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Die verrückten Zahlenspiele der NATO

Mittwoch, August 29th, 2001

Presse-Infor­ma­tion Nr. 12529. August 2001

Von Jan Oberg, Leiter der TFFÜber­setzt am 29.8.01 von Kai Hacke­messer

Mazedonien in der NATO — die NATO in Mazedonien

Die Regie­renden Maze­do­niens behaupten offiziell und sukzes­sive, daß das Land ein Mitglied der NATO werden muß. Maze­do­nien strebt eine NATO-Mitglied­schaft an. Da jedoch Maze­do­nien noch nicht „reif genug” ist, um der NATO beizu­treten, wird die NATO eben in Maze­do­nien sein.

Maze­do­nien hatte keine unab­hän­gige nationale Sicher­heits­kom­mis­sion (oder durfte keine haben), welche verschie­dene zukünf­tige Optionen für das Land hätte unter­su­chen können. Die NATO-Mitglied­schaft ist die einzige Idee in Skopje. Wenn es skep­ti­sche Sicher­heits­ex­perten und Vertei­di­gungs-Intel­lek­tu­elle gibt, scheinen sie nichts dazu zu sagen. Die Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen vor Ort sind unter­schied­lich enthu­si­as­tisch; jedoch haben Frie­dens­gruppen, Frau­en­ver­ei­ni­gungen usw., welche nicht nur skeptisch sondern geradezu völlig dagegen sind, kaum einen Einfluß. Was die NATO-Mitglied­schaft sagen wir in den nächsten zwanzig Jahren an Geld kosten wird, wurde nicht analy­siert, es ist keine Rede von einer Volks­ab­stim­mung — dafür aber natürlich jede Menge über Demo­kratie.

Wie man heut­zu­tage in den entste­henden „Demo­kra­tien” in Osteuropa zu sagen pflegt: Worüber soll man disku­tieren? Es ist doch bereits alles fest­ge­legt, wir habe doch keine Wahl! Man sagt uns, wenn wir uns nicht ranhalten, werden sich uns andere Türen ebenfalls verschließen.

So ist die NATO-Mitglied­schaft für Maze­do­nien das Geschenk eines Paten, das man nicht ablehnen kann. Dasselbe gilt natürlich auch für den Einsatz der NATO-Waffen­ein­sammler dieser Tage. Es ist ein großes Spektakel, aber die NATO wird die KLA/UCK/ONA/ANA oder was immer für eine Abkürzung wir für die mili­ta­ris­ti­schen alba­ni­schen Natio­na­listen verwenden, die angeblich und irrtüm­lich mit Waffen für mehr Rechte kämpfen, nicht entwaffnen.

Das klägliche Versagen der NATO/KFOR als Entwaffner im Kosovo

Als ich vor wenigen Wochen in Maze­do­nien war, erhielt ich eine Kopie von etwas, was man „Plan des Präsi­denten” nannte — offiziell „Plan und Programm zur Bewäl­ti­gung der Krise in der Republik Maze­do­nien.” Das erst­ge­nannte Ziel auf Seite 1 ist, „Die Terro­risten voll­ständig zu entwaffnen und aufzu­lösen”, wie man die alba­ni­sche KLA/NLA nennt.

Also ging es um „Entwaff­nung”, und nicht, wie man es nun nennt, eine „Einsamm­lung” von Waffen. Das ist ein himmel­weiter Unter­schied.

Wir brauchen nur noch ein wenig warten, bis sich die „Entwaff­nung” in Maze­do­nien wieder­holt. Die dreissig Tage, welche längst von den gehal­tenen inter­na­tio­nalen Medien- und Pres­se­kon­fe­renzen verbreitet worden, „die NATO ist zufrieden und opti­mis­tisch”, was die alba­ni­schen Ablie­fe­rungen angeht. Das ist pure Öffent­lich­keits­pro­pa­ganda! Und zwar, weil:

Im Herbst 1999 erklärte Michael Jackson (nicht der Popstar, sondern der NATO-General, der den Kosovo überrollt hat), daß die mächtigen KFOR/NATO-Kräfte nicht nur alle Jugo­sla­wi­schen Streit­kräfte aus dem Kosovo verdrängt, sondern auch die KLA entwaffnet hätten, welche aus mindes­tens 20.000 Mann unter Waffen bestand. Dies war nur natürlich, da die Reso­lu­tion des UN-Sicher­heits­rates Nummer 1244 bestimmt: „15. fordert, daß die KLA und andere bewaff­nete Kosovo-Alba­ni­sche Gruppen sofort alle offen­siven Hand­lungen einstellen und den Bedin­gungen für die Demi­li­ta­ri­sie­rung entspre­chen, wie vom Leiter der Inter­na­tio­nalen Sicher­heit (inter­na­tional security presence) in der Beratung mit dem Sonder­be­voll­mäch­tigten des Gene­ral­se­kre­tärs dargelegt;”

Die inter­na­tio­nalen Anführer im Kosovo einschließ­lich der obersten Behörde und dann dem Leiter der UN-Mission Dr. Kouchner erklärten, daß die KLA entwaffnet und ihre Insignien und Uniformen verboten seien; die Orga­ni­sa­tion wurde als illegal betrachtet. Er hatte es auch geschafft, die KLA-Führer zu überreden, frei­willig die Uniformen zu wechseln und zur völlig zivilen KPC umge­wan­delt zu werden, dem Kosovo-Protec­tion-Corps.

Das KPC würde unter der Leitung von Agim Ceku operieren, vermut­lich auf der UN-Lohnliste. Er sagte mir in einem Interview letztes Jahr, daß er ein leitender Offizier in der Kroa­ti­schen Armee war, aber 1995 gegangen ist, nachdem diese 250.000 kora­ti­sche Bürger serbi­scher Natio­na­lität vertrieben hat. Er hat, wie er es ausdrückt, der UCK/KLA „geholfen”, seit diese 1992/93 gegründet wurde.

Es gibt also drei Möglich­keiten. A) Die KLA wurde niemals entwaffnet und die Aussagen hierzu waren eine kris­tall­klare Irre­füh­rung der inter­na­tio­nalen Öffent­lich­keit, die annahm, ihre Steu­er­gelder würden für Frie­dens­bil­dung, Entwaff­nung und fried­liche Koexis­tenz im Kosovo einge­setzt. B) Die 46.000 schwer­be­waff­neten Soldaten der NATO/KFOR haben ihr bestes getan, um die KLA/UCK zu kontrol­lieren und zu entwaffnen, von welchen 5.000 die Uniform wech­selten und dem KPC beitraten, aber haben kläglich versagt. C) Die KLA/UCK wurde tatsäch­lich entwaffnet zu jener Zeit, aber dann mit oder ohne der Zustim­mung von NATO/KFOR und der UN wieder­be­waffnet.

Wenn es eine Irre­füh­rung war, sollte die freie Presse unter­su­chen, warum wir alle getäuscht wurden. Wenn die NATO schlicht unfähig war, ist ihr Versagen im Kosovo größer als jede UN-Mission im Balkan. Wenn dem so ist, sollte es einen öffent­li­chen Aufschrei geben, und wir sollten dasselbe über die NATO hören wie über die UN: Daß sie teuer, unfähig und korrupt sei und nicht fähig, ihr Mandat zu erfüllen. Aber während die Medien und Kommen­ta­toren die Vereinten Nationen gerne denun­zieren, getrauen sich nur wenige einer Kritik der NATO. Als ob die NATO keine Fehler machen könnte.

Wir wissen heute, daß die UCK/KLA sich nach Südser­bien bewegt hat und von Basis­la­gern in der demi­li­ta­ri­sierten Zone zwischen Serbien und dem Kosovo ihren Krieg begann. Das bedeutet, daß sie den US-Sektor passiert hat. Wir wissen, daß es die UCK/KLA ist, die einseitig im Namen der UCK oder NLA (Nationale Befrei­ungs­armee) den Krieg in Maze­do­nien ange­fangen hat. Niemand, der entwaffnet und aufgelöst worden ist, kann zwei Aggres­sionen begehen; niemand, der nicht die Unter­stüt­zung der west­li­chen Regie­rungen hat und nach deren nationale und geostra­te­gi­sche Inter­essen handelt, würde mit so etwas davon­kommen!

(In den Straßen von Pritina kann man UCK-Symbole und -Kenn­zei­chen kaufen, man kann Publi­ka­tionen mit der UCK auf der Titel­seite kaufen mit Listen der Serben, die sie getötet haben.)

Es ist stark anzu­nehmen, daß der UCK/NLA erlaubt wurde — falls man sie nicht sogar darin unter­stützt hat — zwei neue Kriegs­schau­plätze zu eröffnen. Es ist unvor­stellbar, daß die NATO, die welt­stärkste Allianz, und die UN als oberste Autorität im Kosovo nicht in der Lage gewesen seien, eine Streit­kraft wie die UCK zu kontrol­lieren, wenn sie die Absicht dazu gehabt hätten.

Kurz gesagt haben die NATO und einige iher Mitglieds­staaten keine Glaub­wür­dig­keit als Entwaffner. Ihre Ergeb­nisse in dieser Tätigkeit sind wirklich schlecht!

Die größte „Friedensstifter”-Mission aller Zeiten mit 46.000 viel stärker bewaff­neten Soldaten als die UN war nicht in der Lage, 10–15.000 KLA-Soldaten zu entwaffnen. Nur wirklich naive Menschen können annehmen, daß 3.500 oder 5.000 NATO-Soldaten in Maze­do­nien eine bessere Arbeit abgeben könnten. Also warum sind sie dort? Weil sie keine bessere Arbeit abliefern sollen!

Die NATO hat diemal nicht einmal die Absicht, die KLA/NLA zu entwaffnen, sie sammelt blos frei­willig durch KLA/NLA-Kämpfer abge­ge­bene Waffen ein, denen dann Amnestie gewährt wird! Fragen Sie sich selbst, wo ein solches Geschäft mit „bewaff­neten Verbre­chern” (NATO-Bezeich­nung für die KLA/NLA) zuvor geschlossen wurde, die bereits ansehn­liche Terri­to­rien eines souve­ränen, aner­kannten UN-Mitglieds­landes kontrol­lieren.

Deswei­teren haben Politiker der Länder, die „Essential Harvest” betreiben, ange­strebt, die Maze­do­ni­sche Regierung daran zu hindern, Waffen zu impor­tieren, und die maze­do­ni­sche Armee wurde aufge­for­dert, sich von ihren Stel­lungen zurück­zu­ziehen.

Um es deutlich zu sagen: Dies bedeutet das Ende des Rechts zur Selbst­ver­tei­di­gung, des Respekts der terri­to­rialen Inte­grität eines souve­ränen, aner­kannten euro­päi­schen Staates und ein Ende der unpar­tei­ischen Vermitt­lung zwischen Konflikt­par­teien. Ich glaube, daß es auch ein Ende für ein stabiles und ziemlich fried­li­ches Maze­do­nien bedeutet.

Das Waffenzahl-Spiel und eine mögliche dänische Verbindung

Die offi­zi­elle Schätzung der maze­do­ni­schen Regierung zu der Zahl der Waffen der KLA/NLA beläuft sich auf 60 — 80.000. Die KLA/NLA sagen, sie haben 2.500. Nach zwei Tagen im Lande schließt die NATO ein neues, nicht verhan­del­bares Geschäft mit der KLA/NLA ab und verkündet, daß die Zahl der einzu­sam­melnden Waffen 3.500 sei und daß dies eine glaub­wür­dige Zahl sei, um Maze­do­nien auf den Weg zum frieden zu bringen.

Jane’s Defense Weekly vom 29. August, Nr. 9 nennt 2.500 NLA-Soldaten in Maze­do­nien und mindes­tens genauso viele nicht­kämp­fende Unter­stützer für Logistik usw. von denen vermut­lich alle Waffen besitzen. Sie fügt hinzu, daß es „ebenfalls Waffen in versteckten Lagern gibt. Manche davon wurden in den Nach­wir­kungen der Albanien-Krise 1997 erstanden, als schät­zungs­weise 575.000 kleine Waffen gestohlen wurden…” Und dann hat wohl jede Familie 1–2 Waffen durch das, was man Schüt­zen­kultur des Balkans nennt, „welche teilweise sehr stark unter den ethni­schen Albanern ist”.

Unter der Annahme, daß die Generäle der NATO kompetent seien, ist es schwer zu glauben, daß sie selbst irgend­etwas dessen glauben, was sie von sich geben. Aber die Zahl ist doch ein weiterer west­li­cher Schlag in das Gesicht der Regierung.

CNN berich­tete am 25. August 2001: „Der dänische General Gunnar Lange, NATO-Komman­dant in Skopje, gab die Waffen­zahl nicht bekannt, aber sagte, daß die Operation Essential Harvest bis zum Ende der nächsten Woche ein Drittel der Waffen der Rebellen in die Hand bekäme.”

Aha, der NATO-Komman­dant ist dänisch! Aber Dänemark hat keine Truppen für Essential Harvest bereit­ge­stellt? Nun, mein unan­ge­nehmer Verstand sagt mir, daß es dafür eine recht einfache Erklärung geben könnte:

Der Mann, der erfolg­reich Kouchner als höchster Autorität im Kosovo einsetzte, ist der frühere dänische Vertei­di­gungs­mi­nister, Hans Haekkerup. Unter seiner Leitung unter­stützte Dänemark nicht nur die NATO-Bombar­die­rungen in Jugo­sla­wien politisch und moralisch, sie haben auch Bomben abge­worfen. Er stand an der Spitze einer bedeu­tenden Akti­visten-Sicher­heits­po­litik und entwi­ckelte sehr gute Bezie­hungen zur Clinton-Regierung. Haekkerup hielt bis damals keine inter­na­tio­nalen Posi­tionen. Nun in Pritina konnte er unmöglich ohne Kenntnis der mili­tä­ri­schen Ange­le­gen­heit oder der Geschichte seiner Mission und ihrer Eintritts­karte in der Region Kosovo sein.

Das KLA/NLA-Problem in Maze­do­nien stammt über­wie­gend aus dem Kosovo, als die NATO aus prak­ti­schen Absichten zur Luftwaffe der KLA wurde. Es ist ein Überlauf der mißlun­genen UN/NATO-Mission dort, oder ein beab­sich­tigter Plan.

Was also könnte bequemer für den Leiter der UN-Mission sein als ein dänischer General, der es so aussehen lassen kann, als ob die KLA/NLA und ihr Überlauf nur kleinere Probleme seien? Ein dänischer General, der den Job in dreissig Tagen erledigen und die laufende UN/NATO-Verschleie­rung verdecken kann, die darauf abzielt, die alba­ni­schen Extre­misten zu unter­stützen — woran sein früherer Chef (Haekkup) nichts änderte, weil er, hätte er, höchst­war­schein­lich seinen Job verloren hätte?

Stellen Sie sich vor, daß 3.300 Waffen alles wären, was die KLA/NLA in Maze­do­nien besäßen. Warum um Himmels Willen sollten sie akzep­tieren, sich ihrer Vertei­di­gung für den Tag zu berauben, an dem die NATO vermut­lich abzieht?

Es ist wohl­be­kannt, daß das Innen­mi­nis­te­rium tausende Waffen (manche sagen 12.000) an Maze­do­nier ausge­hän­digt habe, darunter frühere Poli­zisten. Es gibt auch lokale Para­mi­li­tärs, bestehend aus Natio­na­listen, Hardliner-Maze­do­nier, die sich Waffen beschafft haben und sich auf zukünf­tige Kämpfe in ihren Dörfern vorbe­reiten.

Ist es ange­sichts dessen warschein­lich, daß die Albanier, die bereits ihr Leben für ihre Sache riskiert haben, alle ihre Waffen ablegen und frei­willig die von ihnen besetzten Orte verlassen?

Können ande­rer­seits die west­li­chen Diplo­maten und Medien einen einzigen führenden maze­do­ni­schen Politiker oder Redakteur finden, der persön­lich glaubt, daß die 3.300 Stück alles sind, was die NLA besitzt, und daß sie die besetzten Terri­to­rien verlassen?

Wenn die Antwort auf diese Fragen „Ja” wäre, dann könnte die NATO-Mission eine frie­dens­stif­tende Kraft sein. Jedoch würde dies eine völlig andere frie­dens­stif­tende Anstren­gung bedeuten, etwas in der Artder UNPREDEP der UN kombi­niert mt einer viel kompe­ten­teren OSCE und einer Reihe von nicht­re­gie­rungs-, konflikt­lin­dernden und erzie­he­ri­schen Orga­ni­sa­tionen. Dies würde eine „Essential Spring”-Operation sein!

Das würde bedeuten, daß nicht nur die Waffen geerntet, sondern auch die Saat des Friedens gesäht werden muß. Dies ist offen­sicht­lich nicht, was die USA, die NATO und die EU tatsäch­lich vorhaben.

All das obige macht keinen Sinn vom Stand­punkt des Friedens, der Versöh­nung, Koexis­tenz und Demo­kratie. Es ist einfach Unsinn.

© TFF 2001

Amerika im Krieg in Mazedonien

Freitag, Juni 1st, 2001
Von Michel Chos­su­dovskyTFF Partner

Professor der Wirt­schaft, Univer­sität Ottawa

Siehe Karte bei www.bsrec.bg/taskforce/SYNERGY/oilprojects2.html.

Washing­tons heim­li­cher Krieg in Maze­do­nien gibt vor, Amerikas Wirkungs­kreis im südöst­li­chen Europa zu konso­li­dieren. Auf dem Spiel steht der stra­te­gi­sche Bulgarien-Maze­do­nien-Albanien-Transport-, Kommu­ni­ka­tions- und Ölpipeline-„Korridor”, welcher das Schwarze Meer mit der Adria­ti­schen Küste verbindet. Maze­do­nien steht an den stra­te­gi­schen Kreuz­wegen des Ölpipe­line-Korridors.

Um diese Pipeline-Wege zu schützen, ist es Washing­tons Ziel, ein „Flickwerk von Protek­to­raten” entlang der stra­te­gi­schen Korridore im Balkan zu einzu­richten.  Die Verspre­chung  eines „Groß-Albaniens”, welche von Washington verwendet wird, um alba­ni­schen Natio­na­lismus anzu­fa­chen, ist Teil des Tricks der Mili­tär­nach­rich­ten­dienste.  Reichlich doku­men­tiert besteht der letztere in der Finan­zie­rung und Ausrüs­tung der Kosovo-Befrei­ungs­armee (KLA) und ihrer Vertre­tung, der Natio­nalen Befrei­ung­armee (NLA), um die Terro­risten-Angriffe in Maze­do­nien zu führen.

Die Entwick­lung von Amerikas Einfluß­sphäre im südöst­li­chen Europa — in Kompli­zen­schaft mit Groß­bri­tan­nien — bedient die Inter­essen von Ölriesen einschließ­lich BP-Amoco-ARCO, Chevron und Texaco. Das Sichern der Kontrolle und der „Schutz” der Pipeline-Wege ist von höchster Bedeutung für den Erfolg folgender Multi-Milli­arden-Dollar-Wagnisse:

Ein erfolg­rei­ches inter­na­tio­nales Ölregime, eine Verbin­dung von ökono­mi­schen, poli­ti­schen und mili­tä­ri­schen Arran­ge­ments, um die Gewinnung und den Transport von Erdöl zu den Märkten zu unter­stützen.1

Die anglo-ameri­ka­ni­sche Verei­ni­gung, welche das AMBO Trans-Balkan- Pipelines-Projekt kontrol­liert, welches die Verbin­dung des bulga­ri­schen Hafens von Burgas mit Vlore auf der alba­ni­schen Adria­ti­schen Küsten­linie in hohem Maße kontrol­liert, schließt die Teilnahme von Europas konkur­rie­rendem Ölriesen Total-Fina-Elf aus.2 Mit anderen Worten ist der Zweck der stra­te­gi­schen Kontrolle der USA über den Pipeline-Korridor, die Rolle der Euro­päi­schen Union zu schwächen und die konkur­rie­renden euro­päi­schen Geschäfts­in­ter­essen auf Armes­länge zu halten.

Wer steht hinter der Trans-Balkan-Pipeline?

Die in den Verei­nigten Staaten ansässige AMBO Pipelines-Verei­ni­gung ist direkt mit dem Sitz der poli­ti­schen und mili­tä­ri­schen Kraft in den Verei­nigten Staaten und dem Unter­nehmen Halli­burton Energy des Vize­prä­si­denten Dick Cheney verbunden.3

Die Taug­lich­keits­studie für die Trans-Balkan-Ölpipe­line von AMBO, durch­ge­führt von der inter­na­tio­nalen Maschi­nen­bau­firma Brown&Root Ltd. [Britische Toch­ter­ge­sell­schaft von Halli­burton] hat fest­ge­stellt, daß dieses Pipeline …ein Teil der kriti­schen Ost-West-Korridor-Infra­struktur der Gebiets werden wird, die Straßen, Eisenbahn, Gas und Glasfaser-Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­Ver­bin­dungen einschließt.4

Und mit Voll­endung der Taug­lich­keits­studie durch Halli­burton wurde ein leitender Ange­stellter von Halli­burton zum CEO von AMBO ernannt. Halli­burton wurde auch ein Vertrag bewilligt, um US-Truppen im Balkan zu bedienen und „Bondsteel” in Kosovo zu bauen, welches jetzt „die größte gebaute ameri­ka­ni­sche Auslands­mi­li­tär­basis seit Vietnam” ist.5 Zufällig hat auch White And Case LLT, jenes Anwalts­büro aus New York, welches Präsident William J. Clinton auswählte, als er das Weiße Haus verlassen hat, seinen Einsatz im AMBO Pipelines-Geschäft.

Militarisation der Pipelines-Korridore

Das AMBO Trans-Balkan-Pipeline-Projekt würde eine Verbin­dung mit den Pipeline-Korri­doren zwischen dem Schwarzem Meer und dem Becken vom Kaspi­schen Meer aufbauen, das am Zentrum der größten uner­forschten Ölre­serven der Welt liegt (siehe Karte www.bsrec.bg/taskforce/SYNERGY/oilprojects2.html). Die Mili­ta­ri­sa­tion dieser verschie­denen Korridore ist ein inte­graler Teil des Washing­toner Plans.

Die US-Politik „des Schutzes von Pipeline-Wegen” aus dem Becken des Kaspi­schen Meeres (und durch den Balkan) wurde von Bill Richardson, Energie-Minister unter Clinton, nur wenige Monate vor der Bombar­die­rung Jugo­sla­wiens 1999 dargelegt:

Hier geht es um Amerikas Energie-Sicher­heit. Und um die Verhin­de­rung stra­te­gi­scher Überfälle durch dieje­nigen, die unsere Werte nicht teilen. Wir versuchen, diese seit neuem unab­hän­gigen Länder zum Westen zu bewegen, wir möchten sie auf westliche witschaft­liche und poli­ti­sche Inter­essen vertrauend sehen, anstatt daß sie einen anderen Weg einschlagen. Wir haben eine erheb­liche poli­ti­sche Inves­ti­tion im kaspi­schen Raum gemacht, und es ist für uns sehr wichtig, dass sowohl die Pipeline-Karte als auch die Politik sich recht entwi­ckeln.„6

Die anglo-ameri­ka­ni­schen Ölriesen einschließ­lich BP-Amoco-Arco, Texaco und Chevron — unter­stützt durch die Macht des US-Militärs — befinden sich in Konkur­renz mit Europas Ölriesen Total-Fina-Elf (eng verbunden mit Italiens ENI) der ein bedeu­tender Spieler in den reich­hal­tigen kasach­sta­ni­schen nordost-kaspi­schen Kashagan-Ölfeldern ist. Der Einsatz ist hoch: Vom Kashagan wird berichtet, daß es „so groß ist, daß es sogar die Größe der Öl-Reserven in der Nordsee über­trifft.„7 Der konkur­rie­renden Verei­ni­gung aus der Euro­päi­schen Union mangelt es jedoch hat an bedeu­tendem Einsatz und Einfluß in den Haupt­pipe­line-Wegen aus dem Becken des Kaspi­schen Meeres und zurück (durch das Schwarzes Meer und den Balkan) nach West-Europa. Die Schlüssel-Pipeline-Korridor-Projekte — einschließ­lich dem AMBO-Projekt und dem Bakus-Cehyan-Projekt durch die Türkei  zum Mittel­meer — sind in hohem Maße in den Händen ihrer anglo-ameri­ka­ni­schen Rivalen, die sich schwer auf US-mili­tä­ri­sche und poli­ti­sche Anwe­sen­heit sowohl im Kaspi­schen Becken als auch im Balkan verlassen.

Washing­tons Plan ist, voraus­sicht­lich alle drei AMBO-Länder, nämlich Bulgarien, Maze­do­nien und Albanien vom EU-/deut­schem Einfluß durch die Instal­la­tion von ausge­wach­senen US-Protek­to­raten zu distan­zieren. Mit anderen Worten sind Mili­ta­ri­sa­tion und geopo­li­ti­sche Kontrolle der Verei­nigten Staaten über die geplante Pipeline, die Burgas in Bulgarien zum Adria­ti­schen Hafen mit Vlore in Albanien verbindet, auf die Unter­gra­bung des EU-Einflusses ebenso wie der Schwä­chung der konkur­rie­renden Franco-Belgisch-Italie­ni­schen Ölin­ter­essen ausge­richtet.

Verhand­lungen bezüglich der AMBO Pipeline sind durch US-Regie­rungs-Beamten der Südbalkan-Entwick­lungs­in­itia­tive (SBDI) der Handels- und Entwick­lungs­agentur  (TDA) unter­stützt worden, „entworfen, um Albanien, Bulgarien und der FYR Maze­do­nien zu helfen, sich weiter zu entwi­ckeln und ihre Transport-Infra­struktur entlang dem Ostwest-Korridor, der sie verbindet, zu inte­grieren.„8

Der TDA weist auf den Bedarf dieser drei Länder hin, „regionale Synergie zu nutzen, um neues öffent­li­ches und privates Kapital [von US-Firmen] locker zu machen” wobei sie die Verant­wort­lich­keit der US-Regierung  unter­streicht, „diese Initia­tive durch­zu­führen.” Hinsicht­lich der AMBO Pipeline erscheint es so, als ob die Euro­päi­sche Union in hohem Maße von Planung und Verhand­lungen ausge­schlossen worden ist. „Verständ­nis­me­mo­randen” sind bereits mit den Regie­rungen Albaniens, Bulga­riens und Maze­do­niens unter­zeichnet worden, welche die nationale Souve­rä­nität der Länder sowohl über die Pipeline als auch über den Trans­port­kor­ri­dore beschneidet, indem sie „exklusive Rechte” an die anglo-ameri­ka­ni­sche Verei­ni­gung zugesteht:

[Das] Verständ­nis­me­mo­randen legt fest, dass AMBO als einziger Partei erlaubt sein wird, die geplante Burgas-Vlore Ölpipe­line zu bauen. Im Detail gibt es AMBO das exklusive Recht, mit Kapi­tal­an­le­gern und Gläu­bi­gern des Projektes zu verhan­deln. Es verpflichtet auch [die Regie­rungen Bulga­riens, Maze­do­niens und Albaniens], gewisse vertrau­liche Infor­ma­tion über das Pipelines-Projekt nicht bekannt­zu­geben.9

Ost-West-Korridor 8”

Das AMBO Pipelines-Projekt ist mit einem anderen stra­te­gi­schen Projekt, bezeichnet als „Korridor 8” verbunden, erstmals durch die Regierung Clinton im Kontext des „Balkan-Stabi­li­täts-Paktes” vorge­schlagen. Von stra­te­gi­scher Bedeutung sowohl für die Verei­nigten Staaten als auch die Euro­päi­sche Union, umfaßt „Korridor 8” Auto­bahnen, Eisenbahn, Elek­tri­zität und Fern­mel­de­in­fra­struktur. Im Ausgleich wird die exis­tie­rende Infra­struktur in diesen Sektoren zur Dere­gu­lie­rung und Priva­ti­sa­tion (zu Nullpunkt-Preisen) unter IWF-Welt­bank­auf­sicht zerlegt.

Obgleich abge­stem­pelt durch EG-Trans­port­mi­nister als Teil des Prozesses der euro­päi­schen ökono­mi­schen Inte­gra­tion, wurden die „Korridor 8”-Tauglichkeitsstudien durch US-Firmen durch­ge­führt, finan­ziert direkt durch den TDA. Mit anderen Worten scheint Washington die Bühne für die Übernahme der Transport- und Nach­rich­ten­in­fra­struktur der Länder bereitet zu haben. Ameri­ka­ni­sche Korpo­ra­tionen, einschließ­lich Bechtel, Enron und General Elektric (mit Finanz­un­ter­stüt­zung von der US-Regierung), konkur­rieren mit Firmen von der Euro­päi­schen Union.

Washing­tons Plan soll den gesamten Korridor für US-Multi­na­tio­nale in einem Gebiet im „ökono­mi­sche Hinterhof” der EU erschließen, wo die Rolle der Deutschen Mark wichtiger zu sein scheint als die des US-Dollars.

EU-Erweiterung”

Anfang 2000 begann die Euro­päi­sche Kommis­sion Verhand­lungen über einen EU-Part­ner­mit­glied­schafts-Status mit Maze­do­nien, Bulgarien und Albanien. Und im April 2001, zum Höhepunkt der terro­ris­ti­schen Angriffe, wurde Maze­do­nien das erste Land im Balkan, daß einen soge­nannten „Stabi­li­täts- und Asso­zia­tions-Vertrag” (SAA) unter­zeich­nete, was ein bedeu­tender Schritt in Richtung einer voll­wer­tigen EU-Mitglieds­schaft ist. Der Vertrag liefert die Grundlage für „Handels­li­be­ra­li­sie­rung, poli­ti­sche Zusam­men­ar­beit, volks­wirt­schaft­liche und insti­tu­tio­nelle Reform sowie Einbin­dung der euro­päi­schen EG-Gesetz­ge­bung.” Unter dem SAA würde Maze­do­nien (De facto) ins Euro­päi­sche Währungs­system, mit vollem Zugang zum EG-Markt inte­griert.10

Die Terro­ris­ten­an­griffe trafen chro­no­lo­gisch mit dem Prozeß der „EU-Erwei­te­rung” zusammen, gewannen nur wenige Wochen vor der Unter­zeich­nung des histo­ri­schen „Asso­zia­tions-Vertrags” mit Maze­do­nien an Schwung. Reichlich doku­men­tiert haben die mili­tä­ri­sche Berater der Verei­nigten Staaten arbeiten mit den Terro­risten.  War das reiner Zufall?

Außerdem wurde Robert Frowick, ein „ehema­liger US-Diplomat”, Mitte März ernannt, die OSCE-Mission in Maze­do­nien zu leiten, wiederum nur wenige Wochen vor dem Unter­zeichnen des „Asso­zia­tions-Vertrags”. In naher Beziehung mit Washington und der US-Botschaft in Skopje begann Frowick einen „Dialog” mit NLA-Rebel­len­führer Ali Ahmeti. Er war auch behilf­lich bei der Vermitt­lung einer Vertrag zwischen Ahmeti und den Führern der alba­ni­schen Parteien, welche einen Teil der Regie­rungs­ko­ali­tion bilden.

Dieser durch Frowick verhan­delte Vertrag hat in hohem Maße zu desta­bi­li­sie­renden poli­ti­schen Hand­lungen beigetragen, außerdem gleich­zeitig den Prozeß der EU-Erwei­te­rung gefährdet.11 Mehr noch, der sich verschlech­ternde Sicher­heits-Zustand in Maze­do­nien hat einen Vorwand für erwei­terte mili­tä­ri­sche und „huma­ni­täre”, poli­ti­sche Einmi­schung der USA geliefert, zugleich die ökono­mi­schen und poli­ti­schen Bande von Skopje mit Deutsch­land und der Euro­päi­schen Union geschwächt. Eine der „verbind­li­chen Bedin­gungen” des ” Asso­zia­tions-Vertrages” ist in dieser Hinsicht, dass Maze­do­nien „EG-Standards der Demo­kratie” entspricht.12 Selbst­ver­ständ­lich kann ohne eine „funk­tio­nie­rende Regierung” in Maze­do­nien der EG-Asso­zia­tions-Prozeß in Brüssel nicht fort­schreiten.

Die in Tirana, Skopje und Sofia instal­lierten Mario­net­ten­re­gie­rungen, die in hohem Maße auf US-Diktat reagieren, werden zur Zeit in Bezug auf die Euro­päi­sche Union beein­flußt. Washing­tons Absicht ist schließ­lich, Deutsch­lands „Lebens­raum” im südöst­li­chen Europa einzu­schränken. Der „EU-Erwei­te­rung” Lippen­dienst leistend haben die Verei­nigten Staaten stets die „NATO-Erwei­te­rung” als Mittel zur Verfol­gung ihrer stra­te­gi­schen Inter­essen an Osteuropa und dem Balkan bevorzugt, während Deutsch­land und Frank­reich dagegen standen.

Während der Ton der inter­na­tio­nalen Diplo­matie manier­lich und höflich bleibt, wurde die ameri­ka­ni­sche Außen­po­litik unter der Verwal­tung von Bush deutlich „anti­eu­ro­pä­isch”. Einem Beob­achter zufolge:

” Im Zentrum der Mann­schaft von Bush wird Colin Powell der Freund der Europäer [betrachtet], während die anderen Minister und Berater als arrogant, hart und unpäßlich betrachtet werden, die Europäer anzuhören oder einen einen Platz frei­zu­halten.„13

Deutschland und Amerika

Reichlich doku­men­tiert steht die CIA hinter der KLA und den NLA-Rebellen, welche die Terro­risten-Angriffe gegen die maze­do­ni­schen Frie­dens­truppen führen. Während das deutsche Gegen­stück zum CIA, der Bundes­nach­rich­ten­dienst (BND) mit der CIA beim Beauf­sich­tigen und der Finan­zie­rung der KLA vor den Kriegs­ent­wick­lungen 1999 koope­rierte, lassen die jüngsten Entwick­lungen es so scheinen, als ob der BND an Washing­tons mili­tär­ge­heim­dienst­li­chen Trick in Maze­do­nien nicht beteiligt wird.14

Nur wenige Wochen vor dem Unter­zeichnen des „Asso­zia­tions-Vertrags” mit der Euro­päi­schen Union waren deutsche Truppen in Maze­do­nien im Tetovo-Gebiet aufge­stellt, wo sie (Mitte März 2001) „zufällig” zum Ziel der NLA wurden. Währ1endend die West­li­chen Medien — im Chor die offi­zi­ellen Erklä­rungen wieder­ge­bend — berich­teten dass deutsche Truppen „gefangen im Kreuz­feuer” lagen, vermit­teln die Berichte von Tetovo, dass der Beschuß der NLA, „beab­sich­tigt war.” Auf jeden Fall wäre der Vorfall nicht vorge­kommen, hätte der deutsche BND mit der Rebellen-Armee zusam­men­ge­ar­beitet:

Bis zu 600 deutschen Soldaten waren gezwungen, Tetovo über Nacht zu verlassen, nachdem ihre Kasernen … in Kreuz­feuer gefangen waren … [Sie waren] zu leicht bewaffnet, um sich gegen die Albaner zu vertei­digen. Die Deutschen werden die abrei­senden Truppen durch eine Leopard-Panzer-Schwadron ersetzen [die zur Panzer-Artil­lerie-Batterie-Einheit gehört, die in Nordrein-Westfalen statio­niert ist] Die neue [deutsche] Feuer­kraft kann genutzt werden, um jetzt bestehende alba­ni­sche Posi­tionen um Tetovo zu zerschlagen.„15

In einer bitteren Ironie waren zwei der Komman­danten, die verant­wort­lich für die Terro­risten-Angriffe im Tetovo Gebiet sind, durch britische Special Forces ausge­bildet worden:

Beschä­mend für KFOR wurde bekannt, dass zwei der Kosovo-basie­renden Komman­danten, die den alba­ni­schen Stoß [ins Tetovo-Gebiet] führen, durch ehemalige briti­schen SAS- und Fall­schirm-Regiment-Offiziere in den Tagen erzogen wurden, als NATO mit der Grün­schnabel-Befrei­ung­armee von Kosovo (KLA) besser stand. Ein ehema­liges Mitglied einer Euro­päi­schen Special Forces-Einheit, die die KLA während des Konflikts im Kosovo beglei­tete, sagte, dass ein Komman­dant mit dem Pseudonym Bilal den Waffen- und Männer-Fluß in Maze­do­nien orga­ni­sierte, und dass der KLA Vete­r­an­kom­man­dant Adem Bajrami half, den Angriff auf Tetovo zu koor­di­nieren. Beide wurden von briti­schen Soldaten in den heim­li­chen Trai­nings­la­gern gelehrt, die oberhalb von Bajram Curri im nörd­li­chen Albanien 1998 und 1999 betrieben wurden.„16

Diese gleichen durch Briten ausge­bil­deten Rebellen-Komman­danten sehen Deutsch­land als den „Feind” an, weil die in Maze­do­nien und Kosovo aufstellten Bundes­wehr-Truppen — anstatt wie ihre briti­schen und ameri­ka­ni­schen KFOR-Gegen­stücke „Schutz” für die NLA-„Freiheitskämpfer” zu bieten — häufig „verdäch­tigte Terro­risten” an der Grenze aufhalten:

Ein Sprecher der natio­nalen Befrei­ung­armee der Albaner (NLA) in Pristina warnte die Bundes­wehr, ihre Betei­li­gung würde »eine Kriegs­er­klä­rung durch die Bundes­re­pu­blik Deutsch­land darstellen«”.17

Als Antwort auf NLA-Drohungen sendete die Bundes­wehr ihre eigenen Sonder­ein­heiten, die Fall­schirm­jäger aus, um mit der Panzer-Artil­lerie-Batterie-Schwadron zusam­men­zu­ar­beiten.18 Der deutsche Vertei­di­gungs-Minister, Rudolf Scharping bestä­tigte, dass „er bereit ist, mehr Panzer und Truppen zu schicken, um die Bundes­wehr-Kräfte zu stärken”.19 Und doch hat sich Berlin in den jüngsten Entwick­lungen dafür entschieden, die meisten seiner Truppen vom Tetovo-Gebiet zurück­zu­ziehen, um keines­wegs den Trick der US-Geheim­dienste der Unter­stüt­zung der NLA-Rebellen zu gefährden. Einige dieser deutschen Truppen werden jetzt auf der Kosovo-Seite der Grenze aufge­stellt.

Während der NLA eine Ladung der neuesten fort­ge­schrit­tenen Waffen „made in Amerika” erhielt, hat Deutsch­land (Mitte Juni) den maze­do­ni­schen Frie­dens­truppen alle Gelände-Fahrzeuge wie auch Waffen „für hoch­ent­wi­ckelte Infra­rot­nach­for­schung im Schlacht­feld geschenkt.” Nach einem Bericht aus Maze­do­nien war der kleine Anteil deutscher Truppen, welcher noch im Tetovo-Gebiet bleibt, „unter schwerem Angriff der Terro­risten, die sie mit Mörsern von den Bergen über Tetovo angriffen. Das ist vermut­lich die Antwort auf die gestrige Schenkung [am 14. Juni 2001] an unsere Armee durch die deutsche Regierung.„20

Während Spal­tungen zwischen „NATO-Verbün­deten” nie publik gemacht werden, hat Deutsch­lands Außen­mi­nister Joschka Fischer — in einer deut­li­chen Erklärung an den Bundestag gerichtet gegen „die alba­ni­schen Extre­misten in Maze­do­nien” — „eine lang­fris­tige Regelung” verlangt, „darauf ausge­richtet, das ganze Gebiet näher an Europa heran­zu­holen.” (D. h. frei von US-Eingriffen). Die deutsche Position ist in deut­li­chem Kontrast zur jener der Verei­nigten Staaten, die verlangt, dass die Skopje Regierung den Terro­risten Amnestie bewilligt, die Zusam­men­set­zung der Landes modi­fi­ziert und die NLA-Rebellen an der Zivil­po­litik beteiligt:

Der Pakt verlange wie berichtet, daß die Rebellen ihren Kampf einstellen und im Gegenzug Amnestie-Garantien erhalten. Die Rebellen würden auch das Recht haben, bei zukünf­tigen poli­ti­schen Entschei­dungen bezüglich ethni­scher alba­ni­scher Rechte ein Veto einzu­legen. Die Vertrag wurde wie berichtet von Robert Frowick, einem ehema­ligen US-ameri­ka­ni­schen Gesandten vermit­telt, der zur Zeit als Reprä­sen­tant der Orga­ni­sa­tion für Sicher­heit und Zusam­men­ar­beit in Europa arbeite.„21

Die anglo-amerikanische Achse

Der Konflikt zwischen Deutsch­land und Amerika im Balkan ist Teil eines viel breiteren Prozesses, der das Herz des west­li­chen Mili­tär­in­dus­trie­kom­plexes und der Vertei­di­gungs-Einrich­tungen betrifft.

Seit Anfang der 1990er Jahre haben die Verei­nigten Staaten und Deutsch­land gemein­schaft­lich als NATO-Partner im Balkan gespielt, ihre jewei­ligen Militär-, Geheim­dienst- und Außen­po­litik-Initia­tiven koor­di­nie­rend. In ihren öffent­li­chen Erklä­rungen den Schein der poli­ti­schen Einheit aufrecht­erhal­tend, entwi­ckelten sich ernste Unei­nig­keiten im Gefolge der Über­ein­künfte von Dayton (1995), als deutsche Banken sich vortaten, die Deutsche Mark aufzu­zwingen und das Währungs­system von Jugo­sla­wiens Nach­folger-Staaten zu über­nehmen.

Außerdem haben die Verei­nigten Staaten im Gefolge des Krieges 1999 in Jugo­sla­wien ihre stra­te­gi­schen, mili­tä­ri­schen und geheim­dienst­li­chen Bande mit Groß­bri­tan­nien verstärkt, während Groß­bri­tan­nien viele seiner Bande (besonders im Gebiet der Vertei­di­gung und Raum­fahrt­pro­duk­tion) mit Deutsch­land und Frank­reich getrennt hat.

Anfang 2000 haben der US-ameri­ka­ni­sche Vertei­di­gungs-Minister William Cohen und sein briti­sches Gegen­stück, Geoff Hoon, eine „Grund­satz­er­klä­rung für Vertei­di­gungs-Ausrüs­tung und Indus­trie­ko­ope­ra­tion” unter­zeichnet.22 Washington´s Ziel­set­zung war die Bildung einer „trans­at­lan­ti­schen Brücke zu ermutigen, durch die das DoD [US-Vertei­di­gungs­mi­nis­te­rium] seine Globa­li­sie­rungs-Politik nach Europa tragen kann.„23

Die US-Vertei­di­gungs-Industrie — welche jetzt British Aerospace Systems (BaeS) einschließt — kracht mit der Franco-deutschen Vertei­di­gungs-Verei­ni­gung EADS — einem Konglo­merat aus Frank­reichs Aeros­pa­tiale Matra, Deutsche Aerospace, welche Teil der starken Daimler-Gruppe ist, und Spaniens CASA, zusammen. Mit anderen Worten ist ein großer Spalt im west­li­chen Militär-Indus­trie­kom­plex mit den Verei­nigten Staaten und Groß­bri­tan­nien auf einer Seite und Deutsch­land und Frank­reich auf der anderen aufge­treten.

Öl, Waffen und die westliche mili­tä­ri­sche Allianz sind eng verknüpfte Prozesse. Washing­tons Plan soll schließ­lich die Herr­schaft des US-Mili­tär­in­dus­trie­kom­plexes in Verbin­dung mit den anglo-ameri­ka­ni­schen Ölriesen und Großbritannien´s Haupt­ver­tei­di­gungs-Ünter­neh­mern sichern. Diese Entwick­lungen haben zwei­fellos auch einen Angel­punkt bei der Kontrolle über stra­te­gi­sche Pipelines, Transport- und Kommu­ni­ka­ti­ons­wege im Balkan, Osteuropa und der ehema­ligen Sovjet­union.

Außerdem paßt zu dieser anglo-ameri­ka­ni­schen Achse auch eine zuneh­mende Zusam­men­ar­beit zwischen der CIA und Großbritannien´s MI5 in der Sphäre der Nach­rich­ten­dienste und verdeckten Opera­tionen, wie bezeugt durch die Rolle, die britische SAS Sonder­ein­heiten in der KLA-Rebellen-Ausbil­dung gespielt haben.

Krieg, „Dollarisierung” und die Neue Weltordnung

Schutz” der Pipelines, heimliche Tätig­keiten und die Wieder­ver­wen­dung des Rausch­gift-Geldes in Unter­stüt­zung bewaff­neter Rebel­lionen, Mili­ta­ri­sa­tion stra­te­gi­scher Korridore, Vertei­di­gungs-Beschaf­fung für „Part­ner­schaft für Frieden”-Länder (PFP) sind allesamt inte­graler Bestand­teil der anglo-ameri­ka­ni­schen Achse und ihrem Streben, die Öl-, Gas- und Trans­port­wege aus dem Becken des Kaspi­schen Meeres und dem Schwarzen Meer durch den Balkan zu kontrol­lieren.

Allge­meiner ausge­drückt ist das, was in dem weiteren Umfeld geschieht, welches Osteuropa und den Balkan mit den ehema­ligen Sowjet­re­pu­bliken verbindet, ein hartes Gerangel um die Kontrolle über nationale Volks­wirt­schaften durch konkur­rie­rende Unter­neh­mens­kon­glo­me­rate. Und hinter dem Vorgang steckt das Vorhaben des finan­zi­ellen Estab­lish­ments der Wall Street — gemeinsam mit den Vertei­di­gungs- und Ölriesen — die Deutsche Mark (und den EURO) zu desta­bi­li­sieren und diskre­di­tieren, mit der Absicht, den US-Dollar als einzige Währung in dieser Region durch­zu­setzen.

Die Kontrolle über die „Geld­schöp­fung” — die Herr­schaft der US-Federal Reserve über die ganze Welt — ist eine zentrale Eigen­schaft des US-ameri­ka­ni­schen Expan­sio­nismus. In dieser Hinsicht ist das Ziel des Mili­tär­ge­heim­dienst­li­chen Trick Washing­tons nicht nur, die „EU-Erwei­te­rung” zun unter­mi­nieren, sondern es ist auch Absicht, die Herr­schaft von Deutsch­lands wich­tigsten Finanz­in­sti­tu­tionen (z.B Deutsche Bank, Commerz­bank und West­deut­sche Landes­bank) im gesamten Balkan zu schwächen und zu verdrängen.

Mit anderen Worten wird die Neue Welt­ord­nung durch den Konflikt zwischen Europa und Amerika um „Kolo­ni­al­kon­trolle” über nationale Währungen markiert. Und dieser Konflikt zwischen „konkur­rie­renden kapi­ta­lis­ti­schen Blöcken” wird immer akuter werden, wenn ab 1. Januar 2002 mehrere hundert Million Menschen von Osteuropa über den Balkan bis nach Mittel­asien anfangen, den Euro als ihre „de facto” Natio­nal­wäh­rung zu nutzen.

Siehe Karte http://www.bsrec.bg/taskforce/SYNERGY/oilprojects2.html.

Anmerkungen

1 Robert V. Baryiski, Das Kaspische Ölregime: Mili­tä­ri­sche Dimen­sionen, Caspian Cross­roads Magazine, Jahrgang 1, Ausgabe 2, Frühling 1995.

2 Die Bezug­nahme auf die Euro­päi­sche Union in diesem Artikel(Ding) soll als „Euro­päi­sche Union minus Groß­bri­tan­nien” inter­pre­tiert werden.

3 Siehe Albanian Telegraf-Agency, Tirana am 28. Juli 1998, und Milsnews, Skopje, am 23. Januar 1997, zu sehen bei http://www.freerepublic.com/forum/a379fb721329c.htm.

4 Milsnews, s.o.

5 Siehe die scharf­sin­nige Analyse von Karen Talbot: „Das ehemalige Jugo­sla­wien: Der Name des Spiels ist Öl, Leute Weekly World, Mai 2001, siehe auch Marjorie Cohn, „Befrie­dung für eine Pipeline: Erklärung der US-Mili­tä­ri­schen Anwe­sen­heit im Balkan, The Jurist, Legal Education Network, Juni 2001, erklärend.

6 George Monbiot, Ein Diskretes Geschäft in der Pipeline, The Guardian am 15. Februar 2001.

7 Richard Gira­gosian, „Erneuter gewal­tiger Ölfund im Kashagan erneuert geopo­li­ti­sche Offensive im Kaspi­schen Raum”, The Analyst, Central Asia-Caucasus Institute, Johns Hopkins Univer­sity — Paul H. Nitze School of Advanced Inter­na­tional Studies, am 7. Juni 2000

8 Siehe Handel und Entwick­lung (TDA) nach Region bei http://www.tda.gov/region/sbdi.html.

9 Alexander Gas und ÖlVer­bin­dungen, Oktober 2000.

10 Unter soge­nannten „asym­me­tri­schen Geschäfts­be­vor­zu­gungen” mit der Euro­päi­schen Union.

11 Für weitere Details über die Rolle von Robert Frowick siehe Michel Chos­su­dovsky, „Maze­do­nien: Washing­tons mili­tär­ge­heim­dienst­li­cher Trick”, Juni 2001

12 Siehe AFP am 10. April 2001

13 Nach Pascal Boniface, dem Direktor des Pariser Instituts für Inter­na­tio­nale und Stra­te­gi­sche Bezie­hungen, UPI, am 11. April 2001.

14 Zu Details über die CIA-BND-Unter­stüt­zung der KLA siehe Michel Chos­su­dovsky, „Durch Orga­ni­sierte Krimi­na­lität finan­zierte Kosovo-Frei­heits­kämpfer”, Covert Action Quarterly, Herbst 1999, auch hier: http://www.heise.de/tp/english/inhalt/co/2743/1.html

15 Tom Walker, NATO-Truppen in einem Balkan-Ulster gefangen, Sunday Times, London am 18. März 2001,

16 Ebd.

17 Ebd.

18 Siehe „Deutsche Fall­schirm­jäger nach Tetovo”, Spiegel On-line am 24. März 2001; siehe auch „Bundes­wehr verlegt Soldaten ins Kosovo”, Spiegel On-line am 23. März 2001.

19 Deutsche Presse Agentur am 19. März 2001,

20 Dem Autor aus Skopje über­sandte Infor­ma­tion, Juni 2001.

21 Facts on File, World News Digest am 30. Mai 2001.

22 Reuters am 5. Februar 2000.

23 Der Vertrag wurde (nach einem in Muradian zitierten Pentagon­be­amten) kurz nach der Schaffung von British Aerospace Systems unter­zeichnet, die sich aus der Fusion von BAE mit GEC Marconi ergab. British Aerospace Systems (Bae) war bereits mit Amerika´s größten Vertei­di­gungs-Ünter­neh­mern Lockheed Martin und Boeing fest verbunden. Für weitere Details siehe Vago Muradian „Pentagon sieht Brücke nach Europa” Defense Daily, Jahrgang 204, Nr. 40, 1. Dezember 1999.

Jüngste Artikel des Autors über den Balkan:

Washington finan­ziert ethni­schen Krieg im Balkan”, April 2001, bei http://www.emperors-clothes.com/articles/choss/fin.htm oder http://www.canadiandimension.mb.ca/extra/x0404mc.htm

Wirt­schaft­s­ter­ro­rismus”, Mai 2001 bei http://emperors-clothes.com/articles/choss/eco1.htm oder http://alainet.org/active/show_news.phtml?news_id=1225.

© Copyright by Michel Chos­su­dovsky, Ottawa, June 2001. All rights reserved. Permis­sion is granted to post this text on non-commer­cial community internet sites, provided the essay remains intact and the copyright note is displayed. To publish this text in printed and/or other form, contact the author at chossudovsky@videotron.ca, fax: 1–514-4256224.

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