Archiv für Juli 2001

Mr. Ritter sagt, die USA nutzten sein Team zur Spionage gegen den Irak

Freitag, 20. Juli 2001

Quelle

Ein früherer Waffen­in­spektor der Vereinten Nationen hat die Verei­nigten Staaten beschuldigt, absichtlich Konfron­ta­tionen mit dem Irak zu provo­zieren, welcher, wie er sagt, bereits 1995 so gut wie völlig entwaffnet war.

Scott Ritter sagt, die Verei­nigten Staaten haben die Arbeit der UNSCOM — das Waffen­in­spek­to­renteam der Vereinten Nationen im Iraq — unter­mi­niert und nutzten die Ange­le­genheit, um den Irak in den Konflikt mit dem Westen zu drängen.

Mr. Ritter war seit seinem Rücktritt von der UNSCOM 1998 ein ausge­spro­chener Kritiker der US-Politik gegen den Irak.

In seinem neuen Doku­men­tarfilm Im Treibsand: Die Wahrheit über UNSCOM und die Entwaffnung des Irak werden die UN und die UNSCOM als ameri­ka­nische Schach­fi­guren in deren Geschäften mit Saddam Hussein dargestellt.

Mr. Ritter sagt, sein Team war zufrieden, der Irak hat bis 1995 98% seiner Waffen zerstört.

Aber, sagt er, die US-Regierung habe absichtlich neue Standarts der Entwaff­nungs­kri­terien fest­gelegt, um die UN-Sanktionen gegen Bagdad aufrecht zu erhalten und Bomben­an­griffe zu rechtfertigen.

In seinem Film, der vor den Vereinten Nationen seine Premiere erlebte, sagte Mr. Ritter, daß UNSCOM-Chef Richard Butler seinen Inspek­toren gesagt habe: „Sie müssen die Konfron­tation provo­zieren … damit die USA mit den Bombar­die­rungen anfangen kann”, und zwar vor dem 15. März, einer isla­mi­schen heiligen Zeit.

Mr. Butler leugnete die Beschul­digung und sagte, daß Mr. Ritters Behauptung „völlig falsch” sei.

Der Irak verwies die US-Waffeninspektoren im Dezember 1998 des Landes, nachdem Amerika und England eine Reihe Luft­an­griffe gegen das Land flogen.

Mr Ritter, ein ehema­liger Marine-Geheimdienstoffizier, sagte, der Iraq „hat zu einem sehr deut­lichem Grade beim UN-Inspektionsvorgang koope­riert” und er beschuldige die Verei­nigten Staaten am Abbruch.

Die Verei­nigten Staaten haben die Ereig­nisse instru­men­tiert, die zum Ende der Inspek­tionen führten”, meinte er.

Mr. Ritter fordert ein Ende der dem Irak nach der Invasion im August 1990 in Kuwait aufer­legten Sank­tionen und sagt, er sei nicht der Meinung, daß das Land noch länger eine Gefahr darstelle.

Der Irak ist ein zahnloser Tiger”, sagte er.

Spionage

In seiner Zeit bei UNSCOM beschul­digte der Irak Mr. Ritter, Spionage für die USA und Israel zu betreiben.

IN seinem Film behauptet Mr. Ritter, daß Washington während fast der ganzen Zeit seit dem Beginn der Inspek­tionen die UNSCOM zur Spionage im Irak nutzte.

Die US-Mission bei der UN lehnte es ab, die Doku­men­tation zu kommentieren.

Der Film, welcher 530.000 Dollar Produk­ti­ons­kosten verschlang, war teilweise vom irakisch-amerikanischem Geschäftsmann Shakir al-Khafaji finan­ziert worden.

Mr. Ritter sagte, er plane, den Film kommerziel zu verbreiten, um die Ameri­kaner zu bilden.