JOD – Zuviel davon macht krank

Quelle: Balance® 3/2000, Onlinefassung

Die Zahl der durch Jod kranken Menschen in Deutschland steigt kontinuierlich, aber nicht immer wissen die Betroffenen, dass ihre Krankheitserscheinungen auf eine Jod-Unverträglichkeit zurückgehen. Sie leiden unter einer in extremer Form auftretenden Akne, unter Hautausschlägen, Bindehautentzündung, Asthma, Herzrhythmusstörungen, Schlafstörungen, Ruhelosigkeit, Depressionen, Zappelbeinen, Impotenz, Krebs u.v.a.m. und ahnen nicht einmal, dass eine Überjodierung in der täglichen Nahrung ihre Krankheit ausgelöst hat. Und sie werden mit ihren Sorgen und Nöten allein gelassen, denn von Ärzten und Gesundheitsbehörden wird, was die Jodgefahren angeht, praktisch keine Aufklärungsarbeit geleistet. Im Gegenteil vergibt das Bundesministerium für Gesundheit das irreführende Gütesiegel: Gesünder mit Jodsalz, was eine geradezu fahrlässige, nicht ausreichende Aufklärung über die Risiken und Nebenwirkungen bedeutet.

Kropfbildung durch Jodmangel?

Gerade die These, die am meisten in aller Munde ist, ist in Wahrheit ein Flopp und nicht mehr wert als irgend ein Werbespruch. Die Jodbefürworter wissen das. Sie kennen die Studie des Münchener Endokrinologen Hellmut Haubold „Der Kropf, eine Mangelerkrankung“ und haben sich vom Titelblatt dieser Studie den Slogan abgeschrieben, den jedermann brav nachbetet. Haubold zitiert dort nämlich einen altbayerischen Bauernspruch: „Was ist flüssiger als Wasser? Der Kropf ­ er ist überflüssig“. Hauptergebnis von Haubolds Studie: Ein Kropf entsteht niemals allein durch Jodmangel. Auch Bundesbehörden kommen nicht umhin, das in ihren wissenschaftlichen Verlautbarungen zu bestätigen: Das Bundesumweltamt hat in einer Studie schon 1994 (!) die Theorie vom Jodmangel-Gebiet Deutschland grundsätzlich in Frage gestellt und die Kropfbildung auf eine Jodverwertungsstörung zurückgeführt, die durch überhöhte Nitratwerte in den Böden und Huminsäure im Grundwasser hervorgerufen wird. ­ „Der Mechanismus beruht auf einer Konkurrenz zwischen Jod und Nitrat zugunsten der Nitrataufnahme, so dass daraus ein Jodmangel resultiert.“ Außerdem binden „funktionelle Gruppen der Huminsäuren Jod sowohl in seiner elementaren Form als auch Jodid im Magen-Darmkanal“. „Damit kann weniger Jod aus dem Darm resorbiert werden,“ was bedeutet, dass eine künstliche Jodzufuhr bei gleichbleibender Nitratbelastung und Huminsäure im Trinkwasser völlig nutzlos, folglich absolut unsinnig ist.

Deutschland ein Jodmangelgebiet?

Die These, Deutschland sei ein Jodmangelgebiet, wird, weil ihre wissenschaftlich korrekte Form niemand vom Stuhl reißen würde, verkürzt zitiert. Nach der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation ist Deutschland ein „leichtes bis mittleres Jodmangelgebiet“. So korrekt wiedergegeben ist die geophysikalische Begründung des Jodmangels schon weit weniger werbewirksam. Aber stimmt sie überhaupt? Warum haben seit der angeblich bösen Eiszeit, die das Jod ins Meer gespült haben soll, einige tausend Jahre in Deutschland Menschen gesund gelebt? Auch fällt auf: Kein anderes europäisches Land verfügt über so viele jodhaltige Heilbäder, wie ausgerechnet Deutschland, von Aachen bis Bad Tölz. „Jod satt“ sozusagen, vor allem, und das ist bemerkenswert, im kropfreichen Süddeutschland, wie in den Bädern Abbach, Gögging, Griesbach, Birnbach, Füssing, Endorf, Tölz, Wiessee, Heilbrunn und Kissingen. Außerdem: Niemand ernährt sich mehr saisongemäß mit Obst und Gemüse aus der Region. Wir essen Kiwis aus Neuseeland, Käse aus Frankreich, Tomaten aus Spanien, Trauben und Bohnen aus Italien, Gurken aus Israel und Kartoffeln aus Marokko oder Zypern und polnischen Schinken. Womit wir schon die meisten derjenigen Länder aufgezählt haben, deren Produkte ohne künstliche Jodzusätze und folglich für Jodgeschädigte ohne Gesundheitsschaden genießbar sind. Denn unsere einheimischen Produkte, von Natur aus schon jodhaltig wie Bohnen, Möhren, Zwiebeln, Spinat, Radieschen, Rettich und Spargel, Gartenkresse, Petersilie und Schnittlauch, sind mittlerweile ­  über Bio- und Kunstdünger ­ mit künstlichem Jod versetzt..

Selbst Biomilch ist künstlich jodiert.

Seit 1995 werden alle Mineralstoffgemische ­ auch für den Biobereich ­ künstlich jodiert, wobei die Jodzusätze oft in der sogenannten „Mineralstoffvormischung“ undeklariert versteckt sind. Startschuss für diese nun endgültig totale Jodierung sämtlicher Grundnahrungsmittel war eine Berliner Tagung, die der Direktor des sogenannten „Bundesamtes für Veterinärmedizin und Verbraucherschutz“ (eine Restbehörde des kurz vorher wegen des Blutkonservenskandals aufgelösten „Bundesgesundheitsamtes“), der Veterinär Prof. Dr. Ralf Großklaus 1994 organisiert hatte. Dabei brachte er alle „Scharfmacher“ der Jodprophylaxe und die Vertreter der Interessenverbände an einen Tisch  und schwor sie auf diese „flächendeckende“ Aktion ein.

Kein deutsches Milchprodukt, kein Ei und kein Schnitzel oder Rinderfilet, keine Butter, kein Quark, kein Käse und wird seither ohne künstliche Jodzusätze erzeugt. Es gibt in Deutschland nur eine einzige Firma, die unjodierte Mineralfuttergemische anbietet, aber diese so teuer, und offensichtlich so kompliziert zu verabreichen, dass gerade die im Preiskampf stehenden Bio-Erzeuger kaum darauf zurückgreifen. Jedenfalls ist uns kein einziger Biobauer bekannt, der es verwendet. Eindeutiger Beweis dafür sind ohnehin die Erfahrungen der Jodallergiker, die unvermindert heftig auch auf deutsche Biomilcherzeugnisse reagieren.

Jod gelangt über die Nahrungskette auch ins Gemüse

Die Tierfutterjodierung hat Auswirkungen, die sich jeder Kontrolle entziehen. Organische Dünger, wie ihn gerade Bioerzeuger verwenden, enthalten das vorher dem Tierfutter zugesetzte künstlich hergestellte Jodid als Ausscheidungsprodukt. Aus diesem Grund ist auch deutsches Bodengemüse und Obst (z.B. Erdbeeren) heute zwangsjodiert. Lediglich Baumobst, wie Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen, Mirabellen usw. entzieht sich diesem tückischen Kreislauf.

Bundesdeutsche Kühe erhalten zusätzlich jodierte Salzlecksteine, während es dies bei unseren Pferden nicht gibt, da man immer schon wusste, dass Pferde durch zusätzliche Jodgaben hysterisch werden… Bemerkenswert: Die Jodierung sollte auch das Wild erfassen, das sich ja unbestritten, wie es in einem Artikel in „Jagd und Jäger“ formuliert wird, „seit Jahrtausenden instinktiv richtig ernährt und…noch nie unter Jodmangel gelitten“ hat. Doch das vorsichtigste Waldtier, das Reh, vorher dankbar unjodierte Salzlecken annehmend, verweigerte die plötzlich ausgelieferten jodierten Salzlecken. Viele Jagdverbände reagierten, und warfen die ohnedies teureren Jodsalzlecken wieder aus ihrem Wald hinaus. ­ Die Argumentation der deutschen Futtermittelindustrie, die Hybridtiere (Geflügel) brauchten künstliche Jodzusätze, sonst verlören sie ihre Federn, ist geradezu albern. Kein deutsches Huhn lief vor 1995 nackt herum, und französische, italienische und andere auswärtige Hühner tun dies bis heute nicht.

Kein tägliches Brot mehr für Millionen!

In dem Fernsehbeitrag „Krank durch Jod“ des Magazins „Brisant“ vom 19.Mai 1998 sagte Prof. Dr. Jürgen Hengstmann, Leiter einer der größten Schilddrüsenambulanzen Deutschlands am Berliner St. Urban Krankenhaus: „Zehn bis fünfzehn Prozent der Bevölkerung werden unter einer Hochjodierung zu leiden haben.“ Das sind über 10 Millionen Menschen, die seit 1993, als die Lebensmittelzusatzstoffverordnung geändert wurde, kein tägliches Brot mehr haben. Denn anders als vorher müssen Jodzusätze bei unverpackten Lebensmitteln nun nicht mehr angezeigt werden. So kann Ihnen Ihr Bäcker zwar versichern, dass er selber kein Jodsalz verwendet, aber er kann keine Garantie für die von ihm verwendeten Backmischungen übernehmen, die so gut wie ausschließlich jodiert sind. Der Ernährungswissenschaftler Richard Fuchs in seinem Buch „Functional Food“ (Berlin 1999): „Die Aufnahme von zuviel Jod kann sogar die Kropfbildung begünstigen, darum ist die Verwendung von jodiertem Speisesalz (ungekennzeichnet) in Backstuben unverantwortlich.“

Die Zwangsmedikation verletzt das Grundgesetz

Niemand, der „normal“ lebt, d.h. der sich dann und wann einmal Restaurantbesuche gönnt, der „normal“ einkauft, nicht einmal derjenige, der im Bioladen einkauft, entgeht mehr den künstlich jodierten Nahrungsmitteln. Die Jodbefürworter können es drehen, wie sie wollen. Dies ist eine Zwangsmedikation, die dem demokratischen Freiwilligkeitsprinzip völlig widerspricht und dazu noch auf wissenschaftlichen Plattfüßen steht. Damit verletzt sie das Grundgesetz und zeigt in ihrer heimtückischen Anwendungsweise  geradezu totalitäre Strukturen, worauf gerade Deutsche eingedenk ihrer jüngsten Geschichte höchst empfindlich reagieren. Statt die Bevölkerung darüber zu informieren, wie man Mangelerscheinungen jedweder Art durch bewusste, ökologisch saubere Ernährung vorbeugen kann, anstatt für eine Rückführung der Nitratgehalte und der Übersäuerung der Böden zu sorgen, wird eine Jodhysterie erzeugt, deren schädliche Auswirkung noch nicht abzusehen ist. Denn zuviel Jod – vor allem künstlich erzeugtes  und den Lebensmitteln zugesetztes – Jod macht krank.

Die Zahl der durch Jod krank gewordenen Menschen ist in den letzten fünf Jahren der totalen Jodierung sprunghaft angestiegen, wie die Deutsche Selbsthilfegruppe der Jodallergiker, Morbus-Basedow- und Hyperthyreosekranken dokumentieren kann. Die meisten von ihnen waren vorher völlig gesund. Die Jodschädigung kam für sie ohne Vorwarnung, sie schliefen gesund ein und wachten jodkrank wieder auf.

Wer Jodschädigungen begrenzen oder ganz vermeiden will, sollte nachstehende Tipps beachten.

ERNÄHRUNGSTIPPS

nicht künstlich jodangereichert:

  • Fleisch (z.B. Geflügel), Eier, Milch und Milchprodukte aus Italien, Spanien, Frankreich, Polen, Ungarn und der Türkei
  • Rindfleisch aus Argentinien
  • Obst und Gemüse aus Südländern (Italien, Spanien, Israel, Ungarn, Neuseeland und Südafrika)

Vorsicht:

  • beim Kauf pflanzlicher Margarinen darauf achten, dass keine Milch als Emulgator verwendet wurde (Zusatz: Frei von Milchbestandteilen oder Eiweiß = 0).
  • Fruchtkonserven, Konfitüren und Süßwaren können den jodhaltigen Erythrosin enthalten (E127)
  • Vorsicht bei der Verwendung von Brühwürfeln. Sie können gleich dreifach Jod enthalten, über das verarbeitete Fleisch, über das zugesetzte Jodsalz und über das Milcheiweiß. Alternativen sind pflanzliche Gemüse-Brühen aus dem Reformhaus oder Bioladen
  • Bei verpackten Nahrungsmitteln darauf  achten, dass das Salz als „Salz“ oder „Speisesalz“ deklariert ist.
Dagmar Braunschweig-Pauli
Freie Journalistin (Medizin)

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