Artikel-Schlagworte: „Bürgerrechte“

Angemessene Kindeserziehung

Sonntag, 4. Mai 2003

Ursprüng­liche Quelle: Teach Your Children Well von Joseph Sobran

Übersetzt im Mai/2003 durch Kai Hacke­messer

Weil ich über Politik schreibe, fragen mich die Leute ständig nach der besten Methode, den Kindern zu erklären, wie unser Regie­rungs­system funk­tio­niert. Ich erkläre ihnen, dass sie ihren Kindern im eigenen Heim einen Staatsbürger-Grundkurs geben können.

Durch meine eigenen Erfah­rungen als Vater habe ich mehrere einfache Einrich­tungen gefunden, welche einem Kinder­ver­stand die Prin­zipien verdeut­lichen können, wie der moderne Staat mit seinen Bürgern umgeht. Sie könnten sie ebenfalls als hilfreich ansehen.

Zum Beispiel habe ich einen einfaches Karten­spiel mit meinem Sohn gespielt. Nach einer Weile, als er das Konzept, dass höher­wertige Karten die nied­ri­geren übertrumpfen, gründlich verstanden hat, habe ich mir ein neues Spiel ausge­dacht, welches ich REGIERUNG nannte. In diesem Spiel — ich war die Regierung — habe ich mit jedem Blatt gewonnen, egal wer die besseren Karten hatte. Mein Junge hat schnell das Interesse an meinem neuen Spiel verloren, aber ich denke, es hat ihm eine lehr­reiche Lektion für sein späteres Leben vermittelt.

Wenn Ihr Kind ein wenig älter ist, können Sie ihm unser Steu­er­system auf eine leicht­ver­ständ­liche Weise beibringen. Bieten Sie ihm sagen wir mal zehn Dollar für das Rasen­mähen an. Wenn es gemäht hat und seinen Lohn einfordert, halten Sie fünf Dollar zurück und erklären ihm, das sei die Einkom­mens­steuer. Geben Sie einen Dollar an seinen jüngeren Bruder und sagen Sie ihm, das sei „fair”. Ausserdem erklären Sie ihm, dass Sie die anderen vier Dollar benötigen, um die admi­nis­tra­tiven Kosten der Geld­ver­teilung zu decken. Wenn es heult, erklären Sie ihm, dass es „habgierig” und „egois­tisch” ist. Er wird es ihnen in seinem späteren Leben danken.

Stellen Sie so viele Regeln wie möglich auf. Die Gründe für diese können Sie im Dunkeln lassen. Verschärfen Sie sie will­kürlich. Beschul­digen Sie ihr Kind, Regeln gebrochen zu haben, von denen Sie ihm nie erzählt haben. Lassen Sie es besorgt sein, es könne Anwei­sungen miss­achtet haben, welche Sie noch nicht erlassen haben. Flössen Sie ihm das Gefühl ein, dass Regeln schlicht irra­tional sind. Dies wird es auf ein Leben unter demo­kra­ti­scher Regierung vorbereiten.

Wenn Ihr Kind ausrei­chend erwachsen ist, um zu verstehen, wie das Rechts­system funk­tio­niert, legen Sie eine Schla­fenszeit fest, und schicken es eine Stunde früher zu Bett. Wenn es Sie tränen­reich beschuldigt, die Regeln zu brechen, erklären Sie ihm, dass Sie die Regeln aufge­stellt haben, und dass Sie sie jederzeit so auslegen können, dass sie zu Ihren Gunsten erscheinen, wegen wech­selnder Begleit­um­stände. Dies wird es auf das Bundesgerichtshof-Konzept der US-Verfassung als „lebendes Beispiel” vorbereiten.

Versprechen Sie oft, mit ihm in den Zoo oder ins Kino zu gehen, und dann zur verein­barten Zeit lehnen sie sich mit einer Zeitung im Sessel zurück und sagen ihm, dass Sie ihre Pläne geändert haben. Wenn es schreit „Du hast es versprochen!”, erklären Sie ihm, dass es nur ein Wahl­ver­sprechen war.

Hin und wieder sollten Sie ohne Vorwarnung ihr Kind ohrfeigen. Dann erklären Sie ihm, dass es blos Vertei­digung ist. Sagen Sie, dass Sie jederzeit wachsam sein müssen, um jeden poten­ti­ellen Feind aufzu­halten, bevor er gross genug wird, um Sie zu verletzen. Auch dies wird Ihr Kind schätzen, warscheinlich nicht unbedingt sofort, aber in seinem späteren Leben.

Manchmal wird Ihr Kind natürlich Unzu­frie­denheit mit Ihren Methoden ausdrücken. Es könnte sogar den bockigen Wunsch aussprechen, dass es bei einer anderen Familie wohnen möchte. Um dieser Reaktion zuvor­zu­kommen oder sie abzu­mindern erzählen Sie ihm, wie glücklich es mit Ihnen ist, dem liebe­vollsten und nach­sich­tigsten Elternteil der Welt, und erzählen Sie grelle Geschichten von Grau­sam­keiten anderer Eltern. Dies wird es Ihnen gegenüber loyal machen und später empfänglich für die Behaup­tungen im Klas­sen­zimmer, dass der post­mo­derne Wohl­fahrts­staat Amerika immer noch das beste und freieste Land der Welt sei.

Dies bringt mich zur wich­tigsten Kinder­er­zie­hungs­technik von allen: Lügen. Belügen Sie ihr Kind zu jeder Zeit. Lehren Sie es, das Worte gar nichts bedeuten — oder besser das die Bedeutung des Wortes sich konti­nu­ierlich „entwi­ckelt” und morgen viel­leicht das  Gegenteil zu heute bedeutet.

Manche Leser mögen darauf hinweisen, dass dies eine armselige Weise sei, ein Kind aufzu­ziehen. Aber gerade das ist der Punkt: Kindes­miss­handlung ist die beste  Vorbe­reitung für das Erwach­se­nen­leben unter unserer Form von REGIERUNG.

Joe Sobran schreibt eine Kolumne und hat eine eigene Webseite, Sobran’s.