Angemessene Kindeserziehung

Mai 4th, 2003

Ursprüng­liche Quelle: Teach Your Children Well von Joseph Sobran

Übersetzt im Mai/2003 durch Kai Hacke­messer

Weil ich über Politik schreibe, fragen mich die Leute ständig nach der besten Methode, den Kindern zu erklären, wie unser Regie­rungs­system funk­tio­niert. Ich erkläre ihnen, dass sie ihren Kindern im eigenen Heim einen Staats­bürger-Grundkurs geben können.

Durch meine eigenen Erfah­rungen als Vater habe ich mehrere einfache Einrich­tungen gefunden, welche einem Kinder­ver­stand die Prin­zi­pien verdeut­li­chen können, wie der moderne Staat mit seinen Bürgern umgeht. Sie könnten sie ebenfalls als hilfreich ansehen.

Zum Beispiel habe ich einen einfaches Karten­spiel mit meinem Sohn gespielt. Nach einer Weile, als er das Konzept, dass höher­wer­tige Karten die nied­ri­geren über­trumpfen, gründlich verstanden hat, habe ich mir ein neues Spiel ausge­dacht, welches ich REGIERUNG nannte. In diesem Spiel — ich war die Regierung — habe ich mit jedem Blatt gewonnen, egal wer die besseren Karten hatte. Mein Junge hat schnell das Interesse an meinem neuen Spiel verloren, aber ich denke, es hat ihm eine lehr­reiche Lektion für sein späteres Leben vermit­telt.

Wenn Ihr Kind ein wenig älter ist, können Sie ihm unser Steu­er­system auf eine leicht­ver­ständ­liche Weise beibringen. Bieten Sie ihm sagen wir mal zehn Dollar für das Rasen­mähen an. Wenn es gemäht hat und seinen Lohn einfor­dert, halten Sie fünf Dollar zurück und erklären ihm, das sei die Einkom­mens­steuer. Geben Sie einen Dollar an seinen jüngeren Bruder und sagen Sie ihm, das sei „fair”. Ausserdem erklären Sie ihm, dass Sie die anderen vier Dollar benötigen, um die admi­nis­tra­tiven Kosten der Geld­ver­tei­lung zu decken. Wenn es heult, erklären Sie ihm, dass es „habgierig” und „egois­tisch” ist. Er wird es ihnen in seinem späteren Leben danken.

Stellen Sie so viele Regeln wie möglich auf. Die Gründe für diese können Sie im Dunkeln lassen. Verschärfen Sie sie will­kür­lich. Beschul­digen Sie ihr Kind, Regeln gebrochen zu haben, von denen Sie ihm nie erzählt haben. Lassen Sie es besorgt sein, es könne Anwei­sungen miss­achtet haben, welche Sie noch nicht erlassen haben. Flössen Sie ihm das Gefühl ein, dass Regeln schlicht irra­tional sind. Dies wird es auf ein Leben unter demo­kra­ti­scher Regierung vorbe­reiten.

Wenn Ihr Kind ausrei­chend erwachsen ist, um zu verstehen, wie das Rechts­system funk­tio­niert, legen Sie eine Schla­fens­zeit fest, und schicken es eine Stunde früher zu Bett. Wenn es Sie tränen­reich beschul­digt, die Regeln zu brechen, erklären Sie ihm, dass Sie die Regeln aufge­stellt haben, und dass Sie sie jederzeit so auslegen können, dass sie zu Ihren Gunsten erscheinen, wegen wech­selnder Begleit­um­stände. Dies wird es auf das Bundes­ge­richtshof-Konzept der US-Verfas­sung als „lebendes Beispiel” vorbe­reiten.

Verspre­chen Sie oft, mit ihm in den Zoo oder ins Kino zu gehen, und dann zur verein­barten Zeit lehnen sie sich mit einer Zeitung im Sessel zurück und sagen ihm, dass Sie ihre Pläne geändert haben. Wenn es schreit „Du hast es verspro­chen!”, erklären Sie ihm, dass es nur ein Wahl­ver­spre­chen war.

Hin und wieder sollten Sie ohne Vorwar­nung ihr Kind ohrfeigen. Dann erklären Sie ihm, dass es blos Vertei­di­gung ist. Sagen Sie, dass Sie jederzeit wachsam sein müssen, um jeden poten­ti­ellen Feind aufzu­halten, bevor er gross genug wird, um Sie zu verletzen. Auch dies wird Ihr Kind schätzen, warschein­lich nicht unbedingt sofort, aber in seinem späteren Leben.

Manchmal wird Ihr Kind natürlich Unzu­frie­den­heit mit Ihren Methoden ausdrü­cken. Es könnte sogar den bockigen Wunsch ausspre­chen, dass es bei einer anderen Familie wohnen möchte. Um dieser Reaktion zuvor­zu­kommen oder sie abzu­min­dern erzählen Sie ihm, wie glücklich es mit Ihnen ist, dem liebe­vollsten und nach­sich­tigsten Eltern­teil der Welt, und erzählen Sie grelle Geschichten von Grau­sam­keiten anderer Eltern. Dies wird es Ihnen gegenüber loyal machen und später empfäng­lich für die Behaup­tungen im Klas­sen­zimmer, dass der post­mo­derne Wohl­fahrts­staat Amerika immer noch das beste und freieste Land der Welt sei.

Dies bringt mich zur wich­tigsten Kinder­er­zie­hungs­technik von allen: Lügen. Belügen Sie ihr Kind zu jeder Zeit. Lehren Sie es, das Worte gar nichts bedeuten — oder besser das die Bedeutung des Wortes sich konti­nu­ier­lich „entwi­ckelt” und morgen viel­leicht das  Gegenteil zu heute bedeutet.

Manche Leser mögen darauf hinweisen, dass dies eine armselige Weise sei, ein Kind aufzu­ziehen. Aber gerade das ist der Punkt: Kindes­miss­hand­lung ist die beste  Vorbe­rei­tung für das Erwach­se­nen­leben unter unserer Form von REGIERUNG.

Joe Sobran schreibt eine Kolumne und hat eine eigene Webseite, Sobran’s.

Bush plante einen „Regierungswechsel” im Irak bereits, bevor er Präsident wurde.

Februar 4th, 2003

Original von Neil Mackay
Übersetzt von Kai Hacke­messer am 4.2.2003

Ein geheimer Entwurf zur globalen Dominanz der USA enthüllt, daß Präsident Bush und sein Kabinett schon vor der Macht­über­nahme im Januar 2001 einen vorsätz­li­chen Angriff auf den Irak geplant haben, um einen „Regie­rungs­wechsel” sicher­zu­stellen.

Der Plan zur Schaffung einer „globalen Pax Americana” , der vom Sunday Herald enthüllt wurde, wurde für Dick Cheney (nun Vize­prä­si­dent), Donald Rumsfeld (Vertei­di­gungs­mi­nister), Paul Wolfowitz (Rumsfelds Vertreter), George W. Bushs jüngeren Bruder Jeb und Lewis Libby (Cheneys Stabschef) abgefasst. Das Dokument mit dem Titel „Wieder­aufbau der Vertei­di­gung Amerikas: Stra­te­gien, Kräfte und Resourcen für ein neues Jahr­hun­dert” wurde im September 2000 vom neokon­ser­va­tiven Think-Tank „Projekt für das neue ameri­ka­ni­sche Jahr­hun­dert” (PNAC) geschrieben.

Der Plan zeigt, daß Bush’s Kabinett beab­sich­tigte, die mili­tä­ri­sche Kontrolle in der Golf­re­gion zu über­nehmen, egal, ob Saddam Hussein an der Macht sei oder nicht. Es heißt: „Die Verei­nigten Staaten haben jahr­zehn­te­lang ange­strebt, eine dauer­haf­tere Rolle in der Sicher­heit der Golf­re­gion zu spielen. Während der ungelöste Konflikt mit dem Irak eine direkte Recht­fer­ti­gung liefert, geht der Bedarf an einer substan­ti­ellen Präsenz der Ameri­ka­ni­schen Streit­mächte im Golf über die Ange­le­gen­heit mit dem Regime von Saddam Hussein hinaus.”

Das PNAC-Dokument unter­stützt einen „Plan zur Erhaltung der globalen Vorherr­schaft der USA, zur Verhin­de­rung des Aufstiegs eines mächtigen Gegners und zur Formung der inter­na­tio­nalen Sicher­heit in Einklang mit ameri­ka­ni­schen Prin­zi­pien und Inter­essen”.

Diese „Ameri­ka­ni­sche Lang­zeit­stra­tegie” muß „so weit in die Zukunft wie möglich” voran­ge­trieben werden, heißt es in diesem Bericht. Er ruft die USA ebenfalls dazu auf, „als Kern­auf­gabe gleich­zeitig an vielen Kriegs­schau­plätzen zu kämpfen und entschei­dend zu gewinnen.”

Der Bericht beschreibt die bewaff­neten Kräfte Amerikas im Ausland als „die Kaval­lerie an der neuen ameri­ka­ni­schen Front”. Der Plan der PNAC unter­stützt ein früheres Dokument aus der Feder von Wolfowitz und Libby, welcher forderte, daß die USA „fort­schritt­liche Indus­trie­na­tionen entmu­tigen soll, unsere Führer­schaft heraus­zu­for­dern oder überhaupt eine größere regionale oder globale Rolle zu spielen.”

Der PNAC-Bericht

  • verweist auf die Schlüs­sel­ver­bün­deten wie Groß­bri­tan­nien als „effek­tivstes und effi­zi­en­testes Mittel, um die globale ameri­ka­ni­sche Führung auszuüben”
  • beschreibt die Frie­dens­stifter-Missionen als „Forderung nach ameri­ka­ni­scher Führung in der Politik anstatt der durch die Vereinten Nationen”
  • enthüllt Bedenken, daß Europa sich gegen die USA stellen könnte
  • sagt, daß „selbst wenn Saddam von der Bühne verschwinden sollte, werden die Basen in Saudi­ara­bien und Kuwait permanent besetzt bleiben — trotz der über­wie­genden Oppo­si­tion in den Golf­staats­re­gie­rungen zur Statio­nie­rung der US-Truppen — da sich der Iran leicht als große Bedrohung für die Inter­essen der USA erweisen könne, wie es der Irak getan hat”
  • beleuchtet China zwecks „Regie­rungs­wechsel” und sagt, „es ist Zeit, die Präsenz ameri­ka­ni­scher Streit­kräfte in Südost­asien zu verstärken”. Dies, heißt es, könne „Ameri­ka­ni­schen und Verbün­deten die Kraft geben, um dem Prozeß der Demo­kra­ti­sie­rung in China zu beschleu­nigen.”
  • fordert die Schaffung der „US-Raummacht”, um den Weltraum zu domi­nieren, sowie die totale Kontrolle des Cyber­spaces, um zu verhin­dern, daß „Feinde” das Internet gegen die USA nutzen.
  • deutet an, daß abgesehen von der Kriegs­dro­hung gegen den Irak wegen Massen­ver­nich­tungs­waffen die USA die Entwick­lung biolo­gi­scher Waffen — welche die Nation geächtet hat — in den kommenden Jahr­zehnten in Betracht ziehen sollen. Es heißt: „Neue Methoden des Angriffs — elek­tro­ni­sche, nichttöd­liche, biolo­gi­sche — werden besser verfügbar sein … Kämpfe werden in ganz neuen Dimen­sionen geführt werden, im Weltraum, im Cyber­space und viel­leicht sogar in der Welt der Mikroben … fort­schritt­li­chere Formen biolo­gi­scher Kriegs­füh­rung, welche bestimmte Genotypen „angreift”, können die biolo­gi­sche Krieg­füh­rung aus der Welt des Terrors in ein politisch nütz­li­chen Werk­zeuges umformen.
  • bestimmt Nordkorea, Lybien, Syrien und den Iran als gefähr­liche Regime und ihre Existenz recht­fer­tigt die Schaffung eines welt­weiten „Command-and-Control-Systems”.

Tam Dalyel, Labour-Parla­ments­mit­glied, Vater des Unter­hauses und eine der führenden Rebel­len­stimmen gegen den Krieg gegen den Irak, sagte: „Das ist der Müll von rechts­ge­rich­teten Think Tanks voller Hühner­ha­bichte — Männer, die nie den Schrecken des Krieges sebst erlebt haben, aber verliebt in die Idee des Krieges sind. So Männer wie Cheney, Kriegs­dienst­ver­wei­gerer im Viet­nam­krieg.

Dies ist ein Plan zur Welt­kon­trolle durch die USA — eine neue Welt­ord­nung ihrer Erzeugung. Dies sind die Denk­pro­zesse von ameri­ka­ni­schen Fantasten, die die Welt beherr­schen wollen. Ich bin empört, das ein engli­scher Premier­mi­nister der Labours mit einer Mann­schaft von solch mora­li­schen Niveau ins Bett geht.”

Interview mit Dr. Kurt Richebacher

Januar 2nd, 2003

24. Dezember 2002

Über­set­zung von Kai Hacke­messer

Quelle: http://www.investmentrarities.com/weeklycommentary.html

Vorwort

Dr. Kurt Riche­ba­cher hat eine unheim­liche Fähigkeit demons­triert, zukünf­tige wirt­schaft­liche Probleme zu iden­ti­fi­zieren. Der frühere Chef­volks­wirt der Dresdner Bank warnte vor der Rezession und dem NASDAQ-Crash Monate, bevor es geschah. Er sagte den Zusam­men­bruch der asia­ti­schen Tieger­s­taten 1998 voraus und lies lange vor Enron die Alarm­si­renen ertönen, was die Tricks um die Unter­neh­mens­ge­winne anging. Als beinahe jeder sich einer V-förmigen Erholung sicher war, behaup­tete er, daß dies unmöglich sei.

Als Meister der klas­si­schen Volks­wirt­schaft und viel­leicht der beste analy­ti­sche volks­wirt­schaft­liche Denker der heutigen Welt schreibt Dr. Riche­ba­cher einen monat­li­chen Rundbrief, den „Riche­ba­cher-Brief”. Bei seinem beein­dru­ckenden Rekord genauer Warnungen und Voraus­sagen ange­sichts der meist einstim­migen Oppo­si­tion aus Esta­blish­ment-Volks­wirt­schaften denken wir, daß das folgende Interview mit voller Konzen­tra­tion und Kombi­na­ti­ons­fä­hig­keit gelesen werden sollte.

Damals im März’97 warnten Sie, daß ernste Probleme die schwer verschul­dete Wunder­wirt­schaft im Fernen Osten bedrohen. Warum hatten Sie dieses Problem ins Licht gerückt?

Ihr Boom war kredit­in­du­ziert. Sie gerieten schwer in Schulden, um exzessiv zu bauen.

Die gleiche alte Geschichte?

Ja, Abge­zo­gene Gelder und Kredit­wachstum und die typischen Symptome von sich über­hit­zenden Volks­wirt­schaften — Inflation, Speku­la­tion und finan­zi­elle Exzesse.

Dann, im Juni’98 sagten Sie, „Später dieses Jahr wird sich die US-Wirt­schaft abrupt verlang­samen”. Was hatten Sie wahr­ge­nommen?

Die Gewinne gaben nach und Unter­nehmen neigten zu selbst­zer­stö­re­ri­schen Finanz­tricks und Buch­hal­tungs­ma­nö­vern einschließ­lich schwerer Speku­la­tionen und Lever­aging. Ich schrieb, daß einige durch explo­die­rende Papier­werte unglaub­lich reich wurden, aber Erspar­nisse und Kapi­tal­bil­dung erbärm­lich seien.

Dann sagten Sie den Zusam­men­bruch des Akti­en­marktes und der Tech­no­lo­gieblase voraus. Wie konnten Sie das?

Die großen speku­la­tiven Manien der Geschichte waren mit Neue­rungen verbunden, die große öffent­liche Begeis­te­rung auslösten. Das war auch der Fall beim Internet, und damit einher­ge­hend hatten wir die allge­gen­wär­tige Über­schwem­mung mit Geld und Kredit. Ja, ich schrieb, ein Bären­markt sei unaus­weich­lich.

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Das Deutsche Reich existiert fort …

Dezember 4th, 2002

Zu den Konsequenzen der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts

von Hannes Kaschkat

  1. Die Bundes­re­pu­blik Deutsch­land ist derjenige deutsche Staat, der als Nord­deut­scher Bund am 1.7.1867 gegründet und nach den sog. „Novem­ber­ver­trägen” mit den süddeut­schen Staaten ab 1.1.1871 zum „Deutschen Reich” (Kaiser­pro­kla­ma­tion vom 18.1.1871 in Versailles) erweitert wurde. Weder die November-Revo­lu­tion von 1918, noch der Umsturz vom 30. Januar 1933 und auch nicht die Kapi­tu­la­tion der Deutschen Wehrmacht vom 8. Mai 1945 haben an diesem staats- und völker­recht­li­chen Befund etwas geändert. Der deutsche Vorgän­ger­staat, das mittel­al­ter­liche Deutsche Reich, war nach terri­to­rial verlust­rei­chen Kriegen gegen das expan­die­rende revo­lu­tio­näre Frank­reich faktisch bereits mit dem von Frank­reich und Rußland diktierten Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schluß des Immer­wäh­renden Reichs­tages in Regens­burg vom 25.2.1803 unter­ge­gangen. Nach der Gründung des „Rhein­bundes” unter dem Protek­torat des Kaisers der Franzosen im Juli 1806 durch 16 deutsche Fürsten und deren Austritts­er­klä­rung aus dem Deutschen Reich vom August 1806 erlosch das Alte Reich schließ­lich formal mit der Nieder­le­gung der deutschen Wahl-Kaiser­krone durch Franz II. am 10.8.1806, nachdem dieser bereits seit 1804 als Franz I. den Titel eines Erb-Kaisers von Öster­reich ange­nommen hatte. Nach der endgül­tigen Nieder­lage des napo­leo­ni­schen Frank­reichs trat mit der Bundes­akte vom 8.6.1815 auf dem „Wiener Kongreß” der Deutsche Bund — ein völker­recht­li­cher Staa­ten­verein, aber kein Bundes­staat — ins Leben. Unter dem Donner der Kanonen von König­grätz beendete er seine Existenz. Im Prager Frieden vom 23.8.1866 erkannte Öster­reich die Auflösung des Deutschen Bundes an und stimmte der Neuge­stal­tung Deutsch­lands ohne seine Betei­li­gung zu. Soweit die kurso­ri­sche Vorge­schichte der heutigen „Bundes­re­pu­blik Deutsch­land” und ihre staats- und völker­recht­liche Konti­nuität seit 1867.
  2. Dem Urteil des Bundes­ver­fas­sungs­ge­richtes vom 31.7.1973 (BVerfGE 36, 1 ff.) zum Grund­la­gen­ver­trag vom 21.12.1972 zwischen der Bundes­re­pu­blik Deutsch­land und der Deutschen Demo­kra­ti­schen Republik, aus dem die Über­schrift dieses Aufsatzes als Zitat stammt, kommt eine bleibende Bedeutung für die recht­li­chen Grund­lagen der deutschen Staat­lich­keit zu.
    1. Die Baye­ri­sche Staats­re­gie­rung hatte am 28.5.1973 beim Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt beantragt fest­zu­stellen, daß der Grund­la­gen­ver­trag mit dem Grund­ge­setz nicht vereinbar und deshalb nichtig sei. Zur Begrün­dung hatte die Baye­ri­sche Staats­re­gie­rung im wesent­li­chen vorge­tragen, daß der Vertrag gegen das Gebot der Wahrung der staat­li­chen Einheit Deutsch­lands verstoße. Er beruhe auf der vom Grund­ge­setz verwor­fenen Rechts­auf­fas­sung vom Untergang des Deutschen Reiches und dem Neuent­stehen zweier unab­hän­giger Staaten auf dem Gebiet des alten Reiches und verletze somit auch das grund­ge­setz­liche Wieder­ver­ei­ni­gungs­gebot. Mit dem Urteil vom 31.7.1973 wies das Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt zwar formal den baye­ri­schen Antrag ab, versah dies aber mit einer Begrün­dung, die den baye­ri­schen Vorstel­lungen voll­in­halt­lich entsprach. Das Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt ging davon aus, daß der ihm zur verfas­sungs­recht­li­chen Prüfung vorge­legte Vertrag ein poli­ti­scher Vertrag im Sinne von Art. 59 Abs. 2 GG sei und damit voll der verfas­sungs­ge­richt­li­chen Normen­kon­trolle unter­liege. Die verfas­sungs­ge­richt­liche Beur­tei­lung des Grund­la­gen­ver­trages machte erfor­der­lich, daß sich das Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt mit den verbind­li­chen Aussagen des Grund­ge­setzes über den Rechts­status Deutsch­lands ausein­ander zu setzen hatte. Hierüber hatte es seit 1945 in der deutschen Staats­rechts­lehre kontro­verse Ansichten gegeben. Diese reichten von der Annahme des Unter­ganges des Deutschen Reiches durch die Kapi­tu­la­tion der Wehrmacht am 8.5.1945 bis zur sog. Iden­ti­täts­theorie, die von einer Fort­set­zung des Deutschen Reiches durch die Bundes­re­pu­blik Deutsch­land ausging. Hierzu stellte das Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt verbind­lich klar:

      Das Grund­ge­setz — nicht nur eine These der Völker­rechts­lehre und der Staats­rechts­lehre! — geht davon aus, daß das Deutsche Reich den Zusam­men­bruch 1945 über­dauert hat und weder mit der Kapi­tu­la­tion noch durch Ausübung fremder Staats­ge­walt in Deutsch­land durch die alli­ierten Okku­pa­ti­ons­mächte noch später unter­ge­gangen ist; … Das Deutsche Reich existiert fort …, besitzt nach wie vor Rechts­fä­hig­keit, ist aller­dings als Gesamt­staat mangels Orga­ni­sa­tion, insbe­son­dere mangels insti­tu­tio­na­li­sierter Organe selbst nicht hand­lungs­fähig . … die Bundes­re­pu­blik Deutsch­land ist also nicht „Rechts­nach­folger” des Deutschen Reiches, sondern als Staat identisch mit dem Staat „Deutsches Reich” — in bezug auf seine räumliche Ausdeh­nung aller­dings „teili­den­tisch”, … unbe­schadet dessen, daß sie … ein einheit­li­ches Staats­ge­biet „Deutsch­land” (Deutsches Reich), zudem ihr eigenes Staats­ge­biet als ebenfalls nicht abtrenn­barer Teil gehört, anerkennt”.

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Marc Faber — Im Zwielicht

August 20th, 2002

Original: In the Twilight Zone vom 6. August 2002
Ueber­setzt von Kai Hacke­messer August 2002

Einbrüche in den westlichen Kapitalmärkten würden düstere Zeiten wirklicher wirtschaftlicher Not erahnen lassen, behauptet Dr. Marc Faber

Ich habe bereits früher begründet, daß das Fehlen jeglichen Grund­la­gen­wis­sens über die Zukunfts­aus­sichten und Gewinne der gelis­teten Unter­nehmen nicht nur auf das Internet und den TMT-Bereich (Tech­no­logie, Medien und Tele­kom­mu­ni­ka­tion) zutrifft, sondern auf die meisten Unter­nehmen.

Für mich war klar, daß das Internet eine Welt des „reibungs­losen Kapi­ta­lismus” hervor­bringen würde, welcher wiederum die Unter­neh­mens­ge­winne drücken würde, da die meisten Unter­nehmen einen guten Anteil ihrer Profite aus dieser Reibung gewannen. Reibung infla­tio­niert die Preise, reduziert die Rivalität und schützt die Margen.

Die gewinn­freund­liche Reibung kommt in vielerlei Gestalt. Unwis­sen­heit des Kunden ist vermut­lich der wich­tigste Faktor, andere sind örtliche Monopole und der Mangel an Verhand­lungs­ge­schick der kleineren Unter­nehmen. Es war eindeutig so, daß das Internet viel mehr Trans­pa­renz in die Märkte gebracht hat und diese Reibungen weit­ge­hend beseitigt hat, während B2B-Knoten es kleineren Unter­nehmen viel leichter gemacht hat, sich zusam­men­zu­schließen und Zuge­ständ­nisse ihrer Liefe­ranten zu erzwingen — wozu zuvor nur große Unter­nehmen in der Position waren.

Und obwohl Ich seiner­zeit schrieb, daß ich glaube, eine Zeit der sehr enttäu­schenden Unter­neh­mens­ge­winne habe begonnen, habe ich eine Form der Reibung übersehen, welche mit der gesell­schaft­li­chen Grund­stim­mung der Anle­ger­ge­meinde zusam­men­hängt — oder, um es zu verein­fa­chen, mit deren Unwis­sen­heit und gren­zen­loser Leicht­gläu­big­keit.

In den späten 90ern waren Unter­nehmen in der Lage, gewaltige Gewinn­stei­ge­rungen zu verbuchen, weil es einfach kaum jemanden inter­es­siert hat, wie diese Gewinne erzielt wurden. In anderen Worten wurde die Anle­ger­ge­meinde — gefangen in einem Wirbel­wind der Speku­la­tion und geblendet durch die bulli­schen Kommen­tare der Geschäfts­führer, Analysten und Mr. Greenspan — darauf ausge­richtet, alle Arten von Buch­hal­tungs­tricks, Akti­en­rück­käufe auf Kredit, gefähr­liche speku­la­tive Anla­ge­po­si­tionen und sogar blanken Betrug, um die Gewinne anzu­kur­beln, zu igno­rieren.

Die Situation in den 90ern verkör­pert, was der fran­zö­si­sche Soziologe Gustave Le Bon mehr als 100 Jahre zuvor in seinem Klassiker „Psycho­logie der Massen” beob­achtet hat, als er schrieb, daß die Masse „nicht vorbe­reitet ist, zuzugeben, daß irgend­etwas zwischen ihren Willen und die Reali­sie­rung ihres Willens kommen kann”, während „die Idee der Unmög­lich­keit für das Indi­vi­duum in der Masse verschwindet”. Solange die Aktien stiegen, hat sie niemand wirklich gesorgt. Read the rest of this entry »

Wie man Gold mit Papier steuert

Juni 8th, 2002

Quelle: Control­ling Gold with Paper
Geschrieben am 08.06.02 von Jason Hommel für Gold Eagle
Übersetzt am 08.06.02 von Kai Hacke­messer

Am Dienstag, dem 4. Juni fiel der Kassakurs für Gold in den Sekun­där­markt­stunden von 329$/Unze auf 325$/Unze, und im Verlauf des nächsten Tages fiel er weiter auf 321$/Unze. Weniger als 24 Stunden später berich­tete www.theminingweb.com und die GATA, daß dies ein Ergebnis eines Groß­ver­kaufs von Termin­kon­trakten mit einem relativ illi­quidem Datum in einem relativ illi­quidem Markt (wegen der unge­wöhn­li­chen Uhrzeit) war, was den Preis gedrückt hat.

Es ist raffi­niert zu sehen, wie der Preis des Goldes diesmal wie auch früher mit Papier-Kontrakten herun­ter­ma­ni­pu­liert wurde. Da kommt die Frage auf: „Wie können die den Goldpreis nieder­knüp­peln, wenn sie gar kein Gold verkaufen?” Ich möchte mein bestes tun und versuchen, dieses Falsch­spiel zu verein­fa­chen und zu erklären, und die wesent­li­chen Tatsachen, die so bullisch für den Goldmarkt sind, behandeln, welche auch zur Zeit den aktuellen Bullen­markt im Gold verur­sa­chen. Diese Abhand­lung könnte Ihnen auch helfen, Ihre Freunde, Verwandte und Bekannte, die den Gold Eagle nicht lesen, vom Nutzen der Inves­ti­tion in Gold zu über­zeugen.

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Deutschland und das Deutsche Reich heute nach dem Öffentlichen Recht

Juni 8th, 2002

von Prof. Dr. jur. Hans Werner Bracht, Breslau und Gleiwitz/OS.

    1. Die Bundes­re­pu­blik Deutsch­land ist nicht identisch mit dem Deutschen Reich und daher auch nicht identisch mit dem Deutsch­land von heute. Das Deutsche Reich besteht vielmehr bis auf den heutigen Tag fort. Und zwar aus folgenden Rechts­gründen:
    2. Es gibt kein festes Datum, ab dem das Deutsche Reich unter­ge­gangen wäre. Daher besteht das Deutsche Reich bis auf den heutigen Tag fort. Das hat auch noch zur Folge, daß auch das Gesetz des Alli­ierten Kontroll­rates Nr. 46 aus dem Jahre 1947, das das Land Preußen auflösen sollte und wollte, von Rechts wegen nicht besteht. Denn es wider­spricht dem allge­meinen Völker­recht eindeutig, da eine Besat­zungs­macht nach Kriegs­völ­ker­recht nicht berech­tigt ist, das Gebiet des besetzten Landes will­kür­lich zu verändern. Nach Art. 25 des Grund­ge­setzes geht das Völker­recht dem deutschen Recht im Range vor, weshalb alles, was dagegen verstößt, in Deutsch­land rechts­widrig ist. Das ergibt sich völker­recht­lich aus dem im Völker­recht für den Krieg allein geltenden Gesetz des Inter­na­tio­nalen Kriegs­rechts, der sog. Haager Land­kriegs­ord­nung (HLKO) vom 18.10.1907. Sie gilt noch heute für jede Besat­zungs­macht in jedem fremden Land, das infolge eines Krieges besetzt wurde (Art. 22 a.a.O.). Mithin ist davon auszu­gehen, daß das Deutsche Reich und auch Preußen noch voll­ständig weiter­be­stehen und nicht etwa gar völker­recht­lich zulässig von den Okkupations­mächten Polen, Rußland (Nord-Ostpreußen), Litauen (Memel­kreise) annek­tiert worden sind.
    3. Nach allge­meinen Völker­recht könnte das Deutsche Reich und auch Preußen am 8.5.1945 erloschen sein, sofern eine sog. debel­latio vorliegen würde. Das ist nach allge­meinem Völker­recht dann der Fall, wenn eine poli­ti­sche Macht durch eine andere mili­tä­ri­sche Macht den Staat „Deutsches Reich” und auch „Preußen” voll­kommen besiegt hätte. Das aber war nicht der Fall, wie sich völker­recht­lich eindeutig aus der „Erklärung in Anbe­tracht der Nieder­lage Deutsch­lands und der Übernahme der obersten Gewalt des Staates durch die Regierung des Verei­nigten König­rei­ches von Groß­bri­tan­nien, der Verei­nigten Staaten von Amerika und der Union der Sozia­lis­ti­schen Sowjet­re­pu­bliken (UdSSR) und die Provi­so­ri­sche Regierung der Fran­zö­si­schen Republik vom 5.6.1945 (sog. Berliner Erklärung)” ergibt. Dort erklärten die Sieger das Fort­be­stehen Deutsch­lands in den Grenzen vom 31.12.1937. Daher betrachten sie Deutsch­land als poli­ti­sche Einheit in diesem Rahmen und wollten so über Deutsch­land verhan­deln. Das bedeutet, daß debel­latio Deutsch­lands nicht vorliegt und daß schon aus diesem Rechts­rahmen und Rechts­grund das Deutsche Reich und Preußen staats- und völker­recht­lich in vollem Umfang fort­be­stehen. Read the rest of this entry »

Ein Brief aus Argentinien

Juni 7th, 2002

Quelle
Übersetzt am 7. Juni 2002 von Kai Hacke­messer

Die Gold­horter in Japan können sicher­lich das volks­wirt­schaft­liche Leid Argen­ti­niens immer ernst­hafter nach­emp­finden. Wir lesen davon, daß japa­ni­sche Haushalte dieser Tage sich Edel­me­tall Barren für Barren schnappen, offen­sicht­lich befürch­tend, daß die Probleme, welche das nationale Banken­system beinahe ein Jahrzehnt heim­su­chen, eher schlimmer als besser werden.

Vergli­chen mit Argen­ti­nien stellt Japan jedoch ein Bild einer gesunden Volks­wirt­schaft dar. Wie schlimm läuft es heut­zu­tage in einem Land, welches bis vor kurzem eine der erfolg­reichsten Mittel­klas­se­be­völ­ke­rung der Welt hatte?

Hier ein Bericht aus den Schüt­zen­gräben — Ich möchte Sie warnen, er ist nichts für zart­be­sai­tete Gemüter. Er stammt von einem Argen­ti­nier, der regel­mäßig mit einem meiner Freunde in Phil­adel­phia korre­spon­diert. Die in dem Brief beschrie­benen Zustände liegen jenseits der Vorstel­lungs­kraft der meisten Ameri­kaner, jedoch nicht länger hinter jener der Japaner:

Ich möchte Dir folgende Ange­le­gen­heit mitteilen, lieber E.M. Ich bin sogar noch weiter im Landes­in­neren als Buenos Aires, weitab der Kata­stro­phen der Groß­städte. In weniger als einem Jahr ist die Prozent­zahl derer, die in Armut leben, hier von 14% auf 50% gestiegen — und steigt Tag für Tag weiter! Nun ist etwas seltsames hier geschehen. Ich weiß nicht, ob diese eigen­tüm­liche Situation im Ausland bekannt ist, aber die Banken — alle, einschließ­lich der Citibank, Boston, Banca Nazionale del Laboro, der Societe General und Deutsch­lands zweit­größter Bank — haben die Erspar­nisse des Volkes schlicht gestohlen. Dies ist eine beispiel­lose Situation in der Neuzeit und ich bin mir sicher, daß es früher oder später woanders Auswir­kungen zeigen wird. Aber die Tatsache ist einfach: Am einen Tag hatte man Geld auf der Bank, und am anderen Tag, wenn man es abzuheben versuchte, war es nicht mehr da. Alle Banken sagen einfach „Wir haben es nicht.”

Kannst Du dir das vorstellen? Nicht nur daß die Erspar­nisse von jedem einschließ­lich der älteren über Nacht verschwunden sind, ebenso sind unser Glaube und unsere Zuver­sicht in die poli­ti­schen und Finanz­in­sti­tu­tionen in diesem Land geschwunden. Und selbst jene, die keine Erspar­nisse zu verlieren hatten, wie in meinem Fall, sind schwer betroffen von der Krise, einfach weil das Volk in allen Lebens­lagen kein Geld mehr hat. Sie können sich nicht mit ihren Anwälten und Buch­hal­tern über die Sachlage beraten, weil sie kein Geld haben, um solche Dienste zu bezahlen. Deswegen sind sogar die berühm­testen Profes­sio­nellen wegen des gewal­tigen Geschäfts­aus­falls pleite. Und selbst die Leute, welche noch arbeiten, können kein volles Gehalt beziehen, weil die Summe, die sie jeden Monat erhalten können, beschränkt wurde. Um es noch schlimmer zu machen, hat der Zuver­sichts­ver­lust seinen Tribut bei mora­li­schen und ethni­schen Werten gefordert, weswegen Entfüh­rungen, Drogen­miß­brauch, Selbst­mord­raten unter Jugent­li­chen und Jugend­kri­mi­na­lität mit alar­mie­render Geschwin­dig­keit zunehmen.”

Wir in Amerika nehmen es als selbst­ver­ständ­lich hin, daß unsere Situation niemals in solchem Ausmaße herun­ter­kommen könne. Aber nur vor wenigen kurzen Jahren hätten auch nur wenige in Argen­ti­nien sich solche Bedin­gungen ausmalen können. Selbst wenn die USA unver­sehrt aus der volks­wirt­schaft­li­chen Besche­rung in Argen­ti­nien und Japan heraus käme, ist nun jedoch eine Sache klar:

Für die vorher­seh­bare Zukunft wird Gold — die markt­fä­higste aller Waren — Gefan­gener jener Ängsten sein, die nicht über­zeu­gend beruhigt werden können.

Schwer verschuldet, schwer gefährdet

Juni 6th, 2002

Quelle: Deep in Debt, Deep in Danger
von Hans F. Sennholz
vom 30.5.2002
übersetzt durch Kai Hacke­messer

Politiker verhalten sich selten Ihren Verspre­chungen entspre­chend. Sie können sich elegant über Haus­halts­über­schüsse äußern während sie gewaltige Defizite einfahren. Der Präsident könnte einen Krieg vom Zaun brechen, um den Frieden zu erhalten und die Senatoren und Reprä­sen­tanten können über Spar­sam­keit und „nationale Vertei­di­gung” Reden halten, aber geben reichlich Geld für Dinge aus, die ihre Popu­la­rität und Wieder­wahl­chancen verbes­sern. Sie können sogar die Gele­gen­heit nutzen, besondere Inter­essen in ihren eigenen Staaten und Bezirken zu befrie­digen. Für viele ist nationale Vertei­di­gung eine Gele­gen­heit.

Außerhalb der Welt der Politik sind die Haus­halts­über­schüsse tatsäch­lich Haus­halts­de­fi­zite, welche die Sozi­al­ver­si­che­rungs­fonds auffressen. Während diese Art defi­zi­tärer Finan­zie­rung auf den heutigen Kapi­tal­märkten nicht schwer wiegt, überträgt es die Rück­zah­lungs­last auf die Schultern der zukünf­tigen Steu­er­zahler, Anlei­he­märkte oder beide, wenn die Sozi­al­ver­si­che­rungs­leis­tungen fällig werden. Jeder Manager eines privaten Treu­hand­fonds, der es wagen würde, die ihm anver­trauten Gelder auszu­geben und durch seine Schuld­scheine zu ersetzen, würde straf­recht­li­cher Verfol­gung ausge­setzt sein. Wenn es das Schatzamt der Verei­nigten Staaten macht, nennt man es „kreative Finan­zie­rung”.

Die bundes­staat­li­chen Ausgaben werden seit Ende 1995 „kreativ” finan­ziert, als das Schatzamt die durch den Kongreß erlassene Schul­den­ober­grenze von 4,9 Billionen Dollar erreichte. Die Strategie von Finanz­mi­nister Robert Rubin finan­zierte die Regierung nichts­des­to­trotz bis Ende März 1996, als der Kongreß die Ober­grenze anhob. Heute, sechs­ein­halb Jahre später haben die Schulden wieder die vom Kongreß erlassene Ober­grenze von 5,95 Billionen Dollar erreicht, und ganz wie sein Vorgänger Rubin greift Finanz­mi­nister Paul O´Neil stra­te­gisch in dieselbe Trick­kiste. Es wirft ernst­hafte Zweifel am Wert jeder vom Kongreß erlas­senen Schul­den­ober­grenze auf. Read the rest of this entry »

Bundesrepublik Deutschland: Souveräner Staat oder noch immer mit Besatzungsrecht?

Mai 5th, 2002

Von Hans-Peter Thietz

Im Jahre 1990 ist die DDR gemäß Artikel 23 Grund­ge­setz der Bundes­re­pu­blik beige­treten. Als Mitglied der damaligen Volks­kammer wurde dies auch mit meiner Stimme beschlossen. Der Beitritt erfolgte aufgrund eines Vertrags­kom­plexes, durch den nach offi­zi­eller Darstel­lung die Nach­kriegsära abge­schlossen und Deutsch­land wieder eine volle Souve­rä­nität erhalten habe. Ein klas­si­scher Frie­dens­ver­trag sei dadurch über­flüssig geworden und die Notwen­dig­keit des Abschlusses eines solchen durch die poli­ti­schen Ereig­nisse überholt.

Diese Darstel­lung läßt sich bei näherer Nach­prü­fung nicht aufrecht erhalten:

Gemeinhin wird der soge­nannte „Zwei-plus-Vier-Vertrag” als alles regelnder Basis­ver­trag zwischen den vier ehema­ligen Sieger­mächten und den tempo­rären Teil­staaten BRD und DDR angesehen, durch den Deutsch­land seine volle Souve­rä­nität gemäß Artikel 7 (2) wieder­ge­wonnen habe. Dieser Artikel 7 (2) lautet:

Das vereinte Deutsch­land hat demgemäß seine volle Souve­rä­nität über seine inneren und äußeren Ange­le­gen­heiten. ”

Dieser Wortlaut bedeutet für den normal­ver­stän­digen Bürger, daß keinerlei Rege­lungen aus früherem Besat­zungs­recht mehr fort­gelten können, die sich bis dahin aus dem soge­nannten „Über­lei­tungs­ver­trag” mit dem offi­zi­ellen Namen „Vertrag zur Regelung aus Krieg und Besatzung entstan­dener Fragen” in seiner revi­dierten Fassung vom 23.10.1954, veröf­fent­licht in BGBl II, am 31.3.55, ergaben.

Der Überleitungsvertrag

Dieser „Über­lei­tungs­ver­trag” umfaßte ursprüng­lich 12 Teile, von denen in der Fassung vom 23.10.1954 die Teile II, VIII und XI als bereits gestri­chen ausge­wiesen sind und dieser Vertrags­text zu jenem Zeitpunkt so noch 9 Teile mit insgesamt 83 Artikeln und 224 Abschnitten fort­gel­tender Bestim­mungen der Alli­ierten enthielt. Solange er galt (also bis September 1990), konnte von einer Souve­rä­nität der Bundes­re­pu­blik Deutsch­land keines­wegs gespro­chen werden.

Die Politiker und die Medien der BRD, die über Jahr­zehnte ihren Staats­bür­gern und Wählern eine solche Souve­rä­nität glauben machen wollten, handelten wider besseres Wissen oder ohne Kenntnis dieses Vertrages.

Zur Gewährung einer vollen Souve­rä­nität war dieser „Über­lei­tungs­ver­trag” mit seinen alli­ierten Vorschriften in Folge des „Zwei-plus-Vier-Vertrages” also aufzu­heben. Read the rest of this entry »