind wirklich schlecht!

Die größte „Friedensstifter“-Mission aller Zeiten mit 46.000 viel stärker bewaffneten Soldaten als die UN war nicht in der Lage, 10-15.000 KLA-Soldaten zu entwaffnen. Nur wirklich naive Menschen können annehmen, daß 3.500 oder 5.000 NATO-Soldaten in Mazedonien eine bessere Arbeit abgeben könnten. Also warum sind sie dort? Weil sie keine bessere Arbeit abliefern sollen!

Die NATO hat diemal nicht einmal die Absicht, die KLA/NLA zu entwaffnen, sie sammelt blos freiwillig durch KLA/NLA-Kämpfer abgegebene Waffen ein, denen dann Amnestie gewährt wird! Fragen Sie sich selbst, wo ein solches Geschäft mit „bewaffneten Verbrechern“ (NATO-Bezeichnung für die KLA/NLA) zuvor geschlossen wurde, die bereits ansehnliche Territorien eines souveränen, anerkannten UN-Mitgliedslandes kontrollieren.

Desweiteren haben Politiker der Länder, die „Essential Harvest“ betreiben, angestrebt, die Mazedonische Regierung daran zu hindern, Waffen zu importieren, und die mazedonische Armee wurde aufgefordert, sich von ihren Stellungen zurückzuziehen.

Um es deutlich zu sagen: Dies bedeutet das Ende des Rechts zur Selbstverteidigung, des Respekts der territorialen Integrität eines souveränen, anerkannten europäischen Staates und ein Ende der unparteiischen Vermittlung zwischen Konfliktparteien. Ich glaube, daß es auch ein Ende für ein stabiles und ziemlich friedliches Mazedonien bedeutet.

Das Waffenzahl-Spiel und eine mögliche dänische Verbindung

Die offizielle Schätzung der mazedonischen Regierung zu der Zahl der Waffen der KLA/NLA beläuft sich auf 60 – 80.000. Die KLA/NLA sagen, sie haben 2.500. Nach zwei Tagen im Lande schließt die NATO ein neues, nicht verhandelbares Geschäft mit der KLA/NLA ab und verkündet, daß die Zahl der einzusammelnden Waffen 3.500 sei und daß dies eine glaubwürdige Zahl sei, um Mazedonien auf den Weg zum frieden zu bringen.

Jane’s Defense Weekly vom 29. August, Nr. 9 nennt 2.500 NLA-Soldaten in Mazedonien und mindestens genauso viele nichtkämpfende Unterstützer für Logistik usw. von denen vermutlich alle Waffen besitzen. Sie fügt hinzu, daß es „ebenfalls Waffen in versteckten Lagern gibt. Manche davon wurden in den Nachwirkungen der Albanien-Krise 1997 erstanden, als schätzungsweise 575.000 kleine Waffen gestohlen wurden…“ Und dann hat wohl jede Familie 1-2 Waffen durch das, was man Schützenkultur des Balkans nennt, „welche teilweise sehr stark unter den ethnischen Albanern ist“.

Unter der Annahme, daß die Generäle der NATO kompetent seien, ist es schwer zu glauben, daß sie selbst irgendetwas dessen glauben, was sie von sich geben. Aber die Zahl ist doch ein weiterer westlicher Schlag in das Gesicht der Regierung.

CNN berichtete am 25. August 2001: „Der dänische General Gunnar Lange, NATO-Kommandant in Skopje, gab die Waffenzahl nicht bekannt, aber sagte, daß die Operation Essential Harvest bis zum Ende der nächsten Woche ein Drittel der Waffen der Rebellen in die Hand bekäme.“

Aha, der NATO-Kommandant ist dänisch! Aber Dänemark hat keine Truppen für Essential Harvest bereitgestellt? Nun, mein unangenehmer Verstand sagt mir, daß es dafür eine recht einfache Erklärung geben könnte:

Der Mann, der erfolgreich Kouchner als höchster Autorität im Kosovo einsetzte, ist der frühere dänische Verteidigungsminister, Hans Haekkerup. Unter seiner Leitung unterstützte Dänemark nicht nur die NATO-Bombardierungen in Jugoslawien politisch und moralisch, sie haben auch Bomben abgeworfen. Er stand an der Spitze einer bedeutenden Aktivisten-Sicherheitspolitik und entwickelte sehr gute Beziehungen zur Clinton-Regierung. Haekkerup hielt bis damals keine internationalen Positionen. Nun in Pritina konnte er unmöglich ohne Kenntnis der militärischen Angelegenheit oder der Geschichte seiner Mission und ihrer Eintrittskarte in der Region Kosovo sein.

Das KLA/NLA-Problem in Mazedonien stammt überwiegend aus dem Kosovo, als die NATO aus praktischen Absichten zur Luftwaffe der KLA wurde. Es ist ein Überlauf der mißlungenen UN/NATO-Mission dort, oder ein beabsichtigter Plan.

Was also könnte bequemer für den Leiter der UN-Mission sein als ein dänischer General, der es so aussehen lassen kann, als ob die KLA/NLA und ihr Überlauf nur kleinere Probleme seien? Ein dänischer General, der den Job in dreissig Tagen erledigen und die laufende UN/NATO-Verschleierung verdecken kann, die darauf abzielt, die albanischen Extremisten zu unterstützen – woran sein früherer Chef (Haekkup) nichts änderte, weil er, hätte er, höchstwarscheinlich seinen Job verloren hätte?

Stellen Sie sich vor, daß 3.300 Waffen alles wären, was die KLA/NLA in Mazedonien besäßen. Warum um Himmels Willen sollten sie akzeptieren, sich ihrer Verteidigung für den Tag zu berauben, an dem die NATO vermutlich abzieht?

Es ist wohlbekannt, daß das Innenministerium tausende Waffen (manche sagen 12.000) an Mazedonier ausgehändigt habe, darunter frühere Polizisten. Es gibt auch lokale Paramilitärs, bestehend aus Nationalisten, Hardliner-Mazedonier, die sich Waffen beschafft haben und sich auf zukünftige Kämpfe in ihren Dörfern vorbereiten.

Ist es angesichts dessen warscheinlich, daß die Albanier, die bereits ihr Leben für ihre Sache riskiert haben, alle ihre Waffen ablegen und freiwillig die von ihnen besetzten Orte verlassen?

Können andererseits die westlichen Diplomaten und Medien einen einzigen führenden mazedonischen Politiker oder Redakteur finden, der persönlich glaubt, daß die 3.300 Stück alles sind, was die NLA besitzt, und daß sie die besetzten Territorien verlassen?

Wenn die Antwort auf diese Fragen „Ja“ wäre, dann könnte die NATO-Mission eine friedensstiftende Kraft sein. Jedoch würde dies eine völlig andere friedensstiftende Anstrengung bedeuten, etwas in der Artder UNPREDEP der UN kombiniert mt einer viel kompetenteren OSCE und einer Reihe von nichtregierungs-, konfliktlindernden und erzieherischen Organisationen. Dies würde eine „Essential Spring“-Operation sein!

Das würde bedeuten, daß nicht nur die Waffen geerntet, sondern auch die Saat des Friedens gesäht werden muß. Dies ist offensichtlich nicht, was die USA, die NATO und die EU tatsächlich vorhaben.

All das obige macht keinen Sinn vom Standpunkt des Friedens, der Versöhnung, Koexistenz und Demokratie. Es ist einfach Unsinn.

© TFF 2001

Amerika im Krieg in Mazedonien

Freitag, Juni 1st, 2001
Von Michel ChossudovskyTFF Partner

Professor der Wirtschaft, Universität Ottawa

Siehe Karte bei www.bsrec.bg/taskforce/SYNERGY/oilprojects2.html.

Washingtons heimlicher Krieg in Mazedonien gibt vor, Amerikas Wirkungskreis im südöstlichen Europa zu konsolidieren. Auf dem Spiel steht der strategische Bulgarien-Mazedonien-Albanien-Transport-, Kommunikations- und Ölpipeline-„Korridor“, welcher das Schwarze Meer mit der Adriatischen Küste verbindet. Mazedonien steht an den strategischen Kreuzwegen des Ölpipeline-Korridors.

Um diese Pipeline-Wege zu schützen, ist es Washingtons Ziel, ein „Flickwerk von Protektoraten“ entlang der strategischen Korridore im Balkan zu einzurichten.  Die Versprechung  eines „Groß-Albaniens“, welche von Washington verwendet wird, um albanischen Nationalismus anzufachen, ist Teil des Tricks der Militärnachrichtendienste.  Reichlich dokumentiert besteht der letztere in der Finanzierung und Ausrüstung der Kosovo-Befreiungsarmee (KLA) und ihrer Vertretung, der Nationalen Befreiungarmee (NLA), um die Terroristen-Angriffe in Mazedonien zu führen.

Die Entwicklung von Amerikas Einflußsphäre im südöstlichen Europa – in Komplizenschaft mit Großbritannien – bedient die Interessen von Ölriesen einschließlich BP-Amoco-ARCO, Chevron und Texaco. Das Sichern der Kontrolle und der „Schutz“ der Pipeline-Wege ist von höchster Bedeutung für den Erfolg folgender Multi-Milliarden-Dollar-Wagnisse:

Ein erfolgreiches internationales Ölregime, eine Verbindung von ökonomischen, politischen und militärischen Arrangements, um die Gewinnung und den Transport von Erdöl zu den Märkten zu unterstützen.1

Die anglo-amerikanische Vereinigung, welche das AMBO Trans-Balkan- Pipelines-Projekt kontrolliert, welches die Verbindung des bulgarischen Hafens von Burgas mit Vlore auf der albanischen Adriatischen Küstenlinie in hohem Maße kontrolliert, schließt die Teilnahme von Europas konkurrierendem Ölriesen Total-Fina-Elf aus.2 Mit anderen Worten ist der Zweck der strategischen Kontrolle der USA über den Pipeline-Korridor, die Rolle der Europäischen Union zu schwächen und die konkurrierenden europäischen Geschäftsinteressen auf Armeslänge zu halten.

Wer steht hinter der Trans-Balkan-Pipeline?

Die in den Vereinigten Staaten ansässige AMBO Pipelines-Vereinigung ist direkt mit dem Sitz der politischen und militärischen Kraft in den Vereinigten Staaten und dem Unternehmen Halliburton Energy des Vizepräsidenten Dick Cheney verbunden.3

Die Tauglichkeitsstudie für die Trans-Balkan-Ölpipeline von AMBO, durchgeführt von der internationalen Maschinenbaufirma Brown&Root Ltd. [Britische Tochtergesellschaft von Halliburton] hat festgestellt, daß dieses Pipeline …ein Teil der kritischen Ost-West-Korridor-Infrastruktur der Gebiets werden wird, die Straßen, Eisenbahn, Gas und Glasfaser-TelekommunikationsVerbindungen einschließt.4

Und mit Vollendung der Tauglichkeitsstudie durch Halliburton wurde ein leitender Angestellter von Halliburton zum CEO von AMBO ernannt. Halliburton wurde auch ein Vertrag bewilligt, um US-Truppen im Balkan zu bedienen und „Bondsteel“ in Kosovo zu bauen, welches jetzt „die größte gebaute amerikanische Auslandsmilitärbasis seit Vietnam“ ist.5 Zufällig hat auch White And Case LLT, jenes Anwaltsbüro aus New York, welches Präsident William J. Clinton auswählte, als er das Weiße Haus verlassen hat, seinen Einsatz im AMBO Pipelines-Geschäft.

Militarisation der Pipelines-Korridore

Das AMBO Trans-Balkan-Pipeline-Projekt würde eine Verbindung mit den Pipeline-Korridoren zwischen dem Schwarzem Meer und dem Becken vom Kaspischen Meer aufbauen, das am Zentrum der größten unerforschten Ölreserven der Welt liegt (siehe Karte www.bsrec.bg/taskforce/SYNERGY/oilprojects2.html). Die Militarisation dieser verschiedenen Korridore ist ein integraler Teil des Washingtoner Plans.

Die US-Politik „des Schutzes von Pipeline-Wegen“ aus dem Becken des Kaspischen Meeres (und durch den Balkan) wurde von Bill Richardson, Energie-Minister unter Clinton, nur wenige Monate vor der Bombardierung Jugoslawiens 1999 dargelegt:

„Hier geht es um Amerikas Energie-Sicherheit. Und um die Verhinderung strategischer Überfälle durch diejenigen, die unsere Werte nicht teilen. Wir versuchen, diese seit neuem unabhängigen Länder zum Westen zu bewegen, wir möchten sie auf westliche witschaftliche und politische Interessen vertrauend sehen, anstatt daß sie einen anderen Weg einschlagen. Wir haben eine erhebliche politische Investition im kaspischen Raum gemacht, und es ist für uns sehr wichtig, dass sowohl die Pipeline-Karte als auch die Politik sich recht entwickeln.“6

Die anglo-amerikanischen Ölriesen einschließlich BP-Amoco-Arco, Texaco und Chevron – unterstützt durch die Macht des US-Militärs – befinden sich in Konkurrenz mit Europas Ölriesen Total-Fina-Elf (eng verbunden mit Italiens ENI) der ein bedeutender Spieler in den reichhaltigen kasachstanischen nordost-kaspischen Kashagan-Ölfeldern ist. Der Einsatz ist hoch: Vom Kashagan wird berichtet, daß es „so groß ist, daß es sogar die Größe der Öl-Reserven in der Nordsee übertrifft.“7 Der konkurrierenden Vereinigung aus der Europäischen Union mangelt es jedoch hat an bedeutendem Einsatz und Einfluß in den Hauptpipeline-Wegen aus dem Becken des Kaspischen Meeres und zurück (durch das Schwarzes Meer und den Balkan) nach West-Europa. Die Schlüssel-Pipeline-Korridor-Projekte – einschließlich dem AMBO-Projekt und dem Bakus-Cehyan-Projekt durch die Türkei  zum Mittelmeer – sind in hohem Maße in den Händen ihrer anglo-amerikanischen Rivalen, die sich schwer auf US-militärische und politische Anwesenheit sowohl im Kaspischen Becken als auch im Balkan verlassen.

Washingtons Plan ist, voraussichtlich alle drei AMBO-Länder, nämlich Bulgarien, Mazedonien und Albanien vom EU-/deutschem Einfluß durch die Installation von ausgewachsenen US-Protektoraten zu distanzieren. Mit anderen Worten sind Militarisation und geopolitische Kontrolle der Vereinigten Staaten über die geplante Pipeline, die Burgas in Bulgarien zum Adriatischen Hafen mit Vlore in Albanien verbindet, auf die Untergrabung des EU-Einflusses ebenso wie der Schwächung der konkurrierenden Franco-Belgisch-Italienischen Ölinteressen ausgerichtet.

Verhandlungen bezüglich der AMBO Pipeline sind durch US-Regierungs-Beamten der Südbalkan-Entwicklungsinitiative (SBDI) der Handels- und Entwicklungsagentur  (TDA) unterstützt worden, „entworfen, um Albanien, Bulgarien und der FYR Mazedonien zu helfen, sich weiter zu entwickeln und ihre Transport-Infrastruktur entlang dem Ostwest-Korridor, der sie verbindet, zu integrieren.“8

Der TDA weist auf den Bedarf dieser drei Länder hin, „regionale Synergie zu nutzen, um neues öffentliches und privates Kapital [von US-Firmen] locker zu machen“ wobei sie die Verantwortlichkeit der US-Regierung  unterstreicht, „diese Initiative durchzuführen.“ Hinsichtlich der AMBO Pipeline erscheint es so, als ob die Europäische Union in hohem Maße von Planung und Verhandlungen ausgeschlossen worden ist. „Verständnismemoranden“ sind bereits mit den Regierungen Albaniens, Bulgariens und Mazedoniens unterzeichnet worden, welche die nationale Souveränität der Länder sowohl über die Pipeline als auch über den Transportkorridore beschneidet, indem sie „exklusive Rechte“ an die anglo-amerikanische Vereinigung zugesteht:

„[Das] Verständnismemoranden legt fest, dass AMBO als einziger Partei erlaubt sein wird, die geplante Burgas-Vlore Ölpipeline zu bauen. Im Detail gibt es AMBO das exklusive Recht, mit Kapitalanlegern und Gläubigern des Projektes zu verhandeln. Es verpflichtet auch [die Regierungen Bulgariens, Mazedoniens und Albaniens], gewisse vertrauliche Information über das Pipelines-Projekt nicht bekanntzugeben.9

„Ost-West-Korridor 8“

Das AMBO Pipelines-Projekt ist mit einem anderen strategischen Projekt, bezeichnet als „Korridor 8“ verbunden, erstmals durch die Regierung Clinton im Kontext des „Balkan-Stabilitäts-Paktes“ vorgeschlagen. Von strategischer Bedeutung sowohl für die Vereinigten Staaten als auch die Europäische Union, umfaßt „Korridor 8“ Autobahnen, Eisenbahn, Elektrizität und Fernmeldeinfrastruktur. Im Ausgleich wird die existierende Infrastruktur in diesen Sektoren zur Deregulierung und Privatisation (zu Nullpunkt-Preisen) unter IWF-Weltbankaufsicht zerlegt.

Obgleich abgestempelt durch EG-Transportminister als Teil des Prozesses der europäischen ökonomischen Integration, wurden die „Korridor 8“-Tauglichkeitsstudien durch US-Firmen durchgeführt, finanziert direkt durch den TDA. Mit anderen Worten scheint Washington die Bühne für die Übernahme der Transport- und Nachrichteninfrastruktur der Länder bereitet zu haben. Amerikanische Korporationen, einschließlich Bechtel, Enron und General Elektric (mit Finanzunterstützung von der US-Regierung), konkurrieren mit Firmen von der Europäischen Union.

Washingtons Plan soll den gesamten Korridor für US-Multinationale in einem Gebiet im „ökonomische Hinterhof“ der EU erschließen, wo die Rolle der Deutschen Mark wichtiger zu sein scheint als die des US-Dollars.

„EU-Erweiterung“

Anfang 2000 begann die Europäische Kommission Verhandlungen über einen EU-Partnermitgliedschafts-Status mit Mazedonien, Bulgarien und Albanien. Und im April 2001, zum Höhepunkt der terroristischen Angriffe, wurde Mazedonien das erste Land im Balkan, daß einen sogenannten „Stabilitäts- und Assoziations-Vertrag“ (SAA) unterzeichnete, was ein bedeutender Schritt in Richtung einer vollwertigen EU-Mitgliedsschaft ist. Der Vertrag liefert die Grundlage für „Handelsliberalisierung, politische Zusammenarbeit, volkswirtschaftliche und institutionelle Reform sowie Einbindung der europäischen EG-Gesetzgebung.“ Unter dem SAA würde Mazedonien (De facto) ins Europäische Währungssystem, mit vollem Zugang zum EG-Markt integriert.10

Die Terroristenangriffe trafen chronologisch mit dem Prozeß der „EU-Erweiterung“ zusammen, gewannen nur wenige Wochen vor der Unterzeichnung des historischen „Assoziations-Vertrags“ mit Mazedonien an Schwung. Reichlich dokumentiert haben die militärische Berater der Vereinigten Staaten arbeiten mit den Terroristen.  War das reiner Zufall?

Außerdem wurde Robert Frowick, ein „ehemaliger US-Diplomat“, Mitte März ernannt, die OSCE-Mission in Mazedonien zu leiten, wiederum nur wenige Wochen vor dem Unterzeichnen des „Assoziations-Vertrags“. In naher Beziehung mit Washington und der US-Botschaft in Skopje begann Frowick einen „Dialog“ mit NLA-Rebellenführer Ali Ahmeti. Er war auch behilflich bei der Vermittlung einer Vertrag zwischen Ahmeti und den Führern der albanischen Parteien, welche einen Teil der Regierungskoalition bilden.

Dieser durch Frowick verhandelte Vertrag hat in hohem Maße zu destabilisierenden politischen Handlungen beigetragen, außerdem gleichzeitig den Prozeß der EU-Erweiterung gefährdet.11 Mehr noch, der sich verschlechternde Sicherheits-Zustand in Mazedonien hat einen Vorwand für erweiterte militärische und „humanitäre“, politische Einmischung der USA geliefert, zugleich die ökonomischen und politischen Bande von Skopje mit Deutschland und der Europäischen Union geschwächt. Eine der „verbindlichen Bedingungen“ des “ Assoziations-Vertrages“ ist in dieser Hinsicht, dass Mazedonien „EG-Standards der Demokratie“ entspricht.12 Selbstverständlich kann ohne eine „funktionierende Regierung“ in Mazedonien der EG-Assoziations-Prozeß in Brüssel nicht fortschreiten.

Die in Tirana, Skopje und Sofia installierten Marionettenregierungen, die in hohem Maße auf US-Diktat reagieren, werden zur Zeit in Bezug auf die Europäische Union beeinflußt. Washingtons Absicht ist schließlich, Deutschlands „Lebensraum“ im südöstlichen Europa einzuschränken. Der „EU-Erweiterung“ Lippendienst leistend haben die Vereinigten Staaten stets die „NATO-Erweiterung“ als Mittel zur Verfolgung ihrer strategischen Interessen an Osteuropa und dem Balkan bevorzugt, während Deutschland und Frankreich dagegen standen.

Während der Ton der internationalen Diplomatie manierlich und höflich bleibt, wurde die amerikanische Außenpolitik unter der Verwaltung von Bush deutlich „antieuropäisch“. Einem Beobachter zufolge:

“ Im Zentrum der Mannschaft von Bush wird Colin Powell der Freund der Europäer [betrachtet], während die anderen Minister und Berater als arrogant, hart und unpäßlich betrachtet werden, die Europäer anzuhören oder einen einen Platz freizuhalten.“13

Deutschland und Amerika

Reichlich dokumentiert steht die CIA hinter der KLA und den NLA-Rebellen, welche die Terroristen-Angriffe gegen die mazedonischen Friedenstruppen führen. Während das deutsche Gegenstück zum CIA, der Bundesnachrichtendienst (BND) mit der CIA beim Beaufsichtigen und der Finanzierung der KLA vor den Kriegsentwicklungen 1999 kooperierte, lassen die jüngsten Entwicklungen es so scheinen, als ob der BND an Washingtons militärgeheimdienstlichen Trick in Mazedonien nicht beteiligt wird.14

Nur wenige Wochen vor dem Unterzeichnen des „Assoziations-Vertrags“ mit der Europäischen Union waren deutsche Truppen in Mazedonien im Tetovo-Gebiet aufgestellt, wo sie (Mitte März 2001) „zufällig“ zum Ziel der NLA wurden. Währ1endend die Westlichen Medien – im Chor die offiziellen Erklärungen wiedergebend – berichteten dass deutsche Truppen „gefangen im Kreuzfeuer“ lagen, vermitteln die Berichte von Tetovo, dass der Beschuß der NLA, „beabsichtigt war.“ Auf jeden Fall wäre der Vorfall nicht vorgekommen, hätte der deutsche BND mit der Rebellen-Armee zusammengearbeitet:

„Bis zu 600 deutschen Soldaten waren gezwungen, Tetovo über Nacht zu verlassen, nachdem ihre Kasernen … in Kreuzfeuer gefangen waren … [Sie waren] zu leicht bewaffnet, um sich gegen die Albaner zu verteidigen. Die Deutschen werden die abreisenden Truppen durch eine Leopard-Panzer-Schwadron ersetzen [die zur Panzer-Artillerie-Batterie-Einheit gehört, die in Nordrein-Westfalen stationiert ist] Die neue [deutsche] Feuerkraft kann genutzt werden, um jetzt bestehende albanische Positionen um Tetovo zu zerschlagen.“15

In einer bitteren Ironie waren zwei der Kommandanten, die verantwortlich für die Terroristen-Angriffe im Tetovo Gebiet sind, durch britische Special Forces ausgebildet worden:

„Beschämend für KFOR wurde bekannt, dass zwei der Kosovo-basierenden Kommandanten, die den albanischen Stoß [ins Tetovo-Gebiet] führen, durch ehemalige britischen SAS- und Fallschirm-Regiment-Offiziere in den Tagen erzogen wurden, als NATO mit der Grünschnabel-Befreiungarmee von Kosovo (KLA) besser stand. Ein ehemaliges Mitglied einer Europäischen Special Forces-Einheit, die die KLA während des Konflikts im Kosovo begleitete, sagte, dass ein Kommandant mit dem Pseudonym Bilal den Waffen- und Männer-Fluß in Mazedonien organisierte, und dass der KLA Veterankommandant Adem Bajrami half, den Angriff auf Tetovo zu koordinieren. Beide wurden von britischen Soldaten in den heimlichen Trainingslagern gelehrt, die oberhalb von Bajram Curri im nördlichen Albanien 1998 und 1999 betrieben wurden.“16

Diese gleichen durch Briten ausgebildeten Rebellen-Kommandanten sehen Deutschland als den „Feind“ an, weil die in Mazedonien und Kosovo aufstellten Bundeswehr-Truppen – anstatt wie ihre britischen und amerikanischen KFOR-Gegenstücke „Schutz“ für die NLA-„Freiheitskämpfer“ zu bieten – häufig „verdächtigte Terroristen“ an der Grenze aufhalten:

„Ein Sprecher der nationalen Befreiungarmee der Albaner (NLA) in Pristina warnte die Bundeswehr, ihre Beteiligung würde »eine Kriegserklärung durch die Bundesrepublik Deutschland darstellen«“.17

Als Antwort auf NLA-Drohungen sendete die Bundeswehr ihre eigenen Sondereinheiten, die Fallschirmjäger aus, um mit der Panzer-Artillerie-Batterie-Schwadron zusammenzuarbeiten.18 Der deutsche Verteidigungs-Minister, Rudolf Scharping bestätigte, dass „er bereit ist, mehr Panzer und Truppen zu schicken, um die Bundeswehr-Kräfte zu stärken“.19 Und doch hat sich Berlin in den jüngsten Entwicklungen dafür entschieden, die meisten seiner Truppen vom Tetovo-Gebiet zurückzuziehen, um keineswegs den Trick der US-Geheimdienste der Unterstützung der NLA-Rebellen zu gefährden. Einige dieser deutschen Truppen werden jetzt auf der Kosovo-Seite der Grenze aufgestellt.

Während der NLA eine Ladung der neuesten fortgeschrittenen Waffen „made in Amerika“ erhielt, hat Deutschland (Mitte Juni) den mazedonischen Friedenstruppen alle Gelände-Fahrzeuge wie auch Waffen „für hochentwickelte Infrarotnachforschung im Schlachtfeld geschenkt.“ Nach einem Bericht aus Mazedonien war der kleine Anteil deutscher Truppen, welcher noch im Tetovo-Gebiet bleibt, „unter schwerem Angriff der Terroristen, die sie mit Mörsern von den Bergen über Tetovo angriffen. Das ist vermutlich die Antwort auf die gestrige Schenkung [am 14. Juni 2001] an unsere Armee durch die deutsche Regierung.“20

Während Spaltungen zwischen „NATO-Verbündeten“ nie publik gemacht werden, hat Deutschlands Außenminister Joschka Fischer – in einer deutlichen Erklärung an den Bundestag gerichtet gegen „die albanischen Extremisten in Mazedonien“ – „eine langfristige Regelung“ verlangt, „darauf ausgerichtet, das ganze Gebiet näher an Europa heranzuholen.“ (D. h. frei von US-Eingriffen). Die deutsche Position ist in deutlichem Kontrast zur jener der Vereinigten Staaten, die verlangt, dass die Skopje Regierung den Terroristen Amnestie bewilligt, die Zusammensetzung der Landes modifiziert und die NLA-Rebellen an der Zivilpolitik beteiligt:

„Der Pakt verlange wie berichtet, daß die Rebellen ihren Kampf einstellen und im Gegenzug Amnestie-Garantien erhalten. Die Rebellen würden auch das Recht haben, bei zukünftigen politischen Entscheidungen bezüglich ethnischer albanischer Rechte ein Veto einzulegen. Die Vertrag wurde wie berichtet von Robert Frowick, einem ehemaligen US-amerikanischen Gesandten vermittelt, der zur Zeit als Repräsentant der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa arbeite.“21

Die anglo-amerikanische Achse

Der Konflikt zwischen Deutschland und Amerika im Balkan ist Teil eines viel breiteren Prozesses, der das Herz des westlichen Militärindustriekomplexes und der Verteidigungs-Einrichtungen betrifft.

Seit Anfang der 1990er Jahre haben die Vereinigten Staaten und Deutschland gemeinschaftlich als NATO-Partner im Balkan gespielt, ihre jeweiligen Militär-, Geheimdienst- und Außenpolitik-Initiativen koordinierend. In ihren öffentlichen Erklärungen den Schein der politischen Einheit aufrechterhaltend, entwickelten sich ernste Uneinigkeiten im Gefolge der Übereinkünfte von Dayton (1995), als deutsche Banken sich vortaten, die Deutsche Mark aufzuzwingen und das Währungssystem von Jugoslawiens Nachfolger-Staaten zu übernehmen.

Außerdem haben die Vereinigten Staaten im Gefolge des Krieges 1999 in Jugoslawien ihre strategischen, militärischen und geheimdienstlichen Bande mit Großbritannien verstärkt, während Großbritannien viele seiner Bande (besonders im Gebiet der Verteidigung und Raumfahrtproduktion) mit Deutschland und Frankreich getrennt hat.

Anfang 2000 haben der US-amerikanische Verteidigungs-Minister William Cohen und sein britisches Gegenstück, Geoff Hoon, eine „Grundsatzerklärung für Verteidigungs-Ausrüstung und Industriekooperation“ unterzeichnet.22 Washington´s Zielsetzung war die Bildung einer „transatlantischen Brücke zu ermutigen, durch die das DoD [US-Verteidigungsministerium] seine Globalisierungs-Politik nach Europa tragen kann.“23

Die US-Verteidigungs-Industrie – welche jetzt British Aerospace Systems (BaeS) einschließt – kracht mit der Franco-deutschen Verteidigungs-Vereinigung EADS – einem Konglomerat aus Frankreichs Aerospatiale Matra, Deutsche Aerospace, welche Teil der starken Daimler-Gruppe ist, und Spaniens CASA, zusammen. Mit anderen Worten ist ein großer Spalt im westlichen Militär-Industriekomplex mit den Vereinigten Staaten und Großbritannien auf einer Seite und Deutschland und Frankreich auf der anderen aufgetreten.

Öl, Waffen und die westliche militärische Allianz sind eng verknüpfte Prozesse. Washingtons Plan soll schließlich die Herrschaft des US-Militärindustriekomplexes in Verbindung mit den anglo-amerikanischen Ölriesen und Großbritannien´s Hauptverteidigungs-Ünternehmern sichern. Diese Entwicklungen haben zweifellos auch einen Angelpunkt bei der Kontrolle über strategische Pipelines, Transport- und Kommunikationswege im Balkan, Osteuropa und der ehemaligen Sovjetunion.

Außerdem paßt zu dieser anglo-amerikanischen Achse auch eine zunehmende Zusammenarbeit zwischen der CIA und Großbritannien´s MI5 in der Sphäre der Nachrichtendienste und verdeckten Operationen, wie bezeugt durch die Rolle, die britische SAS Sondereinheiten in der KLA-Rebellen-Ausbildung gespielt haben.

Krieg, „Dollarisierung“ und die Neue Weltordnung

„Schutz“ der Pipelines, heimliche Tätigkeiten und die Wiederverwendung des Rauschgift-Geldes in Unterstützung bewaffneter Rebellionen, Militarisation strategischer Korridore, Verteidigungs-Beschaffung für „Partnerschaft für Frieden“-Länder (PFP) sind allesamt integraler Bestandteil der anglo-amerikanischen Achse und ihrem Streben, die Öl-, Gas- und Transportwege aus dem Becken des Kaspischen Meeres und dem Schwarzen Meer durch den Balkan zu kontrollieren.

Allgemeiner ausgedrückt ist das, was in dem weiteren Umfeld geschieht, welches Osteuropa und den Balkan mit den ehemaligen Sowjetrepubliken verbindet, ein hartes Gerangel um die Kontrolle über nationale Volkswirtschaften durch konkurrierende Unternehmenskonglomerate. Und hinter dem Vorgang steckt das Vorhaben des finanziellen Establishments der Wall Street – gemeinsam mit den Verteidigungs- und Ölriesen – die Deutsche Mark (und den EURO) zu destabilisieren und diskreditieren, mit der Absicht, den US-Dollar als einzige Währung in dieser Region durchzusetzen.

Die Kontrolle über die „Geldschöpfung“ – die Herrschaft der US-Federal Reserve über die ganze Welt – ist eine zentrale Eigenschaft des US-amerikanischen Expansionismus. In dieser Hinsicht ist das Ziel des Militärgeheimdienstlichen Trick Washingtons nicht nur, die „EU-Erweiterung“ zun unterminieren, sondern es ist auch Absicht, die Herrschaft von Deutschlands wichtigsten Finanzinstitutionen (z.B Deutsche Bank, Commerzbank und Westdeutsche Landesbank) im gesamten Balkan zu schwächen und zu verdrängen.

Mit anderen Worten wird die Neue Weltordnung durch den Konflikt zwischen Europa und Amerika um „Kolonialkontrolle“ über nationale Währungen markiert. Und dieser Konflikt zwischen „konkurrierenden kapitalistischen Blöcken“ wird immer akuter werden, wenn ab 1. Januar 2002 mehrere hundert Million Menschen von Osteuropa über den Balkan bis nach Mittelasien anfangen, den Euro als ihre „de facto“ Nationalwährung zu nutzen.

Siehe Karte http://www.bsrec.bg/taskforce/SYNERGY/oilprojects2.html.

Anmerkungen

1 Robert V. Baryiski, Das Kaspische Ölregime: Militärische Dimensionen, Caspian Crossroads Magazine, Jahrgang 1, Ausgabe 2, Frühling 1995.

2 Die Bezugnahme auf die Europäische Union in diesem Artikel(Ding) soll als „Europäische Union minus Großbritannien“ interpretiert werden.

3 Siehe Albanian Telegraf-Agency, Tirana am 28. Juli 1998, und Milsnews, Skopje, am 23. Januar 1997, zu sehen bei http://www.freerepublic.com/forum/a379fb721329c.htm.

4 Milsnews, s.o.

5 Siehe die scharfsinnige Analyse von Karen Talbot: „Das ehemalige Jugoslawien: Der Name des Spiels ist Öl, Leute Weekly World, Mai 2001, siehe auch Marjorie Cohn, „Befriedung für eine Pipeline: Erklärung der US-Militärischen Anwesenheit im Balkan, The Jurist, Legal Education Network, Juni 2001, erklärend.

6 George Monbiot, Ein Diskretes Geschäft in der Pipeline, The Guardian am 15. Februar 2001.

7 Richard Giragosian, „Erneuter gewaltiger Ölfund im Kashagan erneuert geopolitische Offensive im Kaspischen Raum“, The Analyst, Central Asia-Caucasus Institute, Johns Hopkins University – Paul H. Nitze School of Advanced International Studies, am 7. Juni 2000

8 Siehe Handel und Entwicklung (TDA) nach Region bei http://www.tda.gov/region/sbdi.html.

9 Alexander Gas und ÖlVerbindungen, Oktober 2000.

10 Unter sogenannten „asymmetrischen Geschäftsbevorzugungen“ mit der Europäischen Union.

11 Für weitere Details über die Rolle von Robert Frowick siehe Michel Chossudovsky, „Mazedonien: Washingtons militärgeheimdienstlicher Trick“, Juni 2001

12 Siehe AFP am 10. April 2001

13 Nach Pascal Boniface, dem Direktor des Pariser Instituts für Internationale und Strategische Beziehungen, UPI, am 11. April 2001.

14 Zu Details über die CIA-BND-Unterstützung der KLA siehe Michel Chossudovsky, „Durch Organisierte Kriminalität finanzierte Kosovo-Freiheitskämpfer“, Covert Action Quarterly, Herbst 1999, auch hier: http://www.heise.de/tp/english/inhalt/co/2743/1.html

15 Tom Walker, NATO-Truppen in einem Balkan-Ulster gefangen, Sunday Times, London am 18. März 2001,

16 Ebd.

17 Ebd.

18 Siehe „Deutsche Fallschirmjäger nach Tetovo“, Spiegel On-line am 24. März 2001; siehe auch „Bundeswehr verlegt Soldaten ins Kosovo“, Spiegel On-line am 23. März 2001.

19 Deutsche Presse Agentur am 19. März 2001,

20 Dem Autor aus Skopje übersandte Information, Juni 2001.

21 Facts on File, World News Digest am 30. Mai 2001.

22 Reuters am 5. Februar 2000.

23 Der Vertrag wurde (nach einem in Muradian zitierten Pentagonbeamten) kurz nach der Schaffung von British Aerospace Systems unterzeichnet, die sich aus der Fusion von BAE mit GEC Marconi ergab. British Aerospace Systems (Bae) war bereits mit Amerika´s größten Verteidigungs-Ünternehmern Lockheed Martin und Boeing fest verbunden. Für weitere Details siehe Vago Muradian „Pentagon sieht Brücke nach Europa“ Defense Daily, Jahrgang 204, Nr. 40, 1. Dezember 1999.

Jüngste Artikel des Autors über den Balkan:

„Washington finanziert ethnischen Krieg im Balkan“, April 2001, bei http://www.emperors-clothes.com/articles/choss/fin.htm oder http://www.canadiandimension.mb.ca/extra/x0404mc.htm

„Wirtschaftsterrorismus“, Mai 2001 bei http://emperors-clothes.com/articles/choss/eco1.htm oder http://alainet.org/active/show_news.phtml?news_id=1225.

© Copyright by Michel Chossudovsky, Ottawa, June 2001. All rights reserved. Permission is granted to post this text on non-commercial community internet sites, provided the essay remains intact and the copyright note is displayed. To publish this text in printed and/or other form, contact the author at chossudovsky@videotron.ca, fax: 1-514-4256224.

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